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Addis AbebaAbfall-Lawine auf Müllhalde – Dutzende Tote

Ein Erdrutsch auf einer Mülldeponie in Äthiopien hat Dutzende Menschen unter sich begraben. Für viele kam die Hilfe zu spät.

von
mch
Seit mehr als 50 Jahren wird hier Müll abgelagert: Polizeikräfte bei den Bergungsarbeiten nach dem Unglück. (12. März 2017)

Seit mehr als 50 Jahren wird hier Müll abgelagert: Polizeikräfte bei den Bergungsarbeiten nach dem Unglück. (12. März 2017)

Keystone/Elias Meseret/AP

Bei einem Erdrutsch auf einer Müllkippe in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba sind gemäss Stadtpräsident Diriba Kuma mindestens 46 Personen ums Leben gekommen, Dutzende weitere würden noch vermisst, sagte eine Sprecherin der Stadtregierung. Zahlreiche Gebäude und Hütten wurden verschüttet.

Auf der Müllkippe namens Koshe hatten sich nach Angaben von Augenzeugen rund 150 Menschen aufgehalten, als sich der Erdrutsch aus noch ungeklärten Gründen ereignete. Die meisten der Toten seien Frauen und Kinder, sagte die Sprecherin weiter.

37 Menschen konnten nach Angaben der Stadtverwaltung bisher gerettet werden, zwei von ihnen schwer verletzt. Der Bürgermeister von Addis Abeba, Diriba Kuma, kündigte an, er wolle langfristig ein Programm auflegen, um die an der Kippe wohnenden Menschen umzusiedeln.

Bagger suchen nach Verschütteten

Ein AP-Reporter vor Ort sah, wie sich sechs Bagger auf der Suche nach Überlebenden durch die Trümmer der verschütteten Häuser arbeiteten. Ältere Frauen weinten, während andere stumm die Rettungsarbeiten verfolgten und auf das Auftauchen vermisster Angehöriger hofften. Schon 2010 hatten Beamte der Stadtverwaltung gewarnt, dass der Platz dort nicht mehr ausreiche und die Halde von Schulen und Wohngebäuden eingeschlossen werde.

Geschätzte 500 arme Menschen durchwühlen täglich den Müll der Kippe nach Verwertbarem, um ihren Lebensunterhalt aufzubessern. Einige wohnen gleich dort in provisorischen Hütten.

Stadt baut neue Müllkippe

Auf der Müllhalde wird seit mehr als 50 Jahren der Abfall der Stadt mit ihren mittlerweile vier Millionen Einwohnern abgelagert. Für einige Jahre war sie stillgelegt, wurde aber kürzlich wieder in Betrieb genommen, weil Bauern eine andere geplante Müllkippe in ihrer Region blockierten.

Der Bewohner Assefa Teklemahimanot sagte, die Wiederinbetriebnahme habe vermutlich zu dem Erdrutsch mit beigetragen. In den vergangenen zwei Jahren habe es kleinere Erdrutsche gegeben, bei denen zwei bis drei Menschen umgekommen seien. Äthiopien gehört zu den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften Afrikas. Doch seit Oktober 2016 befindet sich das Land nach monatelangen Protesten für mehr politische Freiheiten im Ausnahmezustand.

Koshe bedeutet in der Landessprache «Schmutz». Die Stadtverwaltung baut derzeit nach Angaben ihrer Sprecherin eine neue Müllkippe für die rasant wachsende Hauptstadt, in der bereits vier Millionen Menschen leben. (mch/dapd)

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