Aktualisiert 20.06.2011 21:03

Recycling Abfall macht die Schweiz reich

Abfall ist zu einem wertvollen Gut geworden: Die Schweiz ist zwar arm an Bodenschätzen, doch dank Recycling ist das Land reich an Rohstoffen.

Allein im Jahr 2009 sammelte die Schweizer Bevölkerung fast 70 000 Tonnen Aluminium im Wert von rund 140 Millionen Franken.

Allein im Jahr 2009 sammelte die Schweizer Bevölkerung fast 70 000 Tonnen Aluminium im Wert von rund 140 Millionen Franken.

In alten Handys, leeren Glasflaschen oder matt flackernden Fernsehbildschirmen steckt die Zukunft der Schweizer Wirtschaft: Durch das Recycling solcher Güter werden wertvolle Rohstoffe produziert, die sonst teuer importiert werden müssen.

Die Wiederverwertung von Glas, Pet oder Kupfer ist nicht nur ökologisch, sondern bringt der Schweizer Wirtschaft tausende Arbeitsplätze und Umsätze in Millionenhöhe. Der Verein Swiss Recycling zieht in seinem ersten Leistungsbericht ein positives Fazit.

Stahl aus Abfall

Allein im Jahr 2009 sammelte die Schweizer Bevölkerung fast 70 000 Tonnen Aluminium im Wert von rund 140 Millionen Franken, wie es im Bericht von Swiss Recycling heisst. «Das Recycling macht die bodenschatzarme Schweiz zu einem Land, das reich ist an Rohstoffen», sagte Maurice Desiderato, Mitautor des Berichts, am Montag vor den Medien in Bern.

Dank der Separatsammlung von Abfällen aus Haushalten, Industrie, Gewerbe sowie der Bau- und Abbruchwirtschaft konnten im Jahr 2009 rund 1330 Tonnen Stahl produziert werden. Und durch die Wiederverwertung von 850 000 Tonnen Alteisen, 331 507 Tonnen Glas, 37 543 Tonnen Pet, 11 760 Tonnen Weissblech oder 7000 Tonnen Kupfer sparte die Schweiz Millionen.

Erdöl aus der Schweiz

«Erhebliche Mengen an Stahl, Eisen, Quarzsand, Erdöl und Kupfer mussten nicht importiert oder konnten gewinnbringend exportiert werden», erklärte Recycling-Experte Desiderato.

Durch die Produktion sogenannter Sekundärrohstoffe könne die Schweiz mehrere hundert Millionen Franken sparen, hielt er fest. Für Deutschland errechneten Wissenschaftler jährliche Einsparungen von 5,3 Milliarden Euro.

200 Kilo Kupfer in jedem Haus

Der Rohstoffhunger aufstrebender Volkswirtschaften wie China, Indien oder Brasilien werde das Recycling in Zukunft noch wertvoller machen, zeigte sich Desiderato überzeugt. Rohstoffe müssten nicht mehr nur aus dem Boden geholt, sondern vermehrt wiederverwendet werden. Das Schlagwort dazu heisst Urban Mining («Rohstoffe im urbanen Raum abbauen»).

Das Potenzial von Urban Mining ist auch in der Schweiz gross, wie das Beispiel Kupfer zeigt: «In einem durchschnittlichen Schweizer Haus sind rund 200 Kilogramm Kupfer verbaut», schreibt Swiss Recycling. Der wertvolle Rohstoff befinde sich beispielsweise in Stromleitungen, Heizungsrohren, Dachrinnen oder -blechen.

Konsumverhalten überdenken

Trotz unzähliger Möglichkeiten zur Wiederverwertung dürfe jedoch eines nicht vergessen gehen, mahnte Isabelle Marthaler, Geschäftsführerin von Swiss Recycling: «Wir sind Weltmeister im Recycling, aber auch im Verbrauchen.» Über kurz oder lang müssten alle ihr Konsumverhalten überdenken.

Der Verein Swiss Recycling ist die Dachorganisation von sieben Recycling-Organisationen, darunter Pet-Recycling Schweiz und die Ferro-Recycling, die Konservendosen und Stahlblech sammelt.

Nicht zum Verein gehören unter anderen die Organisationen, die Karton, Papier und Kompost sammeln. Ziel sei es, irgendwann alle Recycling-Zweige unter einem Dach zu vereinen, sagte Swiss Recycling-Präsident Bernhard Burger dazu. (sda)

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