Analyse: Abgas-Skandal lässt Preise von VWs einbrechen

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AnalyseAbgas-Skandal lässt Preise von VWs einbrechen

In den letzten zwölf Monaten sind die Preise von VW-Dieselfahrzeugen in der Schweiz um bis zu 53 Prozent gesunken. Der grösste Verlierer ist der VW Golf.

von
vb
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Die Online-Preise von VW-Autos sind wegen des Abgas-Skandals gesunken.

Die Online-Preise von VW-Autos sind wegen des Abgas-Skandals gesunken.

/Sean Gallup
Am grössten war das Minus zwischen August 2015 und August 2016 beim Diesel-Modell des VW Golf (-53 Prozent).

Am grössten war das Minus zwischen August 2015 und August 2016 beim Diesel-Modell des VW Golf (-53 Prozent).

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An zweiter Stelle folgt das Nutzfahrzeug VW Caddy mit -48 Prozent. Für den Preisvergleich hat Comparis die Preise von VW-Occasionen auf den grössten Schweizer Online-Automarktplätzen analysiert.

An zweiter Stelle folgt das Nutzfahrzeug VW Caddy mit -48 Prozent. Für den Preisvergleich hat Comparis die Preise von VW-Occasionen auf den grössten Schweizer Online-Automarktplätzen analysiert.

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Bald ist es ein Jahr her, seit der Skandal um manipulierte Abgastests beim VW-Konzern aufgedeckt wurde. Das Image des deutschen Autobauers hat seither stark gelitten. Doch auch auf die Preise von VWs hat sich die Affäre ausgewirkt. Das zeigt eine Erhebung von Comparis.ch.

Die Untersuchung des Vergleichsdiensts zeigt: Die Preise vieler VW-Occasionen mit Dieselmotoren sind zwischen August 2015 und Mitte August 2016 deutlich eingebrochen. Der grösste Verlierer in diesem Zeitraum ist der VW Golf: Das Preis-Minus seit Bekanntwerden des Abgas-Skandals beträgt 53 Prozent. An zweiter Stelle folgt das Nutzfahrzeug VW Caddy mit 48 Prozent. Insgesamt ist der Durchschnittspreis von VW-Dieselfahrzeugen um 26 Prozent gesunken.

Comparis hat für die Erhebung die vom Abgas-Skandal betroffenen Dieselfahrzeuge aus den Jahren 2009 bis 2013 untersucht. Auch die Preise der mit Benzin betriebenen Autos wurden mit einbezogen. Für den Preisvergleich hat Comparis die Preise von VW-Occasionen auf den grössten Schweizer Online-Automarktplätzen analysiert.

Auch andere Marken leiden

Der Reputationsschaden beim Volkswagen-Konzern hat auch Auswirkungen auf die Preise von anderen Marken aus dem VW-Konzern – allerdings mit etwas Verzögerung, wie Comparis-Sprecherin Manuela Rimlinger sagt: «Das liegt sicherlich daran, dass anfänglich nicht klar war, dass der Skandal nebst VW auch weitere Marken aus dem Hause Volkswagen betrifft.» Aufgrund des Baukastensystems, das im Volkswagen-Konzern Verwendung finde, würden jedoch dieselben Bauteile – somit auch die Software, welche die Emissionswerte manipuliert – markenübergreifend eingesetzt.

Stark gesunken sind etwa die Preise beim Diesel-Modell des Seat Leon: Heute sind sie 36 Prozent tiefer als noch vor einem Jahr. Ein Audi A4 ist 25 Prozent billiger zu haben.

Preise von Benzinern wieder auf Vor-Skandal-Niveau

Doch nicht nur die Preise von VWs mit Dieselmotoren haben unter dem Skandal gelitten, schreibt Comparis weiter. So zeigt die Untersuchung, dass Preise der Autos mit Benzinantrieb im Zeitraum August 2015 bis Februar 2016 durchschnittlich um 6 Prozent gefallen sind. Im Zeitraum März bis Juni stiegen die Preise sämtlicher Benziner wieder an. Mitte August kletterten sie wieder auf das Niveau, das vor dem Skandal üblich war.

In den ersten sechs Monaten nach dem Skandal verzeichnete bei den Benzin-Modellen der Škoda Superb mit 45 Prozent die grössten Einbussen. Auch die Preise des VW Passat gerieten unter Druck: Sie sanken um zwischen August 2015 bis Februar 2016 um 42 Prozent.

Amag kritisiert Studie deutlich

Gar nicht einverstanden mit der Auswertung von Comparis ist allerdings der grösste Volkswagenhändler der Schweiz, die Amag. In einer Mitteilung schreibt das Unternehmen: «Wir stellen fest, dass in der Realität, am Markt, in dem wir uns tagtäglich bewegen, überhaupt kein Preiszerfall bemerkbar ist.» Auch Eurotax, ein Marktexperte für Occasionspreise, habe bislang keine markanten Auffälligkeiten entdecken können.

Weiter heisst es in der Meldung, dass Comparis mit Ausnahme von nicht nachvollziehbaren pauschalisierten Prozentwerten und Modellangaben keine Fakten liefere. Über die Methodik seiner Studie lasse der Vergleichsdienst nur sehr wenig und ungenaues verlauten. Comparis hat auf diese Vorwürfe reagiert und versprochen, in den nächsten Tagen die Methodik der eigenen Studie detailliert zu veröffentlichen.

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