Aktie stürzt ab: Abgasskandal bei VW vernichtet 15 Milliarden
Aktualisiert

Aktie stürzt abAbgasskandal bei VW vernichtet 15 Milliarden

Die Volkswagen-Aktie ist am Montagvormittag um rund 20 Prozent getaucht. Zuvor hatte der Konzern eingestanden, in den USA die Abgaswerte manipuliert zu haben.

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Vergleich zwischen VW und Autobesitzern: Die US-Flagge reflektiert im VW-Logo. (Archivbild)

Vergleich zwischen VW und Autobesitzern: Die US-Flagge reflektiert im VW-Logo. (Archivbild)

Keystone
Sollen weniger verdienen: Die VW-Vorstandsmitglieder (v.l.) Karlheinz Blessing, Herbert Diess, Matthias Mueller, Bernd Osterloh und Stephan Weil an einer Pressekonferenz in Wolfsburg. (18. November 2016)

Sollen weniger verdienen: Die VW-Vorstandsmitglieder (v.l.) Karlheinz Blessing, Herbert Diess, Matthias Mueller, Bernd Osterloh und Stephan Weil an einer Pressekonferenz in Wolfsburg. (18. November 2016)

Keystone/Philipp von Ditfurth/EPA
Anfangsverdacht auf Betrug und «strafbare Werbung»: Martin Winterkorn, hier bei einer Anhörung im Bundestag in Berlin. (19. Januar 2017)

Anfangsverdacht auf Betrug und «strafbare Werbung»: Martin Winterkorn, hier bei einer Anhörung im Bundestag in Berlin. (19. Januar 2017)

Keystone/Michael Sohn

Angesichts des Skandals um mutmasslich manipulierte Abgaswerte in den USA hat die Volkswagen-Aktie an der Frankfurter Börse massiv an Wert verloren. Sie sackte im Verlauf des Montagvormittags um gegen 20 Prozent ab. Um 10.30 Uhr stand der Titel bei 131 Euro. Das entspricht einem Marktwertverlust von rund 15 Milliarden Euro.

Der Autobauer soll in den USA mit einer Software Umwelt-Vorgaben umgangen haben. Die US-Umweltbehörde EPA hatte am Freitag mitgeteilt, dass der deutsche Konzern eine Software entwickelt habe, die Vorgaben zur Luftreinhaltung zwar bei Tests, nicht aber beim normalen Betrieb der Autos erfülle.

Die betreffenden Vorschriften seien bewusst umgangen worden. Der Behörde zufolge stossen die betroffenen Autos im Ergebnis grössere Mengen an Schadstoffen aus als erlaubt. Insgesamt geht es demnach um 482'000 Diesel-Fahrzeuge in den USA, die nun nachgebessert werden sollen. Volkswagen droht in den USA ein Busse von bis zu 18 Milliarden Dollar.

Mit einer Software die Werte geschönt: VW droht in den USA eine Milliardenklage. (Video: Reuters)

Autoexperte fordert Rücktritt des VW-Chefs

Wegen der Affäre um die manipulierten Abgaswerte legt Experte Ferdinand Dudenhöffer dem Konzernchef Martin Winterkorn einen Rücktritt nahe. Als direkter Verantwortlicher für Forschung und Entwicklung habe der Vorstandsvorsitzende entweder von den Manipulationen gewusst oder sei ahnungslos und habe seinen Geschäftsbereich nicht im Griff, sagte Dudenhöffer der «Frankfurter Rundschau» von heute. «In beiden Fällen würde ich sagen, dass Winterkorn an der Konzernspitze nicht mehr tragbar ist.»

Die Vorsitzende des Umweltausschusses im Bundestag, die Grünen-Politikerin Bärbel Höhn, erklärte, eine «so umfassende Softwaremogelei» müsse mit dem Wissen der Führung in Wolfsburg passiert sein. «Alles andere würde mich wundern.» Ihrer Auffassung nach könnten auch noch andere Automarken im Ringen um die Einhaltung von Abgasvorschriften in Europa und den USA bei Manipulationen erwischt werden. Sie würde sich darüber «nicht wundern».

Auch europäische Modelle betroffen?

Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen schloss in der «FR» nicht aus, dass auch Modelle für den europäischen Markt mit der Software ausgestattet sein könnten. «Wenn ein Weltkonzern auf einem so wichtigen Markt wie dem nordamerikanischen die Werte manipuliert, dann sollte dringend überprüft werden, ob das nicht auch bei uns geschehen ist», sagte Dudenhöffer der Zeitung.

Vorsätzlich falsche Herstellerangaben in umwelt- und gesundheitspolitisch sensiblen Bereichen müssten in Deutschland strafrechtlich verfolgt werden, forderte er. «Der Justiz- und der Umweltminister müssen gemeinsam dafür sorgen, dass solche Praktiken unter das Strafrecht fallen.» Bisher seien nur zivilrechtliche Klagen möglich.

Der Skandal ist für VW laut Dudenhöffer eine «Imagekatastrophe par exellence». Der Konzern hat nach eigenen Angaben inzwischen eine externe Untersuchung in Auftrag gegeben. Winterkorn äusserte am Sonntag zudem sein Bedauern, «dass wir das Vertrauen unserer Kunden und der Öffentlichkeit enttäuscht haben».

Auch die Schweiz betroffen?

Ob der Skandal um gefälschte Abgastests durch den Autobauer VW auch die Schweiz betrifft, ist zum jetzigen Zeitpunkt unklar. Entsprechende Untersuchungen seien am Laufen, sagte ein Sprecher des VW-Importeurs Amag am Montag der Nachrichtenagentur SDA.

Aufgrund der sehr unterschiedlichen Gesetzgebungen kämen in den einzelnen Märkten jeweils Motorkonzepte mit unterschiedlichen Technologien zum Einsatz. Der Fall lasse sich deshalb nicht direkt auf andere Regionen übertragen. «Unsere Fahrzeuge in Europa – und somit auch der Schweiz – erfüllen die jeweils zum Zeitpunkt der Zulassung geltenden Abgasgrenznormen», heisst es in der Amag-Stellungnahme.

(afp)

VW stoppt Verkauf in den USA

Vorerst wird der Verkauf von Diesel-Autos mit Vierzylindermotoren in den USA gestoppt. Ein Sprecher des Konzerns bestätigte am Montag entsprechende Medienberichte. Betroffen seien aktuelle Modelle der Marken VW und Audi. Volkswagen werde bis auf weiteres auch keine Gebrauchtwagen dieser Typen verkaufen. VW hatte am Sonntag eingeräumt, dass Abgaswerte von Diesel-Autos in den Vereinigten Staaten für Fahrzeugtests manipuliert worden waren.

Das wichtigste VW-Modell in den USA ist weiterhin der Jetta Sedan. Im August brachen die Verkäufe für das Modell nach dreimonatigem Aufwärtstrend um knapp 18 Prozent auf gut 11'000 Exemplare ein. Die Zahl der verkauften Autos insgesamt sank im Jahresvergleich um 8,1 Prozent auf rund 32'300 Stück.(sda)

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