26.06.2014 10:53

Grüner Vorschlag

Abgelaufene Produkte sollen in Regalen bleiben

Ein Drittel aller Lebensmittel in der Schweiz wird weggeworfen. Zu viel, findet die Grüne Aline Trede - und fordert radikale Massnahmen.

von
J. Büchi

Wenn die Jungen Grünen im Juli ihr zehnjähriges Bestehen feiern, gibt es ein Catering der besonderen Art: Alle Lebensmittel, die auf den Teller kommen, sind offiziell schon abgelaufen. Freiwillige fischen die Waren aus den Containern von Supermärkten. Mit der Aktion soll ein Zeichen gegen Foodwaste - die Verschwendung von noch geniessbaren Lebensmitteln - gesetzt werden.

Ganz in diesem Zeichen steht auch ein politischer Vorstoss, den Nationalrätin Aline Trede (Grüne) am Freitag eingereicht hat. Die Bernerin fordert vom Bundesrat einen Masterplan, mit dem die Lebensmittelverschwendung bis 2020 um rund 80 Prozent reduziert werden soll. «Ein Drittel aller Lebensmittel - pro Jahr also rund zwei Millionen Tonnen - wird in der Schweiz nicht konsumiert», schreibt Trede. Der Bund müsse alle Beteiligten in die Pflicht nehmen, um diesen Foodwaste einzudämmen.

Abgelaufenes soll serviert werden

Unter anderem sollen Restaurants und Detailhändler ihre Waren auch noch verkaufen dürfen, wenn diese schon abgelaufen sind, konkretisiert Trede ihre Forderung gegenüber 20 Minuten. «Migros und Coop könnten Lebensmittel, die ihr Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben, etwa in speziell gekennzeichneten Regalen anbieten.» Auch Restaurants könnten eine separate Karte mit Gerichten aus abgelaufenen Produkten anbieten - oder die nicht verwendeten Produkte am Ende des Tages gratis abgeben.

Bei den Adressaten hält man jedoch wenig von dem Vorschlag. «Produkte über das Verkaufsdatum hinaus anzubieten, sehen wir nicht als sinnvolle Lösung», so Migros-Sprecherin Monika Weibel auf Anfrage. Auch bei GastroSuisse heisst es, es sei «richtig und ganz klar», dass abgelaufene Produkte in Restaurants weder verkauft noch gratis abgegeben werden dürfen. «Diese strenge Regelung im Interesse der Konsumentensicherheit wird von GastroSuisse vollumfänglich unterstützt», so der stellvertretende Verbandsdirektor Hannes Jaisli. Beide betonen, man sei jedoch bestrebt, die Verschwendung von Lebensmitteln mit anderen Massnahmen zu bekämpfen. So soll etwa eine ausgeklügelte Logistik und Planung dafür sorgen, dass möglichst wenig Abfälle entstehen.

Frischecheck als Schulstoff

Weil ein grosser Teil der Lebensmittelabfälle jedoch ohnehin nicht im Restaurant oder im Detailhandel, sondern in den privaten Haushalten anfällt, will Trede auch dort ansetzen. Sie fordert, die Leute müssten für das Thema Foodwaste sensibilisiert werden - über Kampagnen oder als Pflichtstoff in der Schule. «Die Konsumenten müssen wieder lernen, dass sie an einem Joghurt riechen können, um festzustellen, ob es noch gut ist.»

Heute würden viele Konsumenten nicht mehr ihren Sinnen, sondern nur noch auf das Mindesthaltbarkeitsdatum vertrauen. Auch dort ortet Trede deshalb Handlungsbedarf: «Das Ablaufdatum muss realistischer berechnet werden - viele Lebensmittel sind danach noch wochenlang geniessbar.» Dieses Problem ist auch dem Handel bekannt. Man habe bereits bei verschiedenen Lebensmitteln wie etwa bei Hartkäse oder Bratspeck die Haltbarkeitsdaten verlängert, heisst es bei der Migros. Zusätzlich befasse sich eine Arbeitsgruppe des Bundesamtes für Landwirtschaft mit dem Thema Datierung.

«Thema im In- und Ausland angehen»

Trede ist sich bewusst, dass ihr Reduktionsziel von 80 Prozent hoch ist. Zum Vergleich: Das Europäische Parlament hat sich zum Ziel gesetzt, das Ausmass des Foodwaste bis 2025 zu halbieren. «Die Hauptsache ist, dass wir das Thema im In- und Ausland angehen», so die Bernerin.

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