Bankrott: Abgeltungssteuer bedroht kleine Banken
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BankrottAbgeltungssteuer bedroht kleine Banken

Experten warnen: Die Abgeltungssteuer ist nicht für alle Banken ein Allheilmittel. Vielen kleinen droht der Bankrott.

von
Gérard Moinat
Abgeltungssteuer bedroht kleine Banken. (Bild: colourbox)

Abgeltungssteuer bedroht kleine Banken. (Bild: colourbox)

Die Abgeltungssteuer gilt als Allheilmittel für das Bankgeheimnis. Die anonyme Besteuerung von ausländischen Guthaben zuhanden der Herkunftsländer der Kunden soll die Forderung nach einem automatischen Informationsaustausch aus der Welt schaffen. Das mag für die grossen Banken der Befreiungsschlag sein. Doch für die kleinen könnten die Nebenwirkungen lebensbedrohlich werden: «Alleine deutsche und britische Kunden dürften von hiesigen Konti 100 bis 200 Milliarden Franken abziehen», schätzt Hans Kaufmann, SVP-Nationalrat und Ex-Julius-Bär-Chefökonom. Denn viele wollten für die Legalisierung von Altbeständen nichts bezahlen. Damit fielen Kommissionen von bis zu 1,6 Milliarden Franken weg. «Dies trifft auch kleine Banken und Grenzbanken, für die ausländische Kunden ein attraktiver Geschäftsbereich ist, hart. Viele von ihnen werden bankrottgehen», so Kaufmann.

Pierin Vincenz, CEO der Raiffeisen-Gruppe, sieht noch eine andere Gefahr. «Wir gehen davon aus, dass die administrativen Kosten einer Abgeltungssteuer sehr hoch ausfallen werden.» Die unterschiedlichen Abgeltungssteuersätze werden zur Herkulesaufgabe, glaubt auch Boris Zürcher, Finanzplatzexperte von Avenir Suisse. Laut den Experten drohen Konsequenzen für die Bankenlandschaft Schweiz. «Die Abgeltungssteuer könnte darum zur Geschäftsaufgabe oder Fusion von kleinen Ins­tituten führen», warnt Zürcher. «Klein» seien Institute mit einer Bilanz deutlich unter 10 Milliarden Franken. Gemäss den Zahlen der SNB sind das 247 Banken.

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