Abgeordneter wegen «Sklavenhaltung» verurteilt
Aktualisiert

Abgeordneter wegen «Sklavenhaltung» verurteilt

Wegen «Sklavenhaltung» ist in Brasilien ein Abgeordneter des brasilianischen Parlaments zur Zahlung einer Entschädigung verurteilt worden.

Der Abgeordnete hatte bis 2002 auf einem Landgut 53 Männer für sich arbeiten lassen. Nun muss der Abgeordnete der konservativen Liberalen Partei (PL) Inocencio Oliveira, jedem der 53 ausgebeuteten Arbeiter eine Entschädigung von 130 Real (rund 77 Franken) pro Tag zahlen. Dies berichteten brasilianische Medien am Mittwoch unter Berufung auf das Urteil vom Vortag in So Luis im nördlichen Bundesstaat Maranho.

Bereits im November 2003 war Oliveira zu einer Geldstrafe von 530 000 Real (315 300 Franken) verurteilt worden. Die 53 Männer waren 2002 auf dem Landgut Caraibas in Maranho von der Bundespolizei befreit worden.

Kein Einzelfall

Senatsmitglied Joo Ribeiro von der mächtigen konservativen Partei der Liberalen Front (PFL) war Anfang 2005 zur Zahlung von 760 000 Real (452 120 Franken) Geldstrafe verurteilt worden. Das ist die bislang höchste Geldstrafe wegen Ausbeutung von Arbeitern in Brasilien.

Die moderne Form der Zwangsarbeit unterscheidet sich nur leicht, von der 1888 in Brasilien offiziell abgeschafften Sklaverei.

Gutsbesitzer verkaufen den Arbeitern das Essen zu stark überhöhten Preisen und treiben diese so in immer höhere Verschuldung und - oft auch unter Androhung von Gewalt - in ein Abhängigkeitsverhältnis.

Nach amtlichen Angaben ist Sklavenhaltung in Brasilien unter der Rechtfertigung solcher «Lebensmittelschulden» vor allem im nördlichen Bundesstaat Pará weit verbreitet.

(sda)

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