Aktualisiert 31.12.2012 14:07

Sesselrücken 2012

Abgeschossen, nachgerückt, aufgestiegen

Stabiblin wechselte, Weber kam und Hildebrand ging: In den Chefetagen der Schweizer Wirtschaftswelt kam es im Jahr 2012 zu einigen gewichtigen Rochaden.

Der spektakulärste Rücktritt des Jahres 2012 betraf nicht ein Unternehmen, sondern die Schweizerische Nationalbank (SNB). Wenige Tage nach Jahresbeginn gerät die Affäre um Devisengeschäfte des obersten Währungshüters Philipp Hildebrand erneut in Bewegung. Schon vor Weihnachten hatte es Berichte über Dollartransaktionen in der Familie jenes Mannes gegeben, der massgeblichen Einfluss auf die Wechselkurse des Frankens hatte.

Zunächst schliessen sich die Reihen hinter Hildebrand, der unter Beschuss der SVP und des Wochenmagazins «Weltwoche» geraten ist. Kurz nach Neujahr, am 5. Januar, verteidigt sich Hildebrand während einer grossen Medienkonferenz. Am 9. Januar, nachdem er die Unterstützung des SNB-Bankrates verloren hat, tritt er zurück.

Zum Verhängnis werden Hildebrand letztlich unpräzise Aussagen zu Devisengeschäften seiner Frau. Neuer Präsident der SNB wird Thomas Jordan, der das Amt seit April auch offiziell bekleidet. Der Präsident des Bankrates, der Thurgauer Jurist Hansueli Raggenbass, verlässt im Lauf des Jahres seinen Posten ebenfalls. Sein Nachfolger wird der Neuenburger Rechtsanwalt Jean Studer.

Konzernsanierer gehen

Unter Druck demissioniert im Oktober auch der Chef der Basler Kantonalbank BKB, Hans Rudolf Matter. Er übernimmt die Verantwortung, nachdem ein Anlagebetrugsfall publik geworden ist.

Bei der UBS amtiert seit September 2011 an der Spitze der Geschäftsleitung Sergio Ermotti, der nach dem Londoner Zockerskandal dem zurückgetretenen Oswald Grübel gefolgt ist. Im Mai ersetzt der ehemalige deutsche Bundesbanker Axel Weber als Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger.

Grübel und Villiger hatten die UBS nach 2009 nach der Krise wieder aufgebaut. Auch bei Swiss Re verlässt ein Sanierer die Geschäftsführung: Konzernchef Stefan Lippe, seit 2009 im Amt, geht früher als allgemein erwartet und übergibt den Posten im Februar an Michel Liès.

Ackermann kehrt zurück

Bei Julius Bär verlässt mit Raymond Bär ein Mitglied der Gründerfamilie das VR-Präsidium. Er wird durch Daniel Sauter ersetzt. Bei der Zurich Insurance Group kehrt mit Josef Ackermann im Mai ein prominenter Manager in die Schweiz zurück. Ackermann, bis Mai Konzernchef der Deutschen Bank in Frankfurt, folgt bei der Zurich auf Manfred Gentz.

Nicht ohne Nebengeräusche übernimmt Klaus Stahlmann die Führung des Industriekonzerns Sulzer von Ton Büchner. Der Deutsche musste sich erst mit der Zahlung von 275'000 Euro von Ermittlungen in München freikaufen, die im Zusammenhang mit seiner früheren Tätigkeit beim Fahrzeughersteller MAN zusammenhingen.

Abrupter Abgang

Der längere Zeit cheflose Bundes-Rüstungsbetrieb Ruag findet mit Urs Breitmeier wieder einen CEO. Ein prominenter Name in der Industrie ist Jasmin Staiblin - sie ist eine der wenigen Frauen in Schweizer Führungsetagen. Sie kündigt ihren Wechsel vom Chefposten bei ABB Schweiz zum Energiekonzern Alpiq an, der rote Zahlen schreibt.

Ein weiterer Konzern in der Krise ist Charles Voegele. Bei der Kleiderkette verliert Unternehmenslenker Frank Beeck den Job sofort. Das Unternehmen sucht jetzt einen neuen Chef.

Bei den Grosskonzernen übernimmt Richard Ridinger das Ruder des Chemiekonzerns Lonza, nachdem im Januar Stefan Borgas wegen schlechter Resultate den Posten verlassen hat. Clariant und Syngenta bekommen mit Rudolf Wehrli respektive Michel Demaré neue Präsidenten. (sda)

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