Kantonsgericht St. Gallen: Abgestochen, weil er ihm das Bier wegtrank
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Kantonsgericht St. GallenAbgestochen, weil er ihm das Bier wegtrank

Weil er ihm angeblich das Bier ausgetrunken hatte, rammte ein Mann einem anderen ein Messer in den Bauch. Nun muss er erneut vor Gericht.

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taw
Wenn es ums Bier geht, hört offenbar die Freundschaft auf. (Symbolbild: Colourbox.com)

Wenn es ums Bier geht, hört offenbar die Freundschaft auf. (Symbolbild: Colourbox.com)

Der heute 48-jährige Ostschweizer soll laut Anklageschrift am 8. Januar 2013 nach Mitternacht in der Schmitte-Bar in Wil einem Kollegen das Messer in den Bauch gerammt haben. Grund für die Attacke war offenbar, dass der Kollege dem IV-Rentner das kurz zuvor bestellte Bier weggetrunken hatte. Der Kollege erlitt beim Angriff eine etwa drei Zentimeter breite und vier Zentimeter tiefe Stichverletzung rechts des Bauchnabels.

Der Kollege (47) gab bei einer Befragung an, dass er in der fraglichen Nacht gegen Mitternacht in die Schmitte-Bar gegangen sei. Er habe sich an der Bar mit einer Bardame unterhalten und ein Bier getrunken. Er habe dann den Beschuldigten getroffen und mit ihm geredet.

Auch noch aufs Steak abgesehen

Wie es zur Attacke kam, kann sich das Opfer nicht erklären. Der Beschuldigte habe plötzlich ein Messer in der Hand gehabt und zugestochen. Unter Schmerzen habe er dann die Bar verlassen und sei mit dem Taxi ins Spital gefahren, heisst es in der Urteilsbegründung der Vorinstanz. Diese hatte dem Beschuldigten Ende 2013 zwölf Monate Haft aufgebrummt, die Hälfte davon unbedingt.

Der Beschuldigte bestreitet die Vorwürfe. Er sei gegen Mitternacht in die Bar gegangen, habe ein Bier bestellt und sich mit der Serviertochter unterhalten. Das Bier stand dabei in einiger Entfernung auf der Bar. Als er es holen wollte, sei schon über die Hälfte weggetrunken gewesen. Hinzu kommt, dass sein Kollege versucht haben soll, mit den Händen nach seinem Steak zu greifen – da hört die Freundschaft für den Beschuldigten offenbar auf. In der Folge habe er dem Kollegen mit der Gabel «eins auf die Finger gegeben». Vor Gericht gab der Beschuldigte an, nie ein Messer bei sich zu tragen – nur hin und wieder ein Sackmesser, aber nicht, wenn er essen gehe.

Laut dem Wirt waren beide Beteiligten kurz nacheinander gegen Mitternacht in die Bar gekommen. Sie hätten sich gegrüsst und umarmt. Die beiden seien die einzigen Gäste in der Bar gewesen. Der Wirt will später mitbekommen haben, wie der Beschuldigte das spätere Opfer bezichtigte, sein Bier getrunken zu haben und anerbot sich deshalb, das Bier zu ersetzen. Plötzlich habe das Opfer geklagt, es sei in den Bauch geschlagen worden und ging. Als der Wirt den Beschuldigten darauf ansprach, stritt dieser ab, seinen Kollegen geschlagen zu haben. Nachdem er sein Steak fertig gegessen hatte, verliess auch der Beschuldigte die Bar.

Angeklagter geht in Berufung

In der Anklageschrift wird von der Staatsanwaltschaft beantragt, den Beschuldigten wegen einfacher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Monaten zu verurteilen. Sechs davon müsste er auch absitzen. Das Opfer verlangte zudem eine Genugtuung in Höhe von 1000 Franken. Das Kreisgericht Wil war der Staatsanwaltschaft Ende 2013 gefolgt: Die Aussagen des Opfers seien glaubwürdig, stimmig und konstant. Zudem stünden sie im Einklang mit den Aussagen des Wirts. Die Aussagen des Beschuldigten hatte das Gericht als widersprüchlich empfunden.

Dieses Urteil akzeptierte der Beschuldigte nicht, weshalb es nun am Dienstag zum Prozess vor dem Kantonsgericht St. Gallen kommt. Der Beschuldigte verlangt eine Strafmilderung. Die Staatsanwaltschaft beantragt die Abweisung der Berufung.

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