Weltenbummler-Blog: Abkühlung auf laotische Art

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Weltenbummler-BlogAbkühlung auf laotische Art

Ist Ihnen heiss? Hier gibt eine virtuelle Erfrischung mit Bildern vom Neujahrsfest in Laos.

von
Claudio Sieber
Was für ein Spass!

Was für ein Spass!

Claudio Sieber/Travelbuddy.ch
Beim buddhistischen Neujahrsfest Pi Mai in Laos ...

Beim buddhistischen Neujahrsfest Pi Mai in Laos ...

Claudio Sieber/Travelbuddy.ch
... bleibt keiner verschont.

... bleibt keiner verschont.

Claudio Sieber/Travelbuddy.ch

Luang Prabang, Laos im Jahr 2559. Es wird gemunkelt, das hiesige buddhistische Neujahrsfest Pi Mai sei das schönste, wenn nicht das traditionellste in ganz Asien. Es herrscht die grosse Ruhe vor dem Sturm. Verdächtig zivilisiert fängt es an, mit Baguette, Beurre et Confiture umgeben von kolonialer Architektur – alles Überbleibsel der ehemaligen Besatzer aus Frankreich. Kleine Kinder bewaffnen sich, grosse Kinder schleppen Bierkästen an. Mönche putzen derweil die Tempelhöfe, Fässer werden mit Mekongwasser gefüllt, Boxentürme in der Grösse von Stonehenge werden in Plastik gewickelt.

Keiner bleibt verschont

Kurz darauf beginnt der Wasserkrieg, niemand wird verschont, jeder wird nass: Babys, Mönche, Greise, die Eierverkäuferin, vorbeifahrende Tuktuk-Passagiere, Motorradfahrer, selbst die Bier trinkende Polizei. Wann genau entschieden wurde, die spirituelle Reinigung in eine landesübergreifende Wasserschlacht umzuändern, weiss heute keiner mehr. Es wird jedoch schnell offensichtlich, dass die Teenager den Event als eine Entschuldigung für masslosen Alkoholkonsum nutzen.

Nach einigen Stunden Wasserschlacht springe ich auf die Lade eines zirkulierenden Lasters, was den Spassfaktor multipliziert. Wir haben genügend Wasservorrat, gute Schützen und einen kleinen Jungen, der jedes getroffene Auge mit einem teuflischen Lachen kommentiert. Wer auf der Lade eines Lasters mitfährt, sollte sich jedoch auch der Konsequenzen bewusst sein. Neben dem Spassfaktor multipliziert sich auch der Anspritzfaktor. Alles, was sich unmittelbar auf der Strasse bewegt, ist Zielscheibe, und zwar mit Schläuchen, Wasserschalen, Pfannenfett, Farbpulver, Backpulver oder Bier. Wir haben Luang Prabang unlängst verlassen und sind auf Dorftour, wo nicht weniger gespritzt wird.

Buddhas waschen für ein reines Gewissen

Jeder macht mit, selbst der ältere Herr, der einsam auf einer selten befahrenen Landstrasse mit seinem Wasserschlauch wartet. Auf dem Rückweg steige ich auf bei Nalongkone und seiner Gang. Jedes Jahr lötet die Truppe den rostigen Citroën Deux Chevaux wieder zusammen und macht damit die Strassen unsicher. Am dritten Tag beginnt sich das Ganze etwas zu wiederholen: Aufstehen, einen Meter laufen, nass werden, nass machen, trocknen, einen Meter laufen, nass werden (okay, dieses Mal mit gelbem oder rotem Wasser) und so weiter und so fort. Daher kommt das kulturelle Rahmenprogramm gerade recht.

Neben der bunten Parade hiesiger Mönche, festlich gekleideter Kinder und den Anwärterinnen zur Miss Lao New Year sind bereits viele Laoten auf traditioneller Mission. In Gala geworfen, grasen sie die Tempel ab, um Buddha-Statuen zu begiessen. Lanai ist mit ihrem Mann seit heute Morgen unterwegs. Fünf Tempel à fünf Götzen fehlen ihnen noch, vier haben sie bereits durch. Anscheinend gibt es einiges ins Reine zu bringen. Mir wurde mehrfach versichert, dass es völlig ausreicht, einen Buddha zu waschen. Wer Quantität vor Qualität stelle, der wolle grobe Probleme beseitigen. Als grosse Ehre gilt es jedoch, «Phra Bang» zu befeuchten. Die Statue ist gleichzeitig Namensgeber der Stadt, kam vor 650 Jahren als Krönungsgabe aus Angkor und wird jeweils zum Neujahrsfest im April aus dem Altar geholt.

Weltenbummler

Claudio Sieber spurtete 15 Jahre lang für die grafische Branche. Heute setzt der 33-Jährige seine Energie für sich selbst ein. Als Fotograf und Reiseblogger. Seit Januar 2014 ist der Langzeit-Nomade bereits unterwegs, um die Schönheit dieser Erde zu erkunden. Dabei lernt der Ostschweizer die vielseitigsten Menschen kennen und steigert täglich sein Bewusstsein für die Welt.

Auf seinem Blog Travelbuddy.ch und auf 20 Minuten teilt er seine Erlebnisse.

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