Schnipp Schnapp Höörli ab: Abrechnung auf Amisch
Aktualisiert

Schnipp Schnapp Höörli abAbrechnung auf Amisch

Das kommt uns alles amisch vor: In Ohio schneiden Bärtige anderen Bärtigen die Bärte ab. Warum, ist unklar. Ist in den friedliebenden Täufer-Gemeinden der Teufel los?

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Im US-Bundesstaat Ohio leben derzeit etwa 71 800 Amische. (Grafik: ekr)

Im US-Bundesstaat Ohio leben derzeit etwa 71 800 Amische. (Grafik: ekr)

Die Polizei im US-Bundesstaat Ohio musste am Mittwoch gleich viermal an kuriose Tatorte ausrücken. Aus verschiedenen Amisch-Gemeinden waren Anzeigen eingegangen, dass Amische in die Häuser anderer Amischer eingedrungen seien und dort den Angehörigen ihrer Religionsgemeinschaft Bärte und Haare abgeschnitten hätten.

Bei einem Vorfall in Carroll County sei ein Mann am Bart aus seinem Haus gezogen und von einer Gruppe Männer bedrängt worden. Dann machten sie sich dran, dem Hausbesitzer den Bart zu stutzen. In Holmes County spielte sich zur gleichen Zeit eine ähnliche Szene ab: Eine Gruppe Amische brach in das Haus einer Grossfamilie ein. Dort schnitten sie den Männern die Bärte, den Frauen die Zöpfe ab. Laut Polizeibericht befanden sich unter den Opfern ein 13-jähriges Mädchen und ein 74-Jähriger. Die Unholde gaben sich als Mitglieder des Bergholz-Clans zu erkennen.

Die Skalps brachten sie dem Bischof

Den Ermittlern ist der Name Bergholz nicht fremd: Bereits vor drei Wochen hatten in Jefferson County Frauen und Männer des Bergholz-Clans ein Haus gestürmt, um den dortigen Bewohnern die Haare abzuschneiden. Sheriff Fred Abdalla erzählte der Lokalzeitung «The Wheeling Intelligencer», dass die Täter die erbeuteten Haarbüschel dem Bischof der Bergholz-Gemeinde, Sam Mullet, überbracht hätten – wohl als Beweis für den erledigten Auftrag.

Die Ermittlungen führten Sheriff Fred Adballa in ein Haus, auf dessen Gelände die Pferdekutsche stand, die beim Überfall benutzt worden war. Die Tat lässt sich nicht mehr abstreiten – im Anhänger fand der Polizist Haarproben der Opfer. Überraschend hingegen war die Geschichte, die der verdächtige Kutschenbesitzer dem Gesetzeshüter erzählte.

Er sei an der Haarattacke nicht beteiligt gewesen, behauptete der Amische. An jenem Tag sei er mit seinem Gefährt auf der Hauptstrasse zu einer Pferdeauktion unterwegs gewesen, als er von etwa 27 Männern angehalten wurde. Sie stiegen zu ihm in die Kutsche. Als die Bande an ihrem Zielort angelangt war, wurde der Kutscher aufgefordert, auszusteigen. «Geh!», habe einer gesagt. Die Situation sei dem Besitzer zwar «verdächtig» vorgekommen, weil die Männer aber «Dutch» (eine alte Form von Deutsch) geredet haben, habe er nicht verstanden, um was es sich handle.

Anzeigen wegen Missbrauch

Die Bergholz-Gemeinde ist der Polizei von Jefferson County seit Jahren ein Dorn im Auge. Im September 2007 hatten die Berghölzler eine 35-Millionen-Klage gegen die Gemeinde eingereicht, weil die Polizei eine Razzia in der Gemeinde durchgeführt hatte, um zwei Kinder zu befreien. Gegen den Clan waren Anzeigen wegen sexuellen Missbrauchs eingegangen. Bei der Aktion war ein gewisser Crist Mullet verhaftet worden. Er wurde später zu sechs Monaten Haft verurteilt.

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