Bern: Abriss Wifag-Areal – Angst vor Brache
Publiziert

BernAbriss Wifag-Areal – Angst vor Brache

Die Zwischennutzer des Wifag-Areals sind verunsichert – sie wissen nicht, wann sie raus müssen. Und im Quartier fürchtet man sich vor einem Abriss auf Vorrat.

von
cho/smü

Ein grosses Fragezeichen schwebt über dem Wifag-Areal im Berner Wyler-Quartier. Die Künstler, die Räume auf dem Areal zwischennutzen, hätten bis Ende September ausziehen müssen, dürfen aber vorerst bleiben. «Ja, wir sind noch hier», bestätigt Andreas Wiesmann vom Künstlerkollektiv Wifart. Die Verunsicherung bei Wifart, dem Vintage Velo Service und dem Möbelrestaurator ist seither gross: «Wir wissen nicht, wie lange wir bleiben dürfen oder wie es nun genau weiter geht.»

Denn die Eigentümerin hat vom Berner Bauinspektorat die Abrissbewilligung erhalten und will danach 56 Wohnungen bauen.

Die Angst vor der Brache

Die Verunsicherung ist auch im Quartier gross – man fürchte sich vor einem Abriss auf Vorrat: «Das letzte, was das Quartier braucht, ist eine weitere Brache», sagt Manfred Leibundgut, Präsident der Quartierkommission Dialog Nord. Noch muss das Areal für den Wohnungsbau umgezont werden und dagegen sind Einsprachen hängig – es könnte zu Verzögerungen kommen. Leibundgut rechnet damit, dass der Bau erst in zwei Jahren beginnt.

Besetzer und illegale Party

Das städtische Bauinspektorat beschwichtigt: «Der Abbruch erfolgt erst, wenn wir grünes Licht dafür geben», heisst es auf Anfrage. Damit die schweren Geräte auffahren dürfen, müsse die Eigentümerin sich verpflichten, zwischen dem Abriss und dem Neubau wenig Zeit verstreichen zu können.

Bei der Eigentümerin Ursula-Wirz-Stiftung hält mach sich derweil bedeckt: Offiziell will niemand zum laufenden Projekt Stellung nehmen. Der Stiftungsrats-Präsident war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Ein Insider vermutet aber, dass die Bauherrschaft den Entscheid bezüglich der Einsprachen abwarten will. Dieser dürfte noch vor Jahresende fallen, wie 20 Minuten weiss: «Läuft alles nach Plan, entscheiden wir noch in der zweiten Dezember-Hälfte über die hängigen Einsprachen», sagt Regierungsstatthalter Christoph Lerch.

Auf dem Fabrikareal tat sich in den vergangenen zwei Jahren einiges: Autonome besetzten im Frühling 2013 Gebäude und verliessen diese nach einer angedrohten Räumung durch die Polizei. Vergangenen Dezember führten Unbekannte eine wilde Party durch, die mit Sachbeschädigungen endete. Dann quartierte die Besitzerin, die Berner Ursula-Wirz-Stiftung, Künstler für eine Zwischennutzung ein.

Deine Meinung