Aktualisiert 17.03.2009 20:05

«Eine Katastrophe»

Abrissverfügung für Uto Kulm

Innert drei Monaten soll Üetliberg-Hotelier Giusep Fry seinen Wintergarten abreissen. Zürich Tourismus sorgt sich nun um das «attraktivste Ausflugsziel» der Stadt.

von
Marco Lüssi

Hotelier Giusep Fry hat sein Hotel Uto-Kulm im Jahr 2003 mit einem 550 Quadratmeter grossen Wintergarten ver­sehen. Nur fehlte ihm dazu die Baubewilligung. Das rächt sich jetzt: Die kantonale Baudirektion will den Wintergarten sowie die Verglasung einer Terrasse und die gesamte Aussenbeleuchtung nicht nachträglich bewilligen, wie sie gestern mitteilte. Fry hat nun drei Monate Zeit, um die Bauten abzureissen.

Dieser Entscheid des Kantons stösst auf Kritik. Zwar habe Fry einen Fehler gemacht, als er sich über Gesetze hinweggesetzt habe, sagt Roger Liebi, SVP-Gemeinderat und Präsident des Üetliberg-Vereins. «Doch ein Abriss wäre eine Katastrophe.» Es sei unverständlich, dass man ausgerechnet während der jetzigen Wirtschaftskrise einem initiativen Unternehmer Steine in den Weg lege und damit viele Arbeitsplätze gefährde. Auch bei Zürich Tourismus hat man keine Freude: Dank Fry sei der Uetliberg zum attraktivsten Ausflugsziel Zürichs geworden, sagt Maurus Lauber, Leiter Marketing bei Zürich Tourismus. «Im wetterfesten Wintergarten geniessen die Touristen Zürich gastronomisch und geografisch auf höchstem Niveau – es wäre dramatisch, wenn das nicht mehr möglich wäre.»

Frys Sprecherin Bettina Buess sagte am Dienstag, man sei über den Entscheid schockiert und werde ihn anfechten: «Wir denken noch nicht an Abbruch.»

Uetliberg: Bauten werden abgerissen – was sagen Sie dazu?

Yvonne Klosse (27), Zürich

Ich finde es gar nicht gut. Viele Touristen schätzen den Wintergarten, weil sie die Aussicht in einem ­geschützten Raum ­geniessen können. Verschwinden die Bauten, kommen sie auch nicht mehr.

Martino (41), Zürich

Muss der Besitzer in dieser wirtschaftlich schweren Zeit Gebäude abreissen, gefährdet das seine Existenz. Den Wintergarten schätze ich sehr – ich ruhe mich dort jeweils nach meinen Velotouren aus.

Irma Hablützel (70), Neftenbach

Der Wintergarten ist schön und macht den Uetliberg attraktiver. So kann man die schöne Aussicht auch bei tiefen Temperaturen geniessen. Nicht in Ordnung finde ich aber, dass er illegal erstellt wurde.

Nace Jankov (24), Wettingen

Normalerweise bin ich dafür, dass illegal erstellte Bauten abgerissen werden. In diesem Fall hat man aber schon viel zu lange gewartet – jetzt sollen sie meiner Meinung nach auch stehenbleiben.

Martina Gutzli (22), Zürich

Mir gefällt der Wintergarten überhaupt nicht – er ist hässlich. Trotzdem finde ich es schlecht, dass er nun wegsoll. Die Behörden hätten viel früher reagieren sollen und nicht erst, wenn das Gebäude steht.

Neuer Gestaltungsplan

Eigentlich hätte der Kanton Zürich erst über die nachträglichen Bewilligungen für die illegalen Bauten entscheiden wollen, sobald ein neuer Gestaltungsplan für den Üetliberg in Kraft ist. Das Verwaltungsgericht hat jedoch entschieden, dass er damit nicht zuwarten dürfe. Die Arbeiten am neuen kantonalen Gestaltungsplan gehen derweil weiter. Hotelier Fry muss nun darauf hoffen, dass er eine Abrissverfügung durch Rekurse so lange herauszögern kann, bis ein neuer Gestaltungsplan in Kraft ist, der eine nachträgliche Bewilligung des Wintergartens und der übrigen Bauten rechtlich möglich macht.

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