Abrupter Abgang von ABB-Chef Kindle löst Rätselraten aus
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Abrupter Abgang von ABB-Chef Kindle löst Rätselraten aus

ABB-Chef Fred Kindle trat völlig überraschend zurück. Auch nach einem Gespräch mit dem ABB-VR-Präsident bleiben die Gründe unklar. Die Aktie zieht wieder an.

Den abrupten Abgang begründete ABB mit unüberbrückbaren Differenzen über die Unternehmensführung. ABB-Präsident Hubertus von Grünberg gab an einer Telefonkonferenz keinen Aufschluss über den Hintergrund. Für 2007 zeigt ABB ein Rekordergebnis.

Zusammenprall zweier Persönlichkeiten?

Von Grünberg betonte, der Abgang des 49-jährigen Liechtensteiners nach drei Jahren an der Spitze des Technologiekonzerns habe mit der Performance des Konzerns nichts zu tun. Die Strategie sei intakt, der Fokus geschärft, die Ziele seien unverändert, sagte er.

Zur Frage, ob es einen «Clash of Egos» - einen Zusammenprall starker Persönlichkeiten - gegeben habe, sagte er: «Kindle und ich werden das nicht kommentieren.» Zwischen Verwaltungsrat und Kindle habe es weder Krach um eine Akquisition noch Streit über die Mittelverwendung gegeben.

«Keine unsauberen Geschäfte»

Der Hintergrund habe auch nichts mit einer «dreckigen Sache» zu tun. Kindle sei «eine hoch ethische Persönlichkeit», sagte von Grünberg. Unter Kindle sei ABB bei Wachstum, Rentabilität und Geschäftsethik zu einer führenden Unternehmung geworden.

Kindle sofort abgegangen

ABB-Sprecher Wolfram Eberhardt hatte zuvor auf Anfrage erklärt, die Trennung von Kindle erfolge per sofort im gegenseitigen Einvernehmen. Kindle werde das Rekordergebnis des Jahres 2007 - es wird morgen Donnerstag präsentiert - bereits nicht mehr präsentieren.

Führungscrew soll bleiben

Als interimistischen Konzernchef präsentierte von Grünberg den 52-jährigen belgischen Finanzchef Michel Demare und betonte, das gesamte von Kindle zusammengestellte Führungsteam bleibe beisammen. Demare sagte, Kindle habe die Führungs-Crew so zusammengestellt, dass sie auch ohne «Captain» funktioniere.

Die Suche nach einem permanenten Kindle-Nachfolger hat laut von Grünberg begonnen, und zwar internen wie externen Kandidaten. Der neue Konzernchef sollte Aquisitionserfahrung aufweisen, eine globale Attitüde haben und ein Teamplayer sein. «Wir haben keine Primadonnen», sagte von Grünberg.

Kindle folgte auf Sanierer Dormann

Kindle war im September 2004 von Jürgen Dormann, dem damaligen ABB-Präsident und -Konzernchef, vom Winterthurer Sulzer-Konzern zu ABB geholt worden. Seit Anfang 2005 hatte Kindle die operative Leitung inne und führte den zuvor von Dormann sanierten und vor dem Ruin bewahrten Konzern wieder in die Gewinnzone. Unter Kindle wurde die auch Asbest-Affäre in den USA endgültig beigelegt, die ABB Milliarden kostete.

Anleger verärgert

An der Schweizer Börse reagierten die Anleger verärgert über Kindles abrupten Abgang: Sie liessen das ABB-Papier fallen. Der Kurs sackte bereits bei Handelsbeginn um 6,0 Prozent ab und verlor im Lauf des Morgens zeitweise bis über 10 Prozent. Am Mittag stand er noch 8,3 Prozent tiefer als am Vorabend. (scc) (dapd)

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