Lernzeiten anstatt Husi - Abschaffung der Hausaufgaben sorgt für mehr Spass am Lernen
Publiziert

Lernzeiten anstatt HusiAbschaffung der Hausaufgaben sorgt für mehr Spass am Lernen

Für Lernende in Kriens gibts seit 2018 persönliche Lernzeiten in der Schule statt Hausaufgaben. Nun zeigt sich: die Kinder sind motivierter und haben mehr Spass am Lernen.

von
Astrid Winiker
1 / 5
Keine Husi nach der Schule: Seit 2018 haben die Schulen in Kriens persönliche Lernzeiten in den Stundenplan eingebaut. Lernenden gefällt es: Sie sind motivierter, haben mehr Freizeit zu Hause und haben mehr Spass am Lernen.

Keine Husi nach der Schule: Seit 2018 haben die Schulen in Kriens persönliche Lernzeiten in den Stundenplan eingebaut. Lernenden gefällt es: Sie sind motivierter, haben mehr Freizeit zu Hause und haben mehr Spass am Lernen.

Volksschule Kriens
Während der Lernzeiten in der Schule ist eine Lehrperson da, die Fragen beantworten kann und die Kinder beim Lernen unterstützt.

Während der Lernzeiten in der Schule ist eine Lehrperson da, die Fragen beantworten kann und die Kinder beim Lernen unterstützt.

Volksschule Kriens
Optimierungsbedarf des Lernzeit-Modells gibt es seitens der Eltern: Sie wollen mehr Einsicht in die Lerninhalte der Kinder. Markus Buholzer, Rektor der Volksschule Kriens, sagt dazu: «Diese können in schriftlicher Form, zum Beispiel per Kontaktheft, an die Eltern kommuniziert werden. Die schriftlichen Formen  müssen noch optimiert werden.» Im Bild: das Schulhaus Kuonimatt in Kriens.

Optimierungsbedarf des Lernzeit-Modells gibt es seitens der Eltern: Sie wollen mehr Einsicht in die Lerninhalte der Kinder. Markus Buholzer, Rektor der Volksschule Kriens, sagt dazu: «Diese können in schriftlicher Form, zum Beispiel per Kontaktheft, an die Eltern kommuniziert werden. Die schriftlichen Formen müssen noch optimiert werden.» Im Bild: das Schulhaus Kuonimatt in Kriens.

Volksschule Kriens

Darum gehts

  • In der Primar- und Sekundarstufe in Kriens gibt es für Schülerinnen und Schüler seit 2018 keine Hausaufgaben mehr.

  • Stattdessen wurden persönliche Lernzeiten in den Stundenplan eingebaut: Dabei können die Lernenden individuelle Themen vertiefen und werden von einer Lehrperson betreut.

  • Die Volksschule Kriens hat untersucht, wie sich das neue Modell auf das Lernverhalten der Schülerinnen und Schüler auswirkt.

  • Die Schule zieht eine positive Bilanz: Die Lernenden sind motivierter und haben mehr Spass.

  • Es besteht jedoch auch Optimierungsbedarf.

Die Schulen in Kriens auf der Primar- sowie Sekundärstufe beschlossen 2018 die Einführung von Lernzeiten statt Hausaufgaben. Eine breite Untersuchung der Volksschule Kriens zeigt nun die Ergebnisse dieses Modells und zieht eine positive Bilanz.

Keine Hausaufgaben mehr, dafür Lernzeiten. Diese sind seit 2018 fester Bestandteil des Stundenplans für Schülerinnen und Schüler in Kriens. Auch persönliche Lernzeiten nach dem Unterricht werden angeboten. In dieser Zeit können Lernende im Schulzimmer individuell an Themen der Fächer arbeiten und eine betreuende Lehrperson bei Unklarheiten um Hilfe fragen. Wie dieses Modell sich auf das Lernverhalten der Schülerinnen und Schüler auswirkt, hat die Volksschule Kriens nun untersucht. Rund 1’500 Personen wurden befragt, darunter Lernende ab der 3. Primarklasse, sowie alle Eltern und Lehrpersonen.

Das Ergebnis fiel durchaus positiv aus. Der Rektor der Volksschule Kriens, Markus Buholzer, sagt gegenüber 20 Minuten: «Das neue Modell läuft sehr gut bis jetzt. Es kam bei dem Lehrpersonal, sowie auch bei den Schülerinnen und Schülern sehr gut an.» Aussagen seitens der Schüler seien etwa: «Wir möchten mehr davon!», so Buholzer. Sie sind motivierter, haben mehr Freizeit zu Hause und geben selber an, dass sie mehr Spass am Lernen haben mit dem neuen Modell. Auch in der Sekundarstufe wird das Angebot gerne genutzt. «Auch die meisten Eltern finden es gut. Es gibt allerdings auch Eltern, welche die Hausaufgabenzeit mit ihren Kindern vermissen», sagt Buholzer.

Austausch mit Eltern soll verbessert werden

Das Modell habe allerdings noch Optimierungsbedarf. Vor allem die Eltern wollen mehr involviert sein. Buholzer sagt dazu: «Ein Punkt, der sich bei der Untersuchung herauskristallisiert hat, ist sicher, dass die Eltern mehr Einsicht haben wollen in die Lerninhalte der Kinder. Diese können in schriftlicher Form, zum Beispiel per Kontaktheft, an die Eltern kommuniziert werden. Die schriftlichen Formen müssen noch optimiert werden.» Auch sei der Wunsch da, das Angebot der verschiedenen Schulhäuser in Kriens bezüglich Lernzeiten zu vereinheitlichen.

Lehrpersonen fügten ausserdem an, dass das System sehr hohe Ansprüche an die Eigenmotivation der Kinder stelle. Einige, besonders jene mit Förderbedarf, können diese aber nicht erfüllen. Nun soll geklärt werden, ob dies durch zusätzliche Ressourcen entschärft werden könne. Buholzer sagt dazu: «Wir brauchen nicht mehr Lehrpersonen für die Betreuung der Lernzeiten. Lehrpersonen aus einem Klassenteam betreuen die Schüler jeweils. Vor diesem Modell gingen die Schüler zur Schulergänzenden Tagesstruktur, um dort bei den Hausaufgaben betreut zu werden.» Das koste ungefähr gleich viel wie die Betreuung der Lernzeit, also das heutige Modell. «Die Hausaufgabenbetreuung seitens der Schulergänzung wird nicht mehr angeboten. Demnach fliessen die Kosten, die sonst für die Schulergänzung ausgegeben wurden, an die Betreuung der Lernzeiten.»

Weitere Schulen wollen Lernzeit einführen

Insgesamt ziehen die Schulen zur Lernzeit eine positive Bilanz. So liebäugeln auch andere Schulen mit der Einführung des neuen Systems. «Das Interesse anderer Schulen an diesem Modell ist sehr gross, vor allem in der Deutschschweiz. In den letzten zwei Jahren haben wir mehrere Schulen besucht, welche sich für dieses Modell interessieren», sagt Buholzer. Und weiter: «Auch hier in der Agglomeration ist das Interesse da, so zu arbeiten. Ich bin überzeugt, dass andere Schulen dieses Lernzeit-Modell auch bald umsetzen werden»

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

12 Kommentare