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Abschied von Abbé Pierre in Kathedrale Notre-Dame

Mit einem Staatsakt hat Frankreich dem verstorbenen Armenpriester Abbé Pierre die letzte Ehre erwiesen. An der nationalen Trauerfeier in der Pariser Kathedrale Notre Dame nahm zahlreiche Prominenz, darunter Präsident Jacques Chirac, teil.

Neben Chirac waren auch Premierminister Dominique de Villepin, Innenminister Nicolas Sarkozy und fast das gesamte Kabinett anwesend. Auch Prominente wie der Schauspieler Jean Reno oder die Sängergattin Laetitia Hallyday waren zur Trauerfeier erschienen.

Der populäre Geistliche, der sein Leben dem Einsatz für Obdachlose verschrieben hatte, war am Montag im Alter von 94 Jahren gestorben. Sein mit Baskenmütze und Pilgermantel geschmückter Sarg wurde in der Kathedrale gesegnet.

Am Wochenende wird Abbé Pierre seinem Willen entsprechend im kleinen Kreis in seiner Gemeinde in Esteville in der Normandie an der Seite gestorbener Mitstreiter beigesetzt.

Tausende vor der Kathedrale

Motorräder hatten den Sarg von Abbé Pierre auf den Kirchplatz vor der Kathedrale eskortiert, wo mehrere tausend Menschen bei klarem Winterwetter gewartet hatten. Anschliessend trugen drei Verwandte des Geistlichen und drei Mitarbeiter des von ihm gegründeten Emmaus-Hilfswerks den Sarg durch die Menge.

Der Pariser Erzbischof André Vingt-Trois würdigte den Verstorbenen als «moralische Autorität». Kardinal Philippe Barbarin lobte die «furchtlose Dynamik» des Abbés, den er als «Aufrührer Gottes im Dienste der Armen» bezeichnete.

Mit seinem legendären Aufruf zur Hilfe für die Obdachlosen 1954 habe Abbé Pierre «ein ganzes Volk zum Aufstand für die Güte bewegt», sagte Barbarin in seiner Predigt. Barbarin ist Erzbischof von Lyon, wo der Abbé 1912 als Henri Grouès zur Welt kam.

Gesetz nach Abbé Pierre benennen

Mit seinem Einsatz für die Obdachlosen hatte Abbé Pierre jahrzehntelang zu den beliebtesten Franzosen gezählt. Am Dienstag hatten Chirac und mehrere Anwärter auf dessen Nachfolge die Kapelle des Pariser Militärspitals Val-de-Grâce besucht, wo der Sarg aufgebahrt war. Tausende Menschen pilgerten dorthin.

Sozialminister Jean-Louis Borloo verwies darauf, dass seine Regierung ein Recht auf Wohnung in Frankreich festschreiben will. Das entsprechende Gesetz soll den Namen von Abbé Pierre tragen.

(sda)

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