Aktualisiert 16.03.2006 08:51

Abschiedsbrief aus Guantánamo

Erstmals haben die US-Behörden den Brief eines Gefangenen auf Guantánamo veröffentlicht, in dem er seinen Selbstmord aus Verzweiflung über seine Lage ankündigt.

Er habe keine andere Wahl, um die «Gerechten» in den USA dazu zu bringen, die Situation zu überdenken und «einen Moment lang mit sich selbst ehrlich zu sein», schrieb Jumah el Dossari in dem Brief, den er kurz vor seinem Selbstmordversuch im vergangenen Oktober seinem Anwalt übergab.

Darin heisst es weiter, die Gefangenen seien verzweifelt und fühlten sich erniedrigt und unterdrückt. Er selbst sei seiner Heimat beraubt und gefoltert worden. «Wann wird diese Tragödie enden», fragt Dossari weiter, bevor er mit dem Appell an seinen US-Anwalt endet, die Welt über die «furchtbaren Qualen der Häftlinge» zu informieren.

Laut seinem Anwalt Joshua Colangelo-Bryan gab Dossari ihm den Brief während einer Unterredung im Lager, bevor er sich in einer Pinkelpause zu erhängen versuchte. Colangelo-Bryan fand ihn mit aufgeschnittenen Pulsadern, aber noch lebend.

12. Selbstmordversuch

Nach seinen Angaben war es der zwölfte Selbstmordversuch seines aus Bahrain stammenden Mandanten, seit ihn US-Soldaten in Pakistan gefangennahmen und nach Guantánamo brachten. Seit 2002 ist er im Lager inhaftiert.

Alle Anträge, Dossari telefonischen Kontakt mit seiner Familie zuzulassen oder ihm mehr Lesematerial zu geben, seien bisher abgelehnt worden.

Unter den strikten Haftbedingungen durfte Colangelo-Bryan den Brief nicht behalten. Erst Anfang März erhielt er das Schreiben von den US-Behörden zurück.

Laut Pentagon gehört Dossari dem Terrornetzwerk El Kaida an. Es bestreitet, dass er misshandelt worden sei und ein Dutzend mal versucht haben soll, sich umzubringen. In Wirklichkeit habe er nur zehn Selbstmordversuche hinter sich. (sda)

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