Abschlepp-Abzocke: «Ein abgekartetes Spiel»
Aktualisiert

Abschlepp-Abzocke: «Ein abgekartetes Spiel»

Wie sehr das Geschäft im Innenhof des Zürcher Hotels Senator brummt, zeigt der Bericht eines Anwohners: Wegen des ständigen Lärms durch die Abschlepperei ist oft an Schlaf nicht zu denken. In anderen Fällen berichten User von offener Manipulation an den Parkuhren durch die Abschlepper-Bande.

Die Abschlepp-Praktiken des Zürcher Hotels Senator lassen die Wogen hochgehen und die geprellten Autofahrer in die Tasten hauen. 70 Mails stammen von Autofahrern, die selber gleiche oder ähnliche Erfahrungen auf dem Parkplatz des Hotels Senator gemacht haben, genau wie der ausgenommene ehemalige Hotelplan-CEO. Sein Fall brachte das Ganze ins Rollen.

Zahlreiche Mails wurden auch von Anwohnern eingesandt, die direkt in den Innenhof sehen und regelmässig den Abschlepp-Wahnsinn fassungslos beobachten können. Einer kann den ständigen Lärm, verursacht durch die Abschlepphydraulik, fast nicht mehr ertragen. Die meisten stossen sich jedoch an der «Willkür wie hier vorgegangen wird» und an der Ohnmacht, ohne Quittung den «Autohelfern» ausgeliefert zu sein. Allen Reaktionen sind zwei Sachen gemein: Der Ärger und das fassungslose Staunen über die Praktiken der Abschleppfirma Auto-Hilfe Zürich und des Hotels Senator an der Heinrichstrasse.

Die meisten bestätigen mit ihren Fällen, das bisher bekannte Vorgehen. Einige haben die Abschlepper sogar dabei gesehen, wie sie die Parkuhren manipuliert haben. Hotel Senator-Chef Hans Rüdisüli wollte sich zu den Vorwürfen gegenüber 20minuten.ch nicht äussern.

Drei ausgewählte Leser-Reaktionen:

«Ich habe zuerst meinen Augen nicht getraut als ich Ihren Artikel gelesen habe. Ich stimme dem was Sie da geschrieben haben 1000% zu. Ich selber wohnte noch bis vor einem Monat, 3 Jahre lang gegen den Hof des Hotels Senator an der Nr. 310. Meistens abends und speziell am Wochenende wurde systematisch abgeschleppt. Regelmässig kontrollierten die tamilischen Angestellten des Hotel Senators die Parkuhren. Danach verteilten sie Bussen und kurze Zeit später kam der Abschleppdienst. Ein abgekartetes Spiel.»

D.N. (Name der Radaktion bekannt.)

«Habe leider im Dezember 06 die Erfahrung beim Hotel Senator gemacht, dass das Personal in die richtig gefütterten Parkuhren 50 Rappen nachzahlen und somit die Parkzeit 'verändern'. Daraufhin wird schön abgewartet bis die neu gestellte Parkzeit abgelaufen ist. Hatte beim Vorfall im Dezember 06 versucht die Person zu stellen, welche die Parkuhren 'nachgefüttert' hatte. Leider ohne Erfolg, da es sonst zu Handgreiflichkeiten gekommen wäre. Die lapidare Antwort war: Anweisung vom Chef. Die Person, welche die Parkuhren nachgefüttert hatte, wurde durch eine zweite Person 'abgesichert'. Trotz Zeugen, dass ich richtig bezahlt hatte, konnte ich an der Hotelreception nichts erreichen. Einfach eine riesige Schweinerei.»

R.G. (Name der Redaktion bekannt.)

«Ich wohne in der Heinrichstrasse und mein Hauseingang befindet sich im Innenhof des Hotels Senator. Die Abschlepppraktiken des Hotels Senator sind mir bestens bekannt. Ich habe mich auch schon länger mit einem der Mitarbeiter von "Autohilfe Zürich" unterhalten. Dieser hat zugegeben, dass er freie Hand beim Abschleppen der Fahrzeuge hat. Er habe die Weisung von seinem Vorgesetzten, die Parkuhr selbstständig zu prüfen und nach Überschreiten der bezahlten Parkzeit ohne Absprache mit dem Hotel Senator abzuschleppen und dies nach der ersten Minute.»

S.R. (Name der Redaktion bekannt.)

Manuel Bühlmann, Hansi Voigt

Abschlepper-Willkür: Haben Sie auch schon ähnliche Erfahrungen beim Hotel Senator oder an anderen Orten gemacht? Mailen Sie uns Ihr Erlebnis an feedback@20Minuten.ch

Die rechtliche Situation

Beim Hotel Senator handelt es sich trotz der aufgestellten Parkuhren um Privatparkplätze. Das Abschleppen muss aber auch auf privaten Parkplätzen immer verhältnismässig sein. Der Besitzer kann nicht einfach "aus Prinzip" abschleppen lassen. Durch den Falschparkierer muss für ihn ein Nachteil entstehen. Dann kann er sich auf Art. 926 ZGB (Besitzschutz) berufen und den Abschleppdienst aufbieten. Ein Nachteil entsteht etwa dann, wenn er selber den Parkplatz nicht benützen kann oder die Zufahrt versperrt ist.

Falls der Falschparkierer ohne Aufwand ausfindig zu machen ist, (kurzes Warten, oder falls man weiss, in welcher Beiz er sich befindet) muss er zuerst gebeten werden, sein Auto wegzustellen. Erst dann kann der Abschlepper aufgeboten werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Abschleppen durch eine Tafel angedroht wurde, oder nicht.

Der Abschlepper (in diesen Fällen die Autohilfe Zürich), hat keinen Anspruch auf eine Zahlung für seine Dienste durch den Fahrer des abgeschleppten Autos. Zahlen muss ihn der Auftraggeber (in diesen Fällen das Hotel Senator). Das Hotel kann dann das Geld vom Autoschlepper zurückverlangen (Art. 928 ZGB und Art. 41 OR).

Der Abschlepper darf also das Fahrzeug keineswegs bis zur Bezahlung der Kosten zurückbehalten. Tut er es trotzdem, ist allenfalls der Tatbestand der Nötigung erfüllt. In solchen Fällen kann die Polizei eingeschaltet werden. Die wird den Abschlepper zur Herausgabe des Autos anhalten (Falls er nicht schon vorher klein bei gegeben hat).

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