Abschlepp-Skandal: Nur die Polizei wusste von nichts
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Abschlepp-Skandal: Nur die Polizei wusste von nichts

Obwohl sich zahllose Halter von abgeschleppten Autos bei der Polizei meldeten und sich über die Machenschaften der Autohilfe Zürich beklagten, wollten die Ordnungshüter nicht gegen die Abschlepper-Bande vorgehen.

Wie dutzende von Lesereaktionen betroffener Autofahrern belegen, wurden die von der Autohilfe Zürich abgeschleppten Fahrzeuge nur gegen Bargeld herausgegeben. Damit liegt der Verdacht auf Nötigung vor. Und weil es sich bei Nötigung um ein Offizialdelikt handelt, müsste die Polizei bereits beim blossen Verdacht ermitteln, oder sobald sie Kenntnis von solchen Fällen hat. Hat sie aber nicht, wie 20minuten.ch auf Anfrage erfuhr und schon gar nicht von Fällen durch die Autohilfe Zubers, wie die Stadtpolizei erklärte: «In den letzten drei Jahren hatten wir nur vereinzelt Beschwerden im Zusammenhang mit Abschlepp-Vorgängen auf Privatgrund. Wie viele es genau waren und welche mit der Firma Autohilfe Zuber in Verbindung standen, können wir nicht sagen».

Da hat 20minuten.ch inzwischen wohl den genaueren Überblick: Bei uns sind bisher 143 ähnliche Fälle schriftlich dokumentiert.

Viele davon wussten sogar, dass sie ihr Auto nicht bar herauslösen mussten und wandten sich an die Polizei. Wer auf das Polizeirevier ging, wurde abgewimmelt, meisten mit der gleichen Begründung, die etwa Denise S. im März letzten Jahres zu hören bekam: «Man könne nichts unternehmen, da es Privatanlagen seien».

Wer sich damit nicht begnügte und sich an den Rechtsdienst der Stadtpolizei wandte, konnte sich über die Antworten nur wundern. «Er hätte zwar von solchen Aktionen gehört, aber sie sei chancenlos,» erklärte ein Hausjurist Marlise M. und riet ihr, die Sache zu vergessen.

Polizei schickt abgezockten Fahrer zum Chef der Autohilfe

Eine unglaublich praxisnahe Lösung bot man dem abgezockten Peter S. an. Nachdem er sich weigerte zu zahlen, rief er die Polizei noch vom Abschlepport per Handy an und bat um Hilfe. Und was passierte: «Die rieten zum Anruf an den Autohilfe-Chef!»

Immerhin kommt jetzt aufgrund der Berichte auf 20minuten.ch etwas Bewegung in den Polizeiapparat. «Gerade weil die Firma ein Vertragspartner ist, haben wir ein grosses Interesse daran, von allfälligen Ungereimtheiten zu erfahren», erklärt der Polizeisprecher jetzt auf Anfrage. Das ist im Vergleich zum Dienstag vor einer Woche, als 20minuten.ch zum ersten Mal über die Vorkommnisse mit einem Autofahrer, der seinen Wagen erst gegen Bezahlung herausgerückt bekam, ein deutlicher Kurswechsel. Damals liess 20 Minuten den Artikel mit dem bei einem Offizialdelikt als logisch anzunehmenden Schlusssatz «jetzt ermittelt die Polizei» enden. Den «falschen Satz» wollte die Polizeisprecherin schleunigst aus dem Text gestrichen haben.

Auch auf der Partymeile hat sich seit Beginn der Berichterstattung einiges getan: «Am Wochenende war kein einziges Autohilfe-Auto zu sehen», berichtet eine Partygängerin und jubelt: «Weiter so zwänzgmi!» – worauf sie sich verlassen kann!

Abschlepper-Willkür: Haben Sie auch schon ähnliche Erfahrungen beim Hotel Senator oder an anderen Orten gemacht? Mailen Sie uns Ihr Erlebnis an feedback@20minuten.ch

Manuel Bühlmann, Hansi Voigt

«Für 400 Stutz bringemeren z'rug». Die Mehrzahl der Autofahrer, die die «Abschleppdienste» der Firma Autohilfe Zürich rund um die Hardbrücke in Anspruch nehmen musste, bekam die Autos erst gegen Barzahlung von 400 Franken wieder ausgehändigt. Und das ist illegal, wie der Chef der Abschlepper weiss.

«Für 400 Stutz bringemeren z'rug». Die Mehrzahl der Autofahrer, die die «Abschleppdienste» der Firma Autohilfe Zürich rund um die Hardbrücke in Anspruch nehmen musste, bekam die Autos erst gegen Barzahlung von 400 Franken wieder ausgehändigt. Und das ist illegal, wie der Chef der Abschlepper weiss.

«Für 400 Stutz bringemeren z'rug». Die Mehrzahl der Autofahrer, die die «Abschleppdienste» der Firma Autohilfe Zürich rund um die Hardbrücke in Anspruch nehmen musste, bekam die Autos erst gegen Barzahlung von 400 Franken wieder ausgehändigt. Und das ist illegal, wie der Chef der Abschlepper weiss.

Wenn auf der Trendmeile so richtig was los ist, gehören die gelben Einsatzfahrzeuge der Autohilfe Zürich zum festen Strassenbild unter der Hardbrücke. Dann bietet die Autohilfe auch "Freizeitabschlepper" wie N. (siehe Dossier) auf. Unermüdlich werden «Falschparkierer» von Privatparkplätzen wie etwa auf dem Hof des Hotel Senator oder vom Maag-Areal geholt und in die Sammeldepots der Autohilfe, zum Beispiel an die Geroldstrasse verfrachtet.

Wenn N. oder einer der anderen vier Autohilfe-Chauffeure, die 20minuten.ch inzwischen namentlich genannt wurden, das Auto erst mal weggeschleppt haben, geben sie die Fahrzeuge laut dutzenden Einsendungen von Betroffenen erst wieder heraus, wenn die Halter die Gebühr von 400 Franken bar bezahlt haben. „Wenn sie nicht bezahlen, bleibt das Auto hier“ schnauzte ein Autohelfer den Ex-Ceo eines Reisekonzerns an. Sascha V. rief an und wollte mich erkundigen ob sein Fiat Punto abgeschleppt worden ist. Er liess ihn nicht mal ausreden: «Für 400 Stutz bringemeren z'rug». Auch Oliver M. aus Zürich musste „400 Franken Cash zahlen, um sein Auto wenige hundert Meter vom ursprünglichen Parkplatz wieder abzuholen und auch Claudia K. aus Zürich spurte nach der „Androhung, dass mir mein Auto nur mit Barbezahlung“ wieder ausgehändigt wird. Die Liste könnte beliebig fortgesetzt werden. Ist das Nicht-Herausgeben von Fahrzeugen nicht eindeutig Nötigung (StGB art. 181) oder eventuell gar eine unrechtmässige Aneignung, da verschiedene Autos laut Betroffenen von den Abschleppern „aufgemacht„ wurden?

Über die rechtliche Lage in solchen Fällen weiss der Chef und Eigentümer der Autohilfe Zürich, Guido Zuber, bestens Bescheid. Seit inzwischen 36 Jahren ist er der Abschlepppartner der Stadtpolizei Zürich, (siehe Artikel im Dossier) Als Fachmann wird er immer wieder zu Rate gezogen. Auf Anfrage betonte er, dass die "Autohilfe nie illegal abschleppt". Und auch in einem Artikel der Zeitschrift „Beobachter" klärte der als Fachmann befragte Zuber in einem kritischen Artikel über das Vorgehen bei Abschleppaufträgen auf: «Wir können den Wagen nicht zurückbehalten und dürfen die Herausgabe nicht von der Bezahlung abhängig machen.» Fragt sich nur, warum seine Chauffeure sich nicht daran halten.

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