Abschlepp-Skandal: Opfer erstatten gemeinsam Anzeige
Aktualisiert

Abschlepp-Skandal: Opfer erstatten gemeinsam Anzeige

Neue Entwicklung im Fall der «Abschlepper-Bande»: Gestern haben mehrere geprellte Autofahrer Anzeige eingereicht. Jetzt muss die Polizei handeln.

Wagen weg, obwohl die Parkgebühr bezahlt ist. Seit 20minuten.ch die Praktiken der «Abschlepper-Bande» rund um das Hotel Senator publik gemacht hat, haben sich über 200 Betroffene auf der Redaktion gemeldet. Auch sie sind überzeugt, vom Hotel Senator und der Autohilfe Zürich (AHZ) geneppt worden zu sein. 20 Geprellte haben jetzt reagiert, sich zu einer Interessengemeinschaft formiert und gestern Abend auf der Polizeiwache Urania Anzeige gegen die AHZ und das Hotel Senator erstattet. Suzan Yazgan, Initiantin der IG: «Wir alle wurden mit der gleichen Masche hereingelegt. Jetzt muss die Justiz endlich reagieren.»

Der Fall ist auch mehr als brisant: Einzelne AHZ-Fahrer stehen im Verdacht, jahrelang systematisch tausende von Autos illegal aufgebockt zu haben. Zudem ist die AHZ seit Jahren Vertragspartner der Stapo. Und der fleissigste Abschlepper ist für den Zivilschutz als Quartiermeister der Stadt Zürich tätig – und somit zu 100 Prozent dem Polizeidepartement unterstellt.

Bislang hat die Stadtpolizei die AHZ-Opfer stets abgewimmelt – obwohl der Tatbestand der Nötigung vorlag. Denn die Autos wurden nur gegen Zahlung von 400 Franken wieder freigegeben. Auch gestern wurden wie die sieben Opfer der Autohilfe Zürich, die bekanntlich auch ranghohe Mitarbeiter des Polizeidepartements beschäftigt, von der Polizei nur bedingt freundlich empfangen. Anfangs sogar wollten die Gesetzeshüter aus Zeitgründen nur von dreien der Opfern eine Anzeige entegegennehmen. Nach einstündiger Wartezeit entschloss man sich trotzdem, alle Anzeigen zu berücksichtigen.

Doch die Zeit des Wegschauens ist vorbei: Wie 20minuten.ch aus sicherer Quelle weiss, haben die Beamten der Stadtpolizei via Intranet die Weisung erhalten, Hinweise zum Fall zu melden.

Manuel Bühlmann / Hansi Voigt

Abschlepp-Skandal: Haben Sie auch schon ähnliche Erfahrungen beim Hotel Senator oder an anderen Orten gemacht? Mailen Sie uns Ihr Erlebnis an feedback@20minuten.ch

Leser wehren sich

Ermutigt durch die Recherchen von 20minuten.ch formiert sich eine Interessensgruppe von geprellten Autofahrern, die gegen die dreiste Abzockerei rechtliche Schritte einleiten will. Schreiben Sie uns auf feedback@20minuten.ch, wenn auch Sie etwas unternehmen wollen und wir werden den Kontakt zur Gruppe herstellen.

Deine Meinung