19.02.2019 18:26

Zürich-Binz «Abschleppfirma liegt regelrecht auf der Lauer»

Mitarbeiter einer Abschleppfirma sollen bei der Lidl-Filiale auf Falschparkierer warten, sagt eine Anwohnerin. Die Abschleppfirma sieht das ganz anders.

von
som/mon
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Eine Anwohnerin berichtet von kuriosen Szenen vor der Lidl-Filiale in Zürich-Binz.

Eine Anwohnerin berichtet von kuriosen Szenen vor der Lidl-Filiale in Zürich-Binz.

20 Minuten
Wie sie sagt, kommt es wegen des Parkplatzmangels vor, dass Kunden auf die privaten Parkplätze in der Umgebung ausweichen.

Wie sie sagt, kommt es wegen des Parkplatzmangels vor, dass Kunden auf die privaten Parkplätze in der Umgebung ausweichen.

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«Die Mitarbeiter der Abschleppfirma liegen regelrecht auf der Lauer und warten auf Kunden, die falsch parkieren», sagt C.S.

«Die Mitarbeiter der Abschleppfirma liegen regelrecht auf der Lauer und warten auf Kunden, die falsch parkieren», sagt C.S.

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Ein normaler Tag vor der Lidl-Filiale in Zürich-Binz: Kunden suchen mühsam nach einem freien Parkplatz, daneben warten Mitarbeiter der Abschleppfirma Auto Notruf Zürich auf Falschparkierer. So beschreibt C. S.* die Situation, die seit Monaten in dem Stadtzürcher Industriequartier vorherrscht. Die Frau wohnt gleich in der Nähe und kauft im Lidl an der Grubenstrasse hin und wieder ein. «Wegen des Parkplatzmangels kommt es vor, dass Kunden auf die privaten Parkplätze in der Umgebung ausweichen», so S.

Schuld sei der Standort: «Da sich der Laden etwas ausserhalb befindet, kommen viele mit dem Auto zum Einkaufen.» Die dort ansässigen Firmen soll das aber wenig interessieren: «Die haben eine Abschleppfirma beauftragt, die für Ordnung sorgt.» Laut S. spielen sich seitdem kuriose Szenen ab: «Die Mitarbeiter der Abschleppfirma liegen regelrecht auf der Lauer und warten auf Kunden, die falsch parkieren.»

«Wehrt man sich, reagieren sie aggressiv»

Letztes Mal seien sie sogar zu zweit unterwegs gewesen: «Einer hat aufgeladen, und der andere fuhr möglichst schnell weg.» Zudem habe sie schon beobachtet, wie die Firma Autos abschleppen wollte und diese dann für einen Betrag von 575 Franken dem Halter freigab: «Wehrt sich ein Kunde, reagieren sie aggressiv.»

Für S. ein klarer Fall von Erpressung: «Das ist reine Abzocke und illegal. Solchen Firmen sollte man genauer auf die Finger schauen.» Deshalb habe sie ihre Beobachtungen der Polizei gemeldet: «Sie haben mir bestätigt, dass die Geldforderungen vor Ort den Tatbestand der Nötigung erfüllen.»

«Wir handeln ausschliesslich im Auftrag.»

Solche Vorwürfe sind für Robby Pauletto, Administrator von Auto Notruf Zürich, haltlos: «Wir arbeiten absolut rechtskonform.» Vielmehr mache sich ein Autolenker strafbar, wenn er widerrechtlich parkiere. Auto Notruf Zürich sei einer der Abschleppdienste, die in der Binz aufgeboten werden, so Pauletto: «Immer wieder parkieren Leute dort widerrechtlich, obwohl das gesamte Areal und die Privatparkplätze mehrfach mit grossen Verbotsschildern markiert sind.»

Auf der Lauer liegen die Mitarbeiter jedoch nie, wie er versichert: «Wir handeln ausschliesslich im Auftrag.»

Ebenfalls würden die Mitarbeiter Autofahrer weder nötigen noch erpressen. «Wenn der fehlbare Lenker vor Ort erscheint, wird lediglich eine Leerfahrt verrechnet.» Dafür ist eine Gebühr von 270 Franken vor Ort oder 360 Franken auf Rechnung fällig. Wird das Auto abgeschleppt, verlangt die Auto Notruf Zürich mindestens 470 Franken, so Pauletto: «Das Fahrzeug wird in jedem Fall ausgehändigt. Von Nötigung zu sprechen, ist falsch.» Bei den Tarifen richte man sich nach den Vorgaben der Stadtpolizei Zürich.

Lidl ist das Parkplatz-Problem bekannt

Bei Lidl Schweiz weiss man um die Problematik vor der Filiale an der Grubenstrasse: «An stark frequentierten Tagen ist uns die Situation bei dieser Filiale durchaus bekannt», so Lidl-Sprecherin Corina Milz: «Wir sind stetig auf der Suche nach möglichen Lösungen.» Eine Vergrösserung des Parkplatz-Areals sei aber aufgrund der Platzverhältnisse und der gültigen Parkplatzverordnung nicht realisierbar.

Man weise die Kunden deshalb darauf hin, nur auf den klar signalisierten Parkplätzen auf dem Lidl-Areal zu parkieren. Im Anschluss an das vermehrte Abschleppen habe man zusätzlich noch Hinweise am Eingang der Filiale anbringen lassen, so Milz: «Wir wollen damit auf das Risiko aufmerksam machen, dass man seitens der Nachbarn abgeschleppt werden kann.»

*Name der Redaktion bekannt

Das sagt die Stadtpolizei

nicht zurückbehalten werden, bis die Kosten beglichen sind. Sonst könne der Tatbestand der Erpressung oder Nötigung erfüllt sein.

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