Rechnung für Leerfahrten: Abschleppfirma will Geld fürs Nicht-Abschleppen
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Rechnung für LeerfahrtenAbschleppfirma will Geld fürs Nicht-Abschleppen

Obwohl sie ihre Wagen rechtzeitig umparkierten, bekamen zwei Autofahrer eine Rechnung fürs Nicht-Abschleppen. Die Firma wollte Geld für die Leerfahrt.

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Der Abschleppdienst mutiert in der Schweiz zum Abzocker-Geschäft.(Symbolbild)

Der Abschleppdienst mutiert in der Schweiz zum Abzocker-Geschäft.(Symbolbild)

Mittlerweile werden sogar Rechnungen fürs Nicht-Abschleppen verteilt. Dies mussten zwei SRF-Hörer am eigenen Leib erleben. Sie sassen eines Abends in Effretikon im Restaurant, als eine Anwohnerin sie darauf aufmerksam machte, dass ihre Autos im Parkverbot stehen würden. Wenn sie nicht umparkierten, würden ihre Fahrzeuge abgeschleppt.

Obwohl die beiden ihre Autos wegfuhren, bekamen sie kurze Zeit später je eine Rechnung über 375 Franken – fürs Nicht-Abschleppen ihrer Fahrzeuge. Dahinter steckte die Firma Falschparken aus Kollbrunn, wie die SRF-Magazine «Kassensturz» und «Espresso» berichten.

Trotz Telefonnummer auf dem Auto abgeschleppt

Einer der zwei Betroffenen schickte einen Brief an die Firma und beklagte sich darin über den «unverhältnismässigen» Betrag – erfolglos. Das Schreiben kam ungeöffnet zurück, beiliegend eine Zahlungserinnerung und eine Betreibungsandrohung von 511 Franken.

Die Bahnhofstrasse in Effretikon scheint ein beliebter Ort für das Abschleppgeschäft zu sein. Das Auto eines weiteren SRF-Hörers wurde ebenfalls dort abgeholt und auf einen ungesicherten öffentlichen Parkplatz abgestellt. Dies obwohl auf dem Wagen seine Telefonnummer und der Firmenname stand. Die Stossstange des Wagens sei ausserdem dabei beschädigt worden, sagt der IT-Spezialist.

Als er die Abschleppfirma darauf aufmerksam machte, stritt der Chauffeur alles ab und fuhr davon. Nun muss der Betroffene rund 1300 Franken für den Schaden und 742 fürs Abschleppen bezahlen. Er hat Strafanzeige wegen Nötigung eingereicht.

«Es geht hier nur ums Geld»

Die «Kassensturz»-Rechtsexpertin Gabriela Baumgartner sagt, man hätte das Auto des Mannes gar nicht abschleppen müssen. «Im Privatrecht gilt das Prinzip der Schadenminderungspflicht.» Das bedeute, ein Recht müsse möglichst schonend ausgeübt werden. «Wenn eine Telefonnummer auf dem Auto steht, dann ist dem Parkplatzbesitzer durchaus zuzumuten, dass er den Falschparkierer auffordert, den Wagen umzustellen», so Baumgartner.

Auch die ehemalige FDP-Politikerin Nicole Lieberherr hat schlechte Erfahrungen mit Abschleppdiensten gemacht. Sie hat sogar eine Interessengemeinschaft gegen die «Abschlepp-Abzocke» gegründet.

«Die Abschleppdienste suchen regelrecht nach Parksündern», sagt sie. Sie gingen sogar auf den Parkplatzbesitzer zu und böten ihm 50 bis 150 Franken Provision für jedes Auto, das sie abschleppen könnten. «Ob der Falschparkierer jemanden stört oder nicht, ist egal. Es geht hier nur ums Geld», so Lieberherr.

«Leerfahrt darf in Rechnung gestellt werden»

Gegen die Firma Falschparken laufen derzeit insgesamt vier Strafanzeigen wegen Nötigung. Weitere sind angekündigt. Der bei der Firma Falschparken zuständige Verantwortliche Daniel Kägi wollte gegenüber dem «Kassensturz» keine Stellung nehmen.

Sein Rechtsberater schrieb lediglich, die Firma dürfe ihren Aufwand fürs Nicht-Abschleppen in Rechnung stellen: «Auch bei öffentlich-rechtlichen Abschleppvorgängen durch die Polizei wird für die Leerfahrt eine reduzierte Gebühr verlangt.»

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