Radikaler Tierschützer: Abschuss von Waschbären soll Fremdenfeindlichkeit fördern
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Radikaler TierschützerAbschuss von Waschbären soll Fremdenfeindlichkeit fördern

Der Waschbär gilt in der Schweiz als gebietsfremdes Tier und darf ganzjährig gejagt werden. Für einen radikalen Tierschützer handelt es sich bei den Abschüssen um die «unökologische Verdammung fremder Arten».

von
Dafina Eshrefi
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Waschbären gelten als Neozoen, also nicht-einheimische Tierarten und dürfen deshalb ganzjährig gejagt und abgeschossen werden.

Waschbären gelten als Neozoen, also nicht-einheimische Tierarten und dürfen deshalb ganzjährig gejagt und abgeschossen werden.

Wikimedia/Carsten Volkwein
Der für seine radikalen Ansichten bekannte Tierschützer Carl Sonnthal fordert nun in einer Petition ein Ende des Abschusses von Waschbären.

Der für seine radikalen Ansichten bekannte Tierschützer Carl Sonnthal fordert nun in einer Petition ein Ende des Abschusses von Waschbären.

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«Es ist nicht die Schuld der Waschbären, dass sie hier sind», erklärt der Tierschützer.

«Es ist nicht die Schuld der Waschbären, dass sie hier sind», erklärt der Tierschützer.

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Darum gehts

  • Waschbär darf in der Schweiz ganzjährig gejagt und abgeschossen werden.

  • Radikaler Tierschützer Carl Sonnthal verlangt ein Jagd-Verbot für Waschbären und startet Petition.

  • Tierethiker Markus Wild befürwortet Petition.

Ende Januar wurde in Wasserauen AI ein Waschbär erschossen, nachdem er sich Zugang zu einer Wohnung verschafft und darin ein Durcheinander hinterlassen hatte. Der Grund: Waschbären gelten in der Schweiz als Neozoen, also nicht-einheimische Tierarten. Weil der Waschbär als gebietsfremde Art gilt, darf er in der Schweiz ganzjährig gejagt werden.
Für die Interessengemeinschaft «Wild beim Wild» handelt es sich dabei um eine «pseudobiologische, unökologische Verdammung fremder Arten», die gleichzeitig die «allgemeine Fremdenfeindlichkeit» fördere. Die IG, die vom radikalen Tierschützer Carl Sonnthal ins Leben gerufen wurde, verlangt nun in einer Petition ein Ende der Waschbären-Abschüsse: «Es ist nicht die Schuld der Waschbären, dass sie hier sind.» Sonnthal fordert, dass man «endlich» geltendes Tierschutzgesetz anwendet, wonach niemand einem Tier ungerechtfertigt Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen dürfe. Mit seiner Haltung gebietsfremden Tieren gegenüber zeige der Mensch «einmal mehr», dass er überzeugt sei, allen anderen Spezies überlegen zu sein und diese deshalb behandeln könne, wie er wolle.

«Der Waschbär gehört nicht in unser Ökosystem»

Der Jagd- und Fischereiverwalter des Kantons Appenzell Innerrhoden, Ueli Nef, widerspricht: «Gerade weil Tiere ein Recht auf Leben haben, hat man den Waschbären in Wasserauen erlegt. Damit schützen wir sehr viel mehr Tierleben, als wenn wir aus radikal fanatischen Gründen ein einzelnes Individuum schützen.» Da Waschbären sowohl gut schwimmen, als auch klettern können, sei fast nichts vor ihnen sicher. Einheimische Arten seien den Umgang mit einer solchen gebietsfremden Art nicht gewohnt. Das Ziel sei es, eine Ansiedlung des Waschbären in der Schweiz gar nicht erst zuzulassen. «Der Schutz der einheimischen Tier- und Pflanzenwelt, ihrer biologischen Vielfalt und ihrer Lebensräume ist im Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz festgehalten», sagt Nef.

Auch Simon Meier von Wildtier Schweiz erklärt, dass der Abschuss des Waschbären legitim gewesen sei: «Der Waschbär ist in der Schweiz eine invasive, gebietsfremde Art und die Kantone sind angehalten, deren Ausbreitung zu verhindern.» Er würde nicht nur einheimische Tierarten bedrohen, sondern auch Krankheiten verbreiten.

Tierethiker befürwortet Petition

Ganz anders sieht das der Basler Tierethiker und Professor Markus Wild: «Ich finde die Petition im Grundsatz richtig. Waschbären gelten leider als gebietsfremde Tierart und können daher ganzjährig getötet werden.» Das sei eine «fantasielose» Massnahme. Speziesismus sei die Missachtung der Interessen anderer Lebewesen, nur weil sie keine Mitglieder «unserer Spezies» seien. Wie schädlich diese Ideologie für Mensch, Tier und Umwelt sein könne, sehe man heute, wenn man Themen wie Massentierhaltung, Klimakrise und Biodiversitätsverlust betrachte. Menschen- und Tierrecht könne man in manchen Bereichen gleichsetzen, erklärt Wild: «Beide sind verletzlich und wollen leben.»

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