23.06.2015 16:42

«Autobumsen»Absichtlich Unfälle gebaut – zur Terrorfinanzierung

Die Polizei mehrere Personen festgenommen. Sie sollen mit «Autobumsen» Versicherungen betrogen und so Jihad-Reisen finanziert haben.

von
ann
Der Deutsche Philip B. aus Dinslaken hat sich bei einem Selbstmordattentat nahe Mossul in die Luft gesprengt (Quelle: Screenshot Youtube).

Der Deutsche Philip B. aus Dinslaken hat sich bei einem Selbstmordattentat nahe Mossul in die Luft gesprengt (Quelle: Screenshot Youtube).

Heute, Dienstag, führte die Polizei im nordrhein-westfälischen Oberhausen eine Grossrazzia mit mehreren Festnahmen durch.

Wie die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (FAZ) berichtet, waren die Durchsuchungen von langer Hand geplant.

So ermittelte die Polizei bereits seit zwei Monate gegen rund 24 Personen, die mit vorsätzlichen Autounfällen – «Bild.de» spricht in diesem Zusammenhang von «Autobumserei» – ihre Versicherungen hinters Licht geführt haben sollen und ein Teil des ausgezahlten Geldes vermutlich zur Terrorfinanzierung benützten. Das Versicherungsgeld im Umfang von 50.000 bis 100.000 Euro soll gemäß FAZ etwa für Jihad-Reisen nach Syrien gedient haben.

Dinslaker Jihadist Philip B. unter den Drahtziehern

Die Gruppe sei ins Visier der Polizei geraten, weil die Unfälle immer im gleichen Raum und immer nach dem gleichen Muster abgelaufen seien. Bei der Überprüfung hätten die Ermittler entdeckt, dass alle beteiligten Autofahrer radikale Islamisten waren. Mehr noch: Der Staatsschutz fand heraus, dass diese Jugendlichen einer Dinslakener Jihadistenzelle angehörten. Aus deren Reihen sind bereits über 20 Extremisten für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nach Syrien gezogen. Mindestens vier von ihnen sollen dort getötet worden sein.

Recherchen der FAZ und des ARD-Magazins «Report München» ergaben, dass der Dinslakener Philip B. zu den Drahtziehern der Betrugsaktion gehörte. Der 27-jährige Konvertit mit Kampfname Abu Usama al-Almani hatte sich im letzten Jahr als einer der ersten deutschen Selbstmordattentäter in Syrien in die Luft gesprengt. Ein weiteres Mitglied der Dinslakener Zelle, Marcel L., soll ebenfalls in den Versicherungsbetrug verwickelt gewesen sein. Auch er, von dem es heißt, dass er für den IS Gefangene gefoltert hatte, soll mittlerweile in Syrien verstorben sein.

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