Aktualisiert 23.02.2013 09:03

«Time-out»

Absichtlich verloren? Das ist barer Unsinn

Der ZSC verliert in Biel 0:7 und bringt Kloten dadurch in höchste Playout-Gefahr. Doch die Flyers sind nicht das Opfer irgendeiner Verschwörung.

von
Klaus Zaugg

Die ZSC Lions besiegen am Dienstag mit einer starken Leistung die Kloten Flyers 4:2. Am Freitag verlieren sie in Biel 0:7. Biel übernimmt auf Kosten von Kloten wieder den letzten Playoffplatz. Kein Schelm, wer jetzt sagt: Die ZSC Lions haben absichtlich verloren und Biel die drei Punkte geschenkt. Damit der Lokalrivale und nicht Biel in die Playouts muss.

Solche Gedankengänge sind bei überraschenden Resultaten wie diesem 7:0 von Biel so alt wie das Eishockey. Verschwörungstheorien gehören zum Eishockey, zu diesem unberechenbaren, auf glatter Unterlage ausgetragenen Spiel. Teams verlieren angeblich absichtlich, um einem Rivalen zu schaden. Oder um einem bestimmten Gegner in der ersten Playoffrunde auszuweichen. Doch das ist barer Unsinn.

Dass die ZSC Lions gegen Kloten im Derby mit einer anderen Einstellung bei der Sache waren als im fernen Biel, liegt auf der Hand. Kein Trainer der Welt hätte die Zürcher für das für sie bedeutungslose Spiel in Biel zu einer Sonderleistung motivieren können.

Nichtssagende «Februar-Sensationen»

Aber kein Trainer der Welt ordnet eine Niederlage an. Und die Spieler verlieren nie absichtlich. Ein Trainer, der absichtlich zu verlieren versucht, brächte den Schwefelgeruch des Verrates nie mehr aus den Kleidern und seine Karriere wäre zu Ende. Überraschende Resultate häufen sich gerade am Ende einer Qualifikation, weil es für die Teams unterschiedliche Ausgangslagen gibt. Wer schon für die Playoffs qualifiziert ist, trainiert oft als Playoff-Vorbereitung härter als jene, die ihre Energie noch brauchen, um überhaupt in die Playoffs zu kommen.

Deshalb sind «Februar-Sensationen» wie das 12:0 der Kloten Flyers gegen die Lakers oder das 7:0 der Bieler gegen den ZSC so etwas wie Muster ohne Wert. Wer eine Mannschaft nach den letzten Resultaten in der Qualifikation beurteilt, riskiert den Irrtum. Der SCB hat vor einem Jahr das letzte Spiel der Qualifikation gegen Ambri auf eigenem Eis kläglich 1:4 verloren. Und erreichte dann das Finale.

Biel mit dem etwas gemütlicheren Restprogramm

Wer am Ende der Qualifikation auf «Schützenhilfe» angewiesen ist, gerät in Schwierigkeiten. Das war schon immer so. Die Kloten Flyers sind nicht das Opfer der ZSC Lions oder irgendeiner Verschwörung. Sie haben sich selber in die heikle Situation manövriert. Als Sportchef André Rötheli kam, standen die Kloten Flyers auf Platz 6. Nach dem letzten Spiel mit Tomas Tamfal waren die Kloten Flyers immer noch auf einem Playoffplatz klassiert (8.). Nun stehen die sie nach dem ersten Spiel mit ihrem neuen Trainer Felix Hollenstein zwei Runden vor Schluss auf Rang 9.

Biel spielt noch in Langnau und zu Hause gegen Zug. Kloten gegen Servette und in Lugano. Zwei Runden sind, gemessen an der Ewigkeit, nichts. Im Eishockey können in zwei Spielen Helden und Idioten gemacht und Karrieren befeuert oder geknickt werden. Schaffen die Kloten Flyers die Playoffs und stürmen sie dort bis ins Halbfinale oder gar ins Finale, dann wird Sportchef André Rötheli als Stratege gerühmt und er wird fortan als einer der besten Sportchefs seit Einführung der Playoffs (1985/86) gelten. Und der neue Trainer Felix Hollenstein wird zum «Hockeygott».

Wenn die Kloten Flyers die Playoffs vergeigen, dann gilt André Rötheli als einer der grössten Versager seit Einführung der Playoffs. Als André «Playouteli». Und Trainer Felix Hollenstein «schrumpft» zum ganz gewöhnlichen Hockeytrainer. Auf so dünnem Eis stehen die Hockey-Helden. So gnadenlos kann der Sport sein.

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