Formel 1: Absichtlicher Defekt? – Alpha Tauri wehrt sich gegen Anschuldigungen

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Formel 1Absichtlicher Defekt? – Alpha Tauri wehrt sich gegen Anschuldigungen

Beim GP der Niederlande ermöglicht Yuki Tsunoda mit einem Defekt Max Verstappen den Sieg. Das sorgt unter den Formel-1-Fans für die Verbreitung einer kleinen Verschwörungstheorie.

von
Lucas Werder

Hier muss Tsunoda seinen Alpha Tauri am Streckenrand abstellen.

SRF

Darum gehts

Max Verstappens Rekordjagd ist spätestens seit dem vergangenen Wochenende so richtig lanciert. Beim Heimrennen in Zandvoort schnappte sich der Niederländer den zehnten Sieg im 15. Saisonrennen. Zur Bestmarke von Michael Schumacher (2004) und Sebastian Vettel (2013) fehlen ihm bei sieben verbleibenden Rennen nur noch drei Erfolge.

Beim GP der Niederlande hat der Weltmeister aber auch eine Portion Glück. Nach 48 von 72 Runden lag Verstappen zwar einige Sekunde vor dem Mercedes-Duo Lewis Hamilton und George Russell, hätte aufgrund seiner Zwei-Stopp-Strategie allerdings nochmals zum Reifenwechseln halten müssen. Weil aber Alpha-Tauri-Pilot Yuki Tsunoda plötzlich am Streckenrand stehen blieb und damit ein Virtuelles Safety-Car auslöste, kam Verstappen zum «Gratis»-Boxenstopp.

Tsunoda blieb zweimal stehen

Das Brisante daran: Alpha Tauri ist das Tochterteam von Red Bull. Bereits zuvor war Tsunoda einmal unfreiwillig auf der Strecke liegen geblieben, er rettete sein Auto mit niedriger Geschwindigkeit noch irgendwie in die Box. Dort entschied sich sein Team, den Japaner mit neuen Reifen nochmals rauszuschicken, nach wenigen Kurven war das Rennen für ihn aber endgültig zu Ende.

«Ich spürte nach dem Stopp für die harten Reifen, dass es ein Problem mit dem Auto gab. Das Team konnte aber nichts erkennen und rief mich zum erneuten Reifenwechsel rein», erklärte Tsunoda die Situation. «Als ich wieder auf die Strecke ging, spürte ich, dass noch immer etwas nicht stimmte.» Darum habe man das Auto sofort abstellen müssen.

Erinnerungen an «Crashgate»

Eine Erklärung, mit der sich nicht alle anfreunden wollten. «Wenn wir um die Meisterschaft kämpfen würden, wäre das etwas, was ich mir genau ansehen würde», sagte Mercedes-Boss Toto Wolff nach dem Rennen bei Sky. «Das hat wahrscheinlich den Ausgang des Rennens verändert, das wir vielleicht hätten gewinnen können.»

Auch unter den Formel-1-Fans auf Social Media war schnell von einem «komischen Zufall» die Rede. Einige fühlten sich sogar an das «Crashgate» 2008 erinnert, als Renault-Fahrer Nelson Piquet Jr. in Singapur mit einem absichtlichen Selbstunfall Teamkollege Fernando Alonso den Sieg ermöglicht hatte.

«Inakzeptabel und respektlos»

Die Anschuldigungen im Fall Tsunoda scheinen inzwischen ein derart grosses Ausmass angenommen zu haben, dass Alpha Tauri selbst am Montagabend eine Mitteilung veröffentlichte. «Es ist unglaublich entmutigend, einige der Ausdrücke und Kommentare zu lesen, die gegen unser Team und Red Bulls Strategiechefin Hannah Schmitz gerichtet sind», schreibt der italienische Rennstall.

«Solch ein hasserfülltes Verhalten kann nicht toleriert werden. Die Anschuldigungen eines Foulspiels sind inakzeptabel, unwahr und völlig respektlos gegenüber Hannah und uns. Wir haben immer unabhängig, fair und mit dem höchsten Mass an Respekt und Sportsgeist gekämpft», heisst es weiter. «Yuki hatte einen Fehler, den das Team nicht sofort erkannt hat und der dazu führte, dass er auf der Strecke liegen blieb. Etwas anderes zu behaupten, ist beleidigend und kategorisch falsch.»

Strafe für Tsunoda

Ein Nachspiel hat das Ganze aber trotzdem. Weil Tsunoda bei seinem ersten unfreiwilligen Halt seinen Gurt gelockert hatte, erhielt er nach dem Rennen von den Stewards eine Verwarnung. Weil es seine insgesamt fünfte in dieser Saison ist, muss er kommendes Wochenende in Monza von zehn Startplätzen weiter hinten ins Rennen gehen.

Weitere Unregelmässigkeiten konnten beim Zwischenfall in Zandvoort nicht festgestellt werden. Datenanalysen und Anhörungen zufolge ist ein defektes Differenzialteil schuld an der Rennaufgabe Tsunodas gewesen. Bei den Boxenstopps habe es jeweils keine Probleme gegeben.

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