«Absolut inakzeptabel» – Stars tragen weiterhin Echtpelz

Model Georgina Rodríguez zeigte sich vergangenen Monat öfters im Pelzmantel.

Model Georgina Rodríguez zeigte sich vergangenen Monat öfters im Pelzmantel.

Instagram/Georginagio
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Trotz Kontroverse«Absolut inakzeptabel» – Stars tragen weiterhin Pelz

Modehäuser verzichten zunehmend auf Pelz. Wieso man das kontroverse Material dennoch häufig auf Social Media sieht und was ein Kürschner dazu sagt.

von
Johanna Senn

Italien schliesst Pelzfarmen, grosse Modehäuser wie Valentino, Gucci, Prada und Co. streichen Pelz aus dem Sortiment und sogar die ikonischen Fellkrägen von Canada Goose werden neuerdings nicht mehr aus Kojotenfell hergestellt. Währenddessen wollen Stars wie Shirin David, Haftbefehl oder Georgina Rodríguez nicht darauf verzichten.

Trägst du Pelz?

Rapperin Shirin David zeigte sich die vergangenen Wochen öfters im Pelz und verärgert damit ihre Fans. «Absolut inakzeptabel, für Pelzproduktion zu werben», schreibt ein User. «Polarisieren auf Kosten von Tierwohl?», fragt eine Kommentarschreiberin. Und jemand schreibt: «Stell dir vor, du lässt dich dafür feiern, wie gut gekleidet du in toten Tieren aussiehst.» Die Community scheint sich einig zu sein: Pelz geht gar nicht.

Statt einer Antwort gibt es von Shirin David einige Tage später nur ein weiteres Posting im Echtfellmantel. 

Das spanische Model Georgina Rodríguez wählt für die Reise im Privatflugzeug nach Saudiarabien Pelz und eine Krokodilledertasche. Zwar sind unter den Postings der Influencerin auch Herz-Emojis und positive Kommentare zu lesen, doch auch die 28-jährige Freundin von Christiano Ronaldo wird für ihre Kleider- und Accessoire-Wahl scharf kritisiert. 

Trotz kontroversem Outfit und zahlreichen Negativkommentaren wird so viel Interaktion unter einem Posting natürlich vom Algorithmus belohnt. Das schafft Reichweite und Views, allerdings auf Kosten von Fan-Sympathien. 

Fell ist in – aber wie?

Outfits mit echtem und falschem Pelzmantel erleben in der Mode einen Moment. Auch die «Vogue» erklärt den (notabene falschen) Pelz zum Must-have für diese Saison. Hailey Bieber trägt Fake Fur …

… und auch Haileys Ehemann Justin Bieber. 

Auch Beauty-Mogul Kylie Jenner macht den Trend mit:

Kylie Jenner im transparenten Einteiler mit Heels und Pelzmantel.

Kylie Jenner im transparenten Einteiler mit Heels und Pelzmantel.

Instagram/kyliejenner

Kontroverse um das Echtfell

Grausame Bilder aus Pelztierfarmen und jahrelange Kampagnen von Tierschutzorganisationen haben viele Menschen auf das bisweilen brutale Geschäft mit Tierpelz sensibilisiert. Stars, die im Pelz ihren Status demonstrieren wollen, kassieren meist im Handumdrehen einen Shitstorm. Dennoch klammern sich einige Modehäuser sowie Celebs an Echtfell.

Beim Luxuslabel Fendi ist man Fan von Tierfell. «Pelz ist langlebig – man braucht ihn nicht einmal zu waschen. Und er ist vollständig biologisch abbaubar», sagt Silvia Venturrini Fendi zur «Vogue». 

Wird er 30 Jahre lang getragen, soll echter Pelz aus Nerz nachhaltiger sein als falscher – so das Resultat einer Studie der Pelzlobby. Eine andere Studie, im Auftrag von Tierschutzorganisationen, kommt hingegen zum Schluss, dass die Herstellung von Pelz die Umwelt mehr belasten soll als Faux Fur. Auch Krankheiten sind bei Echtpelz ein Thema: In Dänemark führte eine Coronavirus-Mutation dazu, das die ganze Region abgeriegelt und 15 Millionen Nerze getötet wurden.

Zwar greifen einige Anbieter von Faux Fur auf Synthetik zurück, es gibt in der Branche aber auch zahlreiche Bestreben, das falsche Fell so umweltfreundlich wie möglich zu machen. Das New Yorker Label Maison Atia verwendet für Jacken und Mäntel Koba, ein Textil, das aus Pflanzen und recycelten Wasserflaschen besteht. 

Und sogar Fendi tüftelt an einer Pelzalternative mit Fell aus dem Labor aus Keratin. Dieses ist das Hauptprotein, aus dem Haar besteht. 

«90 Prozent der Fuchsfelle werden vernichtet»

Die Diskussionen um den Pelz ist sich Thomas Aus der Au gewohnt. Der Schweizer Kürschner führt diese Debatte seit seiner Schulzeit. Schon Aus der Aus Grossvater und Vater waren Kürschner. «Es ist wie mit dem Fleischessen oder Ledertragen. Am Ende des Tages ist es eine persönliche Entscheidung und jeder soll selbst entscheiden, was er verantworten kann.»

In der Schweiz herrscht seit dem Jahr 2014 eine Deklarationspflicht zu Pelz. Pelzfachgeschäfte wie das von Thomas Aus der Au verpflichteten sich bereits seit 1996 freiwillig zur Deklaration. Der Bericht zu den Pelzdeklarationskontrollen vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen zeigt, dass es beim Grossteil der Verkaufsstellen an der Deklarationspflicht harzt. Bei zwei Dritteln davon fehlen Informationen zur Herkunft des Pelzes oder sie sind schlichtweg falsch.

Aus der Au betreibt sein Handwerk nur noch im kleinen Rahmen in seinem Atelier in Zürich. Er verarbeitet aktuell vorwiegend Rotfuchsfelle aus der Schweiz, die im Rahmen der Bestandesregulierung geschossen wurden. Im Jahr 2020 wurden in der Schweiz 22’130 Rotfüchse erlegt. «Rund 90 Prozent der Felle werden vernichtet», erklärt der Kürschner. Für ihn sind aber nur Felle verantwortbar, die ohne Tierquälerei gewonnen wurden und bei denen nachvollziehbar ist, woher sie stammen. «Bilder aus tierquälerischen Pelzfarmen gehen auch mir an Herz und Nieren», so der Kürschner.

Tierschützer und Tierschützerinnen kritisieren, dass Wildtierbestände anders reguliert werden müssten als durch Abschuss und dass auch diese Art von Pelz dazu beitrage, dass Pelz als modisch gelte. So werde auf lange Sicht auch mehr importierter Pelz gekauft und das Tier auf ein Accessoire reduziert, schreibt Animal Rights Switzerland.   

Was hältst du von Echtpelz? Findest du Pelz aus der Bestandesregulierung der Jagd okay? Und wie siehts mit Fake Fur aus?

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