Absolut trendy: Bauen ohne Verfallsdatum
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Absolut trendy: Bauen ohne Verfallsdatum

Was heute gebaut wird, soll auch in 50 Jahren noch trendy sein. Dieses Motto beeinflusst die zeitgenössischen Architekten mehr als alles andere.

Wie sie dies erreichen wollen und was sonst noch im Trend ist, verrieten Kreative aus den drei angesagtesten Architektur-Büros Zürichs 20 Minuten.

Der Jahrgang 1900 kommt bei Wohnungssuchenden besonders gut an: Man verspricht sich vom Jugendstil nicht nur verspielte Verzierungen an Fensterrahmen und Stuckdecken, sondern auch hohe Räume und eine hohe Flexibilität in deren Nutzbarkeit. Auf eine ähnliche Popularität ihres Baustils hofft auch die zeitgenössische Zunft der Häuser-Createure.

«Wir können heute nicht wissen, wie der jeweilige Mieter die Wohnung in 50 Jahren einrichten will. Darum soll eine moderne Wohnung möglichst viel Freiheit für eine künftige Umgestaltung bieten», sagt der Architekt Stefan Camenzind vom Büro Camenzind Gräfensteiner, das im Auftrag der Rentenanstalt die bekannten Seewürfel im Zürcher Seefeld baut. Er erreicht diese Flexibilität durch möglichst wenig tragende und somit fixe Mauern. Was heute eine Familien-Wohnung ist, kann morgen ohne hohe Kosten in ein Atelier oder ein Büro umgebaut werden.

«Der Wohnraum wird zudem multifunktionaler», sagt der Architekt Thomas Wild, der zusammen mit seiner Frau Sabine Bär die Ausschreibung für die Überbauung Langmatt in Witikon gewonnen hat. «Immer mehr Angestellte sind bei ihrer Arbeit nicht mehr an einen Arbeitsplatz gebunden und wollen ihre Wohnung auch als Büro nutzen», sagt er. Badezimmer und Küche werden wieder grösser und stärker in den Wohnraum einbezogen.

Im Trend ist eine Architektur, die sowohl einen starken Bezug zum jeweiligen Ort aufnimmt, als auch erfinderisch im Bereich Ausdruck, Form und Materialeinsatz ist, sagt Architekt Marco Giuliani vom Büro Bob Gysin + Partner, welches den Studienauftrag für die Überbauung des Steiner-Hunziker-Areals in Zürich Leutschenbach gewonnen hat. Giuliani: «Ein Gebäude ist in 50 Jahren dann noch trendy, wenn es heute etwas Besonderes ist und trotzdem in Zukunft die sich verändernden Bedürfnisse aufnehmen kann.»

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