Absturz in Athen: Ermittler vor Rätsel
Aktualisiert

Absturz in Athen: Ermittler vor Rätsel

Was genau zur Ohnmacht im Cockpit der Helios-Maschine geführt hat, ist weiterhin unklar. Inzwischen haben in Nikosia und Athen Trauerfeiern für die 121 Toten begonnen.

Zahlreiche Menschen an Bord des Flugzeugs, das nahe der griechischen Hauptstadt abstürzte, waren trotz längeren Geisterflugs bis zum Zeitpunkt des Aufpralls am Leben.

Das sagte der verantwortliche Gerichtsmediziner Philippos Koutsaftis am Dienstag nach der Untersuchung von 25 der 121 Opfer. «Beim Absturz schlug ihr Herz noch und sie atmeten.» Das heisse aber nicht, dass sie auch bei Bewusstsein waren. Aufschluss darüber sollen Gewebetests bringen.

Bislang waren die Gerichtsmediziner davon ausgegangen, dass die Piloten und die meisten Passagiere bereits vor dem Absturz erstickten.

Die Maschine war am Sonntag mit Autopilot so lange über Athen gekreist, bis der Treibstoff ausging. Warum die Piloten das Bewusstsein verloren, ist weiter unklar.

Stimmenrekorder fehlt

Die Identifizierung der Opfer kommt nur schleppend voran. Zudem fehlt der Stimmenrekorder, das wichtigste Gerät für die Ermittler. Entgegen ersten Meldungen wurde nur das leere Gehäuse gefunden. «Ich bezweifle, dass wir das Gerät noch entdecken», sagte Akrivos Tsolakis von der griechischen Zivilluftfahrt-Kontrollbehörde.

Nur der Stimmenrekorder könnte Aufschluss über den Wortwechsel der Piloten mit der Flugsicherung vor dem Unglück geben. Vor allem könnte mit Hilfe der Aufzeichnungen wahrscheinlich geklärt werden, was im Cockpit genau geschehen ist. Der Flugschreiber mit den Daten der Geräte in der Maschine ist dagegen intakt.

Die Behörden vermuten einen Defekt der Klimaanlage als Unglücksursache. Einen Anschlag schloss die griechische Regierung aus.

Razzia bei Helios

Nach Angaben eines früheren Helios-Chefingenieurs gab es bereits im Dezember 2004 ein massives Problem mit dem Luftdruck- Ausgleichsystem in der Unglücksmaschine. Die zyprische Justiz ermittelt. Bei einer Razzia stellte die Polizei in den Büros der Fluggesellschaft Beweismaterial zum Zustand der Maschinen sicher.

Die französische Behörde für Luftfahrtsicherheit (DGAC) stellte in Paris fest, Helios sei in den den vergangenen Jahren bei Mängel- Überprüfungen in Europa nicht aufgefallen.

121 Bäume

In Athen und Nikosia auf Zypern spielten sich am Dienstag bei Trauerfeiern dramatische Szenen ab. Die Flaggen wehten auf Halbmast. Auf dem verbrannten Hügel der kleinen Gemeinde Grammatikó, wo das Flugzeug zerschellte, wollen Dorfbewohner und Angehörige 121 Bäume pflanzen.

(sda)

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