Absurd: Dielsdorf schickt Deutsche in Deutschkurs
Aktualisiert

Absurd: Dielsdorf schickt Deutsche in Deutschkurs

Dielsdorf
schickt Deutsche in den
Deutschkurs – selbst
wenn sie in der Schweiz
geboren sind. Über die
Schweizermacher lacht
man sogar im Ausland.

«Grüessech» – Ulrich Kring spricht Schweizerdeutsch mit Berner Akzent, weil er in Thun geboren und aufgewachsen ist. Seit Jahren lebt der 70-jährige Sohn eines deutschen Sprachwissenschaftlers in Dielsdorf. Eine Einbürgerung sei da nur noch Formsache, dachte er. Nicht so in Dielsdorf.

Der Gemeinderat teilte ihm mit, er müsse «als nächster Schritt eine Standortbestimmung in Deutsch absolvieren». Kosten inklusive Prüfung: 250 Franken. Der deutschen Sprache mächtig schmunzelte Kring über den Grammatikfehler im Schreiben – und bat, man möge ihm das Prozedere erlassen. Nichts da, antraben, wieherte ihm der Amtsschimmel entgegen. «Den Blödsinn mache ich nicht mit», entschied Kring und reichte beim Bezirksrat Rekurs ein. Wie der Tagi berichtete, schickt Dielsdorf sogar einen in der Gemeinde aufgewachsenen Deutschen in den Sprachkurs.

Über «die Bürokratie in Reinform» witzeln selbst renommierte deutsche Medien wie Spiegel.de und die «Süddeutsche Zeitung». Auch Kring hat seinen Humor nicht verloren: «Als Deutscher würde ich jetzt sagen, die Kacke ist ganz schön am Dampfen.» Gemeinderatspräsident Peter Tobler war gestern für eine Stellungsnahme nicht erreichbar – und seinen Mitarbeitern verpasste er einen Maulkorb.

Alexandra Roder

Unverständnis

Das Einbürgerungsverfahren der Gemeinde Dielsdorf stösst auch bei der Justizdirektion des Kantons Zürich auf Unverständnis: «Diese Praxis steht im Widerspruch zur kantonalen Bürgerrechtsverordnung und müsste überdacht werden», sagt Christian Zünd, Generalsekretär der Direktion. Paragraf 22 besagt: «In der Schweiz geborene Ausländer sind (...) gleich zu behandeln wie Schweizer Bürger.» Es wäre absurd, Deutsche in einen Deutschkurs zu schicken.

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