Safe Abortion Day«Abtreibungsgegner nutzen die Not von Frauen gnadenlos aus»
Die Juso kritisiert Beratungsstellen für Schwangere, die von christlichen Abtreibungsgegnern betrieben werden und fordert schärfere Gesetze. Die betroffene Stelle wehrt sich.
- Die Juso fordert eine Verschärfung des Gesetzes für Schwangerschaftsberatungsstellen. Anlaufstellen mit christlich-fundamentalistischem Hintergrund sind der Jungpartei ein Dorn im Auge.
- So sollen gemäss Juso alle Beratungsstellen gewisse Fachlichkeits- und Neutralitätskriterien erfüllen.
- Auch die Stiftung «Sexuelle Gesundheit Schweiz» unterstützt das Vorhaben der Juso.
- Die betroffene Fachstelle wehrt sich: «Wir nützen keine Notlage aus, sondern bieten kostenlose Hilfe an»
Am 29. September ist der internationale Tag für sichere Abtreibungen. Damit soll Aufmerksamkeit auf die Gewährleistung des sicheren Zugangs zu Schwangerschaftsabbrüchen gelenkt werden.
JUSO-Präsident Nicola Siegrist betont die Relevanz dieser Thematik: «Parallel zur Entscheidung des amerikanischen Supreme Court wurden auch in der Schweiz zwei neue Initiativen lanciert, um den sicheren Zugang zu Abtreibungen zu erschweren», so Siegrist.
«Beratungsstelle handelt ohne Qualitätsvorschriften»
Vor allem eine Beratungsstelle stört die Juso: Die Schweizerische Hilfe für Mutter und Kind (SHMK). Im Netz tritt die Stiftung als Beratungsstelle für Schwangere in Not auf – verfolgt gemäss JUSO aber klar das Ziel, Abtreibungen um jeden Preis zu verhindern.
«Die SHMK kann heute ohne jegliche Qualitätsvorschriften handeln und nutzt das Leid und die Not der schwangeren Frauen gnadenlos aus», sagt Juso-Präsident Nicola Siegrist. «Der Onlineauftritt solcher Pseudo-Beratungen der Abtreibungsgegner und -gegnerinnen gaukelt eine unabhängige Beratung vor.»
Juso fordert verschärftes Gesetz
Die jetzige Gesetzesgrundlage reicht der Juso nicht: «Wir fordern, dass alle Beratungsstellen gewisse Fachlichkeits- und Neutralitätskriterien erfüllen müssen, um eine ergebnisoffene Beratung gewährleisten zu können», sagt Siegrist. Sprich: Fachstellen dürften nicht von vornherein das Ziel verfolgen, eine Abtreibung zu verhindern.
Die Kriterien sollen sich dabei an den Kriterien der Stiftung «Sexuelle Gesundheit Schweiz» orientieren. In einem ersten Schritt werde die JUSO eine Anfrage an den Bundesrat stellen – je nach Antwort käme es zum Vorstoss.
Dachorganisation unterstützt Juso-Vorhaben
Barbara Berger, Geschäftsleiterin der Dachorganisation der Fachstellen für sexuelle Gesundheit Schweiz, äussert sich positiv gegenüber dem Vorhaben: «Die Forderungen sind sehr berechtigt. Ohne Fachwissen sind solche Beratungsstellen kaum erkennbar.» Daher sei es wichtig, dass ergebnisoffene Beratungsstellen hervorgehoben werden und klar auffindbar sind. Die Dachorganisation stellt ein solches Verzeichnis zur Verfügung. Die SHMK findet sich nicht auf dieser Liste.
«Die SHMK erfüllt unsere Kriterien ganz klar nicht. Die ‹Pro-Life›-Einstellung solcher Organisationen ist ihr gutes Recht. Sich aber als ergebnisoffene Beratungsstelle auszugeben, geht nicht», so Berger. Die SHMK versuche um jeden Preis, eine andere Lösung als den Schwangerschaftsabbruch zu finden.
SHMK wehrt sich gegen Vorwürfe
Stiftungsratspräsident Dominik Müggler weist die Vorwürfe entschieden zurück: «Wir sind ein Hilfswerk für Mutter und Kind – somit dürfen wir nicht für Abtreibungen werben. Damit würden wir unserem Auftrag untreu und unglaubwürdig.» Von den Forderungen der Juso hält er nichts, sie seien realitätsfern. «Die Juso tut so, als würden Frauen glücklich, wenn sie ihre Kinder abtreiben können – das ist eine menschenfeindliche Ideologie», sagt Müggler.
Die SHMK sei eine private Stiftung und leiste konkrete, nicht rückzahlbare Hilfe, so der Stiftungsratspräsident. Weil die Stiftung keine staatlichen Subventionen bekomme, sei sie dadurch auch frei und unabhängig. «Wir nützen keine Notlage aus, sondern bieten kostenlose Hilfe an», sagt Müggler. So gäbe es dutzende Frauen, die bei der SHMK zehntausende Franken erhalten hätten – gratis und nicht rückzahlbar. «Nur bei Abtreibungen können und wollen wir keine Hilfe leisten», hält Müggler fest.
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Christina Pirskanen (pir) arbeitet seit 2022 für 20 Minuten. Sie ist seit Januar 2024 Redaktorin in den Ressorts Politik sowie News und Gesellschaft.
