Kampf um Kunden: Abwrackprämie auf TV-Geräten

Aktualisiert

Kampf um KundenAbwrackprämie auf TV-Geräten

Im Sektor Unterhaltungselektronik tobt eine unerbittlicher Preisschlacht, die sich mit dem Markteintritt des deutschen Giganten Saturn weiter zuspitzt. Nun buhlt der Schweizer Marktleader Interdiscount mit einer Abwrackprämie auf Fernsehern um Kundschaft.

von
Sandro Spaeth

In halb Europa hat die vom Staat bezahlte Verschrottungsprämie den gebeutelten Automärkten Rückenwind beschert. Vom Hype um die Abwrackprämie versuchten auch andere Branchen zu profitieren: Eine Verschrottungsprämie gab's nicht nur auf der alten Karre, sondern auch auf abgelatschten Schuhen oder Bekleidung. Und sogar ein deutscher Erotikmarkt liess sich zu einer Verschrottungsprämie auf Sexspielzeug hinreissen: Die Abwrackprämie wurde zum ökonomischen Allzweckheilmittel.

150 Franken für den alten TV

Der neuste Fall einer Abwrackprämie bezieht sich hierzulande auf Fernsehgeräte. Interdiscount, mit 197 Filialen und rund einer Milliarde Franken Umsatz Marktführer in der Schweiz, bietet bis am 21. Oktober eine Abwrackprämie von 150 Franken beim Kauf von ausgewählten TV-Geräten. Als Antwort auf den Markteintritt von Saturn will Interdiscount seine Verschrottungsprämie nicht verstanden wissen: «Die Abwrackprämie ist eine Marketing-Massnahme, die bei Interdiscount schon länger im Gespräch war und nun schweizweit umgesetzt wurde», sagt Sprecherin Andrea Bergmann. Wie gross die Stückzahl der durch die Prämie vergünstigten Geräte ist, will Bergmann nicht verraten. «Die Aktion gilt, solange der Vorrat reicht.»

Auffällige Preisnachlässe

In seinem neusten Prospekt präsentiert Interdiscount neben der Abwrackprämie fast ausschliesslich Produkte mit grossen Preissenkungen: Auffällig ist die Reduktion bei den Haushaltgeräten Toaster und Wasserkocher, welche beim Konkurrenten Saturn für lediglich 5 Franken zu haben sind. Interdiscount hat hier seine Preise immerhin um 50 Prozent gesenkt, liegt aber mit 14.95 für den Toaster und 19.95 für den Wasserkocher noch deutlich über denjenigen von Saturn. Sprecherin Bergmann will auch hier nicht aufgrund der Konkurrenzsituation zu Saturn gehandelt haben: «Wir bieten unseren Kunden immer scharf kalkulierte Sonderangebote, welche schweizweit gelten und sich nicht auf eine bestimmte Region beschränken.»

«Früher wurden solche Aktionen als Ausverkauf bezeichnet»

Für René Mosbacher, Chefredaktor der Fachzeitschrift «Home Electronic», ist die Strategie hinter dem Abwrackprämien-Angebot von Interdiscount unklar: «In die Abwrackprämien-Aktion fallen sowohl Auslauf- wie auch aktuelle Modelle. Es geht also nicht lediglich darum, irgendwelche Restbestände vor dem bald beginnenden Weihnachtsverkauf loszuwerden.» Als Lockvogelangebot seien die Geräte aber zu wenig günstig. Laut Mosbacher bedient sich Interdiscount eines Marketingbegriffs und will auf der Abwrackprämienwelle mit reiten. «Früher hat man solche Aktionen einfach als Ausverkauf bezeichnet», so der Experte. Ob der Begriff tatsächlich in die Unterhaltungselektronik passt, bezweifelt er, zumal 150 Franken Prämie auf einem TV von rund 2000 Franken nicht eben viel seien.

Immer breitere Geräte

Der harte Konkurrenzkampf im TV-Gerätemarkt beschert den Kunden fürs gleiche Geld immer mehr Fernseher. Mosbacher: «Der Preiszerfall führt dazu, dass immer grössere Geräte in die vom Kunden gewünschte Preisspanne fallen.» Ein günstiger Fernseher kostet demnach immer rund 1000 Franken, ist in der Bilddiagonale aber bedeutend grösser geworden: Laut Mosbacher waren vor drei Jahren Fernseher mit einer Breite von 32-Zoll (94 Zentimeter) die meistgekauften Geräte. «Heute hingegen ist bereits der TV mit einer Breite von 100 bis 107 Zentimeter der Volks-Fernseher.»

Grundsätzlich fixe Preise

Trotz harten Preiskampfs ist der angeschriebene Preis im Laden nicht immer das letzte Angebot des Händlers. Offiziell ist Feilschen ausgeschlossen: «Grundsätzlich haben wir fixe Preise», sagt Barbara Siegentaler von M-Electronic. Die Mitarbeiter seien so geschult, einem feilschenden Kunden ein günstigeres Gerät als Alternative vorzuschlagen. Auch Interdiscount betont seine schweizweit einheitliche Preispolitik. Bergmann: «Unsere Kunden profitieren das ganze Jahr von Spezialangeboten. Feilschen ist daher gar nicht notwendig.

Noch ist feilschen also eher atypisch für die Schweiz. Dennoch kann es sich lohnen, bei den Discountern um Preisnachlässe zu fragen: Reibt man dem Verkäufer beispielsweise ein günstigeres Angebot der Konkurrenz unter die Nase, werden oft zusätzliche Rabatte gewährt.

(scc/sas)

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