Deutschland: Abwrackprämie gerät in die Kritik
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DeutschlandAbwrackprämie gerät in die Kritik

Die Abwrackprämie ist kurz nach ihrer Einführung bereits erheblicher Kritik ausgesetzt. Deutsche Autos würden sich so den Ruf von Wegwerfware einhandeln.

Damit würden bislang als langlebig geltende Qualitätsautos aus Deutschland zu Wegwerfware erklärt, sagte der Chef des Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn, der «Automobilwoche» laut Vorabmeldung vom Samstag. Dies sei verheerend für den Ruf der deutschen Autobauer. Die CSU will prüfen, ob die deutsche Industrie tatsächlich von der 2.500-Euro-Prämie für einen mindestens neun Jahre alten Wagen profitiert.

Die Grünen forderten zudem, dass die Prämie an den Kauf eines besonders schadstoffarmen Autos gekoppelt sein müsse. Man könne hier 120 Gramm Kohlendioxid je Kilometer als Grundlage festlegen, sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Jürgen Trittin, der «Thüringer Allgemeine».

Trittin warf der Bundesregierung eine Verhöhnung des Parlaments vor. Zwar habe sie auf ihrer Internetseite die Abwrackprämie bereits inseriert. «Es gibt bis heute aber weder einen Nachtragshaushalt noch ein anderes einschlägiges Gesetz, mit dem der Bundestag sich beschäftigt hat. Die Regierung verspricht Geld, das der Bundestag ihr noch gar nicht bewilligt hat.»

CSU will nachsteuern

CSU-Generalsekretär Karl-Theodor zu Guttenberg sagte dem «Spiegel» laut Vorabmeldung, wenn sich herausstellen sollte, dass von der Prämie «ausländische Hersteller zusätzlich profitieren, müssen wir nachsteuern». Er verlangte, dass nach dem Anlaufen der Prämie überprüft wird, ob der Absatz von deutschen Fahrzeugen tatsächlich steigt. «Unser Konjunkturpaket soll Arbeitsplätze in Deutschland sichern und nicht Arbeitsplätze in Fernost.»

Der für seine markigen Statements bekannte Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin sagte der am Montag erscheinenden «Wirtschaftswoche», inzwischen würden die Bürger merken, dass sie weniger Autos und weniger Auto brauchen. «Das ist blöd für die Autounternehmen und die Beschäftigten dort. Aber es ist gut für Verkehr und Umwelt.»

«Den reinen Transportbedarf decken Autos, die 10.000 bis 15.000 Euro kosten, vollständig ab. Alles darüber ist irrational. Und in schlechten Zeiten werden die Menschen rationaler», meinte Sarrazin. Die Abwrackprämie sei entsprechend der falsche Weg aus der Krise.

Autobranche freut sich über die Prämie

In der Autobranche trifft die Abwrackprämie auf Zustimmung, berichtet die «Automobilwoche» unter Berufung auf eine eigene Umfrage. «Bei unseren Händlern ist jede Menge los. Die Interessenten kommen in Scharen», wird Ford-Deutschland-Chef Bernhard Mattes zitiert. Audi-Vorstandschef Rupert Stadler betonte, dass der positive psychologische Effekt für die gesamte Industrie nicht zu unterschätzen sei.

Opel-Chef Hans Demant hob die Bedeutung der Abwrackprämie für den Handel hervor: «Denn die Händler brauchen damit keinen Gebrauchtwagen in Zahlung zu nehmen». Der hohe Gebrauchtwagenbestand sei ein Grund für viele Händler-Insolvenzen. (dapd)

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