Aktualisiert 01.06.2010 20:29

Peter Ulrich«Abzocker-Initiative packt Übel nicht an der Wurzel»

Peter Ulrich, ehemaliger Leiter des Instituts für Wirtschaftsethik an der Universität St. Gallen, über die Fehlentwicklung der Managerlöhne, die in den 90er-Jahren begann.

von
Alex Hämmerli
Experte Peter Ulrich: Kaderlöhne sind ein Ausdruck von Macht.

Experte Peter Ulrich: Kaderlöhne sind ein Ausdruck von Macht.

Herr Ulrich, was halten Sie von den heutigen Managerlöhnen?

Peter Ulrich: In der Schweiz hat sich jahrzehntelang ein Verhältnis von höchstens 20 oder in sehr grossen Unternehmen allenfalls 30 zu 1 zwischen den höchsten und den niedrigsten Löhnen bewährt. Erst in den 90er-Jahren begann die Fehlentwicklung mit den Millionenbezügen und Lohnspannen bis 400 zu 1 und mehr. Das ist absurd.

Sind die Lohnunterschiede generell zu gross?

Nicht alle Kaderlöhne, aber die in den obersten Etagen der Grossunternehmen sind in ­aller Regel heute unverhält-

nismässig. Sie haben nichts mehr mit analytisch beleg­barer Leistung zu tun. Sie sind auch nicht einfach Er­gebnis des Marktes, sondern vielmehr Ausdruck von Macht zur Selbstbedienung und einer Mentalität der rücksichtslosen Vorteilsmaximierung.

Unterstützen Sie die Abzockerinitiative?

Ja, obschon sie das Übel nicht wirklich an der Wurzel packt. Der Abzocker-Initiative kommt das Verdienst zu, realpolitisch Bewegung in die leidige Geschichte der exorbitanten ­Managementvergütungen gebracht zu haben. Inzwischen sollte der letzte Beobachter begriffen haben, das Selbstregulierung in Geldsachen nicht funktioniert. In der Diskussion wird aber häufig übersehen, dass die Initiative selbst noch auf der Shareholder-Value-Doktrin beruht. Sie will die Entlöhnung stärker in die Hände der Aktionäre stellen. Damit wird aber nicht alles gut. Es braucht künftig umfassendere Standards.

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