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Auftragskiller engagiert?AC/DC rocken trotz Phil Rudds Verhaftung weiter

Weder Tod noch Krankheit konnten AC/DC bremsen – und auch die Verhaftung ihres Drummers hält die Band nicht auf. Das sagt Sänger Brian Johnson über Phil Rudd.

von
G. Brönnimann

Brian Johnson, links, über Phil Rudd, zweiter von links: Ein kurzer Ausschnitt aus einem Interview für den «Blick» im September 2008. Der AC/DC-Sänger schwärmt: «Ich liebe Phil. Aber er ist total hinüber.»

Die Geschichte von AC/DC, den Rock'n'Rollern aus Down Under mit den schottischen Wurzeln, ist eine einzige grosse Erfolgsstory. Keine Selbstverständlichkeit angesichts der Biografien der Bandmitglieder: Sie alle (ausser Drummer Phil Rudd, der gebürtiger Australier ist) entstammen armen schottischen oder englischen Einwandererfamilien, brachen mit 15 die Schule ab und arbeiteten danach als Fabrikarbeiter.

Als Band waren sie dann durch nichts zu stoppen. Nicht mal durch den Tod des legendären Sängers Bon Scott im Jahr 1980 mit 33. Der Engländer Brian Johnson übernahm am Mikrofon – und AC/DC lebte weiter. Als Drummer Phil Rudd wegen persönlicher Probleme (psychische Zusammenbrüche, Drogengeschichten und heftige Fights mit den Young-Brüdern an den Gitarren) 1983 aus der Band geschmissen wurde und sich danach in Neuseeland seinen Helikoptern, Autos und der Familie widmete, übernahm kurzerhand der Engländer Simon Wright die Schlagzeugstöcke.

«Dieser Mann ist eine Maschine»

AC/DC waren froh, als Phil Rudd in den 1990er-Jahren erst zögerlich, dann definitiv zur Band zurückkehrte. Nicht, weil Ersatzmänner Wright und Chris Slade keine guten Drummer waren (im Gegenteil), aber weil Rudd besser zum Sound von AC/DC passte: Er spielt ein knochentrockenes, vermeintlich simples Minimum an Beats. «Bumm, tschäck, bumm, tschäck» – schnörkelloser Viervierteltakt. Und doch unnachahmlich: Kaum einer groovt so gut wie Rudd und baut gleichzeitig das Fundament für den Rock'n'Roll mit solcher Präzision.

In einem Interview für «Blick» erzählte AC/DC-Sänger Brian Johnson im September 2008 von den Aufnahmen des Albums «Black Ice», das sich 46 Wochen lang in den Schweizer Charts hielt. Johnson lobte Phil Rudd in den höchsten Tönen. Nicht nur als Musiker, sondern auch als Bandkumpel, der im Studio mit seiner schrägen Art für Lacher sorge (nachzuhören als Ausschnitt im Video). Der Produzent habe nicht glauben können, dass Rudd ohne «Klick», also ohne Metronom spielt – er kann einen ganzen Song lang das Tempo perfekt halten, ohne einen Takt zu schnell oder zu langsam zu werden. «Eine Maschine!», röhrte Johnson. Mit breitestem Grinsen erzählte der damals 61-jährige Sänger von einem obszönen Bild, mit dem Rudd sein Schlagzeug verzierte – «als Inspiration». «Ich liebe ihn – aber er ist komplett verrückt», sagte Brian Johnson über die «Maschine», den «Motor» seiner Band.

«Rock – or Bust»?

Dieser Motor drohte nach der Verhaftung wegen mutmasslichen Erteilens von Auftragsmorden und einmal mehr wegen Drogenbesitz auszufallen. Es war dem Schicksalsschlag um den Gitarren-Motor Malcolm Young der zweite tragische Ausfall in einem Jahr bei der grössten Hardrockband der Welt. Die Band will 2015 mit dem neuem Album auf Tour – ohne den Rhythmus-Gitarren-König Malcolm, der an einer Demenzerkrankung leidet. Auf den Bandfotos ist der Ersatzgitarrist nicht zu sehen. Malcolms Groove kriegt er auf den Aufnahmen auch nicht ganz hin.

Eigentlich wollten AC/DC mit dem neuen Album «Rock or Bust» (erscheint am 28. November) wieder die Bühnen der Welt rocken. Der Albumtitel «Rock or Bust» (locker übersetzt: rocken oder kaputtgehen) wurde plötzlich zur Frage. Fans waren besorgt – viele wünschten sich eine (womöglich letzte) Tour.

Nun spricht die Band Klartext: «Phils Abwesenheit wird weder Einfluss auf den Albumrelease noch unsere Tour nächstes Jahr haben.»

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