Neues Foto - Ach, Boris – seine «Arbeitstreffen» im Lockdown überzeugen nicht mehr

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Neues FotoAch, Boris – seine «Arbeitstreffen» im Lockdown überzeugen nicht mehr

Boris Johnson fliegt ein neues Foto um die Ohren. Ein gefundenes Fressen für die Opposition. Der Premier zeige «immer wieder, dass er sich nicht an die Regeln hält, die er für den Rest von uns aufstellt».

Darum gehts

Nur zwei Personen durften sich in Grossbritannien im Mai 2020 draussen treffen, Sitzungen sollen nur «wenn unbedingt nötig» stattfinden, das Land ordnete sich in jenem Frühling ganz dem Lockdown unter. Klar, dass die Politik da mit gutem Vorbild vorangeht, würde man meinen. Oder eben auch nicht.

Erneut ist ein neues Foto aufgetaucht, das Berichte über Lockdown-Partys im Amtssitz von Premierminister Boris Johnson weiter anheizt. Es zeigt ihn mit 17 Leuten im Garten der Downing Street. Johnson sitzt an einem Tisch mit Ehefrau Carrie und zwei Mitarbeitern, über den Garten verteilt sieht man weitere Grüppchen, es gibt Wein und Käse.

Das Foto, das der «Guardian» am Montag veröffentlichte, reiht sich ein in eine Reihe von Berichten über Partys, die während des Lockdowns in der Downing Street stattgefunden haben sollen. Auch wenn ein Regierungssprecher sagte, es sei lediglich ein Arbeitstreffen gewesen, fehlt es Boris Johnson mittlerweile an politischer Autorität, strengere Corona-Massnahmen zu verteidigen.

«Er hält sich nicht an die Regeln»

Die Vize-Chefin der Labour-Partei, Angela Rayner, nannte das Bild einen «Schlag ins Gesicht der britischen Öffentlichkeit». Und weiter: «Der Premierminister zeigt uns immer wieder, dass er sich nicht an die Regeln hält, die er für den Rest von uns aufstellt.»

Damit beginnt die Woche für Johnson ähnlich schlecht, wie die letzte geendet hatte: Am Freitag musste Johnsons Büro mitteilen, dass auch Simon Case, der mit der internen Untersuchung möglicher Corona-Verstösse durch Johnsons engste Mitarbeiter beauftragt worden war, zurücktrete, «um das Vertrauen der Öffentlichkeit in die laufende Untersuchung zu bewahren».

Für Boris eine Woche zum Wegwerfen

Und dann warf auch noch der britische Brexit-Minister David Frost das Tuch. «Lord Frost, der für die Verhandlungen mit der Europäischen Union zuständige Minister, galt als Seelenverwandter Boris Johnsons», schreibt die britische «Times» dazu. Es scheine, dass im Moment sogar diejenigen, die dem Premierminister am Nächsten stehen, Mühe hätten, ihm die Treue zu halten.

Für Johnson war die vergangene Woche alles in allem ein geballter Rückschlag: Er erlebte «eine demütigende Hinterbänkler-Rebellion» (Times) wegen der Einführung neuer Corona-Beschränkungen, verlor die Nachwahl in einem als Tory-Hochburg angesehenen Wahlkreis und wurde mit einer Reihe von Enthüllungen über Weihnachtsfeiern und Lockdown-Verstösse in seinem Kabinett konfrontiert. Nicht wenige fragen sich so, ob die Weihnachtszeit das Ende von Premier Johnson eingeläutet habe.

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(DPA/gux)

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