Deutschen-Hass: «Ach, geh doch wieder heim ins Reich!»
Aktualisiert

Deutschen-Hass«Ach, geh doch wieder heim ins Reich!»

Je zahlreicher sie in die Schweiz kommen, desto weniger stossen Deutsche hier auf Gegenliebe. Besonders in Zürich bleibt es vielfach nicht bei verbalen Anfeindungen: Während die einen die Flucht nach vorne antreten, bleibt anderen nur noch die Rückkehr in ihre Heimat.

von
Runa Reinecke

Wer mit einem deutschen Autokennzeichen in der Schweiz weilt, muss auf böse Überraschungen gefasst sein. Auch dem Fahrer des weissen Audi mit Konstanzer Nummer - das Foto wurde 20 Minuten Online zugeschickt - dürfte das Zmorge-Gipfeli schwer im Magen gelegen haben, als er am Morgen an seinem Wagen in der Zürcher Innenstadt die eingeschlagene Heckscheibe vorfand.

«Ständig wurde ich angehupt»

Doch nicht nur stehende Autos geraten in Zürichs Strassen in Bedrängnis, wie Arne B. zu berichten weiss: «Mit deutscher Nummer wurde ich ständig angehupt und genötigt», klagt er gegenüber 20 Minuten Online. Jetzt sei er aber wieder gerne auf den Strassen der Limmatstadt unterwegs - und das kommt nicht von ungefähr: Sein Vehikel ziert jetzt ein Zürcher Kennzeichen.

Während sich im Strassenverkehr noch einiges regeln lässt, ist das im Job nicht ganz so einfach: Diese Erfahrung machte auch Anna K. (Name geändert). Die 34-jährige PR-Fachfrau zog von Süddeutschland zu ihrem Schweizer Freund. Nach eigenen Angaben bemühte sich Anna K. stark um eine Integration und besuchte sofort einen Schwyzerdütsch-Kurs.

Eine «Tütsche» einstellen? Total «bireweich»!

Zunächst lief alles gut: Nach nur drei Monaten Aufenhalt in ihrer neuen Heimat ergatterte sie einen Job in einem mittelständischen Unternehmen. Doch schon am ersten Arbeitstag bekam sie «einen ordentlichen Dämpfer», wie sie es selbst formuliert. «Eine Arbeitskollegin meinte, es sei total 'bireweich', dass die Wahl auf mich fiel - wo sich doch so viele Schweizer für meinen Job beworben hätten», sagt K.

In Zürich bilden die Deutschen die grösste Ausländergruppe - vermutlich mit ein Grund dafür, dass besonders hier immer mehr «Teutonen» feindlichen Äusserungen oder Taten ausgesetzt sind. Das macht selbst vor der bunten Medienwelt nicht Halt, wie das Beispiel von Alena Gerber zeigt. Das deutsche Playmate moderiert bei «usgang.tv» eine Internet-TV-Sendung, auf Hochdeutsch, wohlgemerkt. Ein Umstand, der Vetreter der SVP offenbar derart irritierte, dass Gerber zum Verlassen der Schweiz aufgefordert wurde.

Doch Gerber bleibt - ganz im Gegensatz zu ihrer Moderationskollegin Katrin Wilde: Nach nur drei Monaten bei «Radio Energy» ging die gebürtige Saarbrückerin im Herbst 2007 zurück in ihre Heimat, nachdem ihre Autopneus zerstochen worden waren.

Wie gefährlich lebt es sich als Deutscher in der Schweiz?

Tragische Einzelfälle? Wie «SF» berichtet, tauchen derzeit vermehrt massive Drohbriefe gegen Deutsche auf. Einigen wird sogar mit dem Tode gedroht, sollten sie die Schweiz nicht verlassen.

Zum Glück geht es auch ganz anders: Michael S. sagt, er fühle sich in der Schweiz wohl. Das liege nicht zuletzt an seinen Schweizer Arbeitskollegen, die er sehr schätze. Michael S. arbeitet in einer Zürcher Agentur. Auch hier habe der Deutsche zwar schon Sprüche wie «Ach, geh doch heim ins Reich!» gehört, das sei aber der «etwas eigenwillige Humor unserer Grafiker», wie er betont. Anfeindungen oder Drohungen kennt Michael S. nur aus Erzählungen. Bleibt zu hoffen, dass sich nichts daran ändert.

Beweisfotos: Eingeschlagene Fensterscheiben, zerstochene Autopneus ...?

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