24.10.2017 07:27

Familienbande

«Ach, Mameli» – darum brauchts den Familienchat

Unsere Leser geben uns Einblick in ihre Familien-Chats. Diese stärkten den Zusammenhalt, sagt ein Experte.

von
sil
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Wenn Mama wissen will, wo ihre Kinder stecken, dann muss schnellstmöglich geantwortet werden.

Wenn Mama wissen will, wo ihre Kinder stecken, dann muss schnellstmöglich geantwortet werden.

20 Minuten
Eltern haben auch oft clevere Tipps auf Lager ...

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20 Minuten
... und scheuen sich nicht, sie auch ungefragt preiszugeben.

... und scheuen sich nicht, sie auch ungefragt preiszugeben.

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Mal braucht man dringend einen Gartentipp von der Mama, mal wollen die Eltern den «Tatort» von gestern diskutieren, mal gibt die Mutter die Einkaufsliste für das gemeinsame Abendessen durch. Die Whatsapp-Familienchats beinhalten oft seitenlange Diskussionen. «Wann gibt es Znacht?» ist vermutlich die am häufigsten gestellte Frage.

Eine Studie des Münchner Kantar-TNS-Instituts kommt zum Schluss: Whatsapp löst das persönliche Gespräch ab – und fördert so den Dialog in der Familie, wie die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» berichtet. Während das persönliche Gespräch in Familien noch immer an erster Stelle steht (84 Prozent der Befragten), kommunizieren 59 Prozent über Whatsapp.

«Chat kann Beziehung verstärken»

Der Familienpsychologe Erhard Grieder bestätigt: «Familienchats sind eine Bereicherung.» Sie würden sich ausgezeichnet dafür eignen, sich innerhalb der Familie mit kurzen Nachrichten auf dem Laufenden zu halten. «Ich empfehle es Familien, einen solchen Chat einzurichten», sagt Grieder. Denn besonders für junge Erwachsene sei das eine zeitnahe und spontane Art der Kommunikation. Grieder: «Es kann eindeutig die Beziehung zwischen Eltern und Kindern verstärken. Besonders wenn diese gerade auf Weltreise sind oder nicht mehr zu Hause wohnen.»

Ferienfotos teilen oder über WC-Papier diskutieren

Für die 20-Minuten-Leser gehört der Familienchat zum Alltag: «Wir schicken uns oft Fotos aus den Ferien und halten uns auf dem Laufenden, wie es uns so geht», sagt eine Leserin.

Im Familienchat von Leser Thomas sind seine Mutter und die drei Brüder. «Wir nutzen den Chat meistens, wenn jemand im Ausland ist.» Ein Ersatz für das persönliche Treffen sei Whatsapp aber nicht: «Eher eine Ergänzung dazu», so Thomas.

Leserin Erna* ist mit ihren 19 Cousins und Cousinen im «Garcia-Chat»: «Meine Familie ist auf der ganzen Welt zerstreut. Dank dem Chat erfahre ich nun, wenn die Tochter meiner Cousine eine Theateraufführung hat oder der Onkel erkrankt ist.» Nervig werde es aber, wenn doofe Videos, Bilder oder Kettenmails verschickt würden oder alle gratulierten, wenn jemand Geburtstag habe. Leser Tom* ist mit seiner Mutter und seinen Brüdern in einem Chat. Darin werde jeder Flug und jede Verspätung rapportiert, Ferienfotos verschickt (vom Gourmetmenü bis zur Kakerlake im Hotelzimmer) und nach dem Alkoholpegel der Söhne gefragt («Hast du schon Grüne Fee intus?»). Leser Cédric*, dessen Vater vor einigen Wochen mit dem Velo schlimm verunfallt ist, ist dank dem Familienchat den ganzen Tag bestens über dessen Gesundheitszustand informiert: «Unsere Mutter berichtet uns Kindern laufend von seinen Fortschritten und wir ermutigen uns gegenseitig.»

Für Leser Marco Arnold ist der Whatsapp-Chat mit seinen Eltern, seinem Bruder und seiner Freundin einfach praktisch: «Der Chat macht vieles einfacher.» Beispielsweise die ewige Frage nach dem Abendessen. Treffen würde sich die Familie auch mit Chat noch immer gleich oft: «Im Chat erzählen wir einander einfach, was bei uns gerade los ist», so Arnold. Oder sie diskutieren, was sie dem Bruder zum Geburtstag schenken könnten.

Whatsapp ist für Probleme ungeeignet

Daneben, dass Familienchats die Familienmitglieder einander wieder näherbringen, kann die digitale Unterhaltung aber auch Nachteile haben: «Es kommt in solchen Chats oft zu Missverständnissen, wenn der Absender etwas anderes meint, als der Empfänger interpretiert», sagt Familienpsychologe Grieder. Er empfiehlt, Beziehungsthemen und Probleme am Telefon oder persönlich zu klären. «Per Whatsapp ist das zu umständlich.» Solange es sich aber um kurze Mitteilungen, reine Beziehungspflege oder simple Nachfragen handle, erfülle der Messenger seinen Dienst.

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