Umgangsformen: Ach, sagen Sie doch du zu mir
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UmgangsformenAch, sagen Sie doch du zu mir

In der Schweizer Arbeitswelt wird vielerorts geduzt. Doch längst nicht alle sehen darin Vorteile, wie eine Umfrage von 20 Minuten Online zeigt.

von
rre
Mit einem guten Betriebsklima auf Du und Du zu sein, ist wünschenswert - doch der gegenseitige Respekt sollte dabei nicht verloren gehen. (Bild: Colourbox)

Mit einem guten Betriebsklima auf Du und Du zu sein, ist wünschenswert - doch der gegenseitige Respekt sollte dabei nicht verloren gehen. (Bild: Colourbox)

Seine Standpauken verteilt er geradezu inflationär, seine Laune bewegt sich schon seit Jahren chronisch auf dem Tiefpunkt und Lob ist für ihn ein überflüssiges Arbeitsinstrument: Trotzdem sind viele Arbeitnehmer selbst mit dem Chef auf du und du, obwohl man sich zu ihm durch ein «Sie» lieber eine natürliche Distanz aufbauen würde.

Gut drauf und per du

Zum Glück steht das Laune-Thermometer der arbeitetenden Leser von 20 Minuten Online nicht auf Tiefkühlung, wie das Resultat einer nicht-repräsentativen Umfrage ergab: Drei Viertel aller 1335 Teilnehmer bezeichnen das Betriebsklima in ihrem Unternehmen als «gut», beziehungsweise als «sehr gut». Ob es daran liegt, dass sich der Erhebung zufolge das Siezen auf bestimmten Hierarchiestufen der Firma teilweise (49 Prozent) oder sogar komplett (51 Prozent) verabschiedet hat? Satte 92 Prozent aller, die unsere Fragen beantworteten, sehen einen Vorteil in der Ansprache mit dem Vornamen. Ihrer Meinung nach fördert das Duzen einen freundlicheren, geradezu freundschaftlichen Umgang am Arbeitsplatz. Ohne die Höflichkeitsform sei ausserdem eine «direkte Ansprache» ohne um den heissen Brei herumreden zu müssen viel einfacher.

Auch an Schule und Uni freunden sich Lehrer und Schüler, Dozenten und Studenten mit dem Du an. So duzt mehr als die Hälfte aller Umfrageteilnehmer, die studieren oder zur Schule gehen, wenige oder zumindest eine ihrer Lehrpersonen.

Mobbing wegen «niedrigerer Hemmschwelle»?

Doch nicht alle sehen im Du einen Garant für ein harmonisches und glückliches Miteinander während des Brötchenerwerbs, in der Schule oder an der Uni: 20 Prozent bemängeln, dass der Respekt untereinander verloren gehe und 17 Prozent vermissen eine gesunde Distanz zum Chef und zu den Arbeitskollegen. Ein Drittel sieht im beruflichen Duzen gar eine «niedrigere Hemmschwelle», die Tür und Tor für Mobbing, sexuelle Belästigungen oder andere Vergehen öffnen könne.

Ob «du» oder «Sie» – für viele unserer Leser ist das völlig egal – oder wie es User bluemonday im Talkback formuliert: «Wenn du keinen Respekt vor jemandem hast den du duzt, dann hast du ihn auch nicht, wenn du ihn siezen musst.»

Alle Zwischenresultate der Umfrage können Sie einsehen.

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