Aktualisiert 11.03.2014 20:56

Verschollene MaschineAcht Fragen rund um Flug MH370

Das Rätseln geht weiter: Auch vier Tage nach dem Verschwinden von Flug MH370 gibt es kaum Gewissheit darüber, was passiert ist. Acht Fragen und Antworten zum mysteriösen Fall.

von
gux

Eigentlich unfassbar: Ein Passagierflugzeug mit 239 Menschen an Bord verschwindet auf seinem Flug nach Peking über dem Südchinesischen Meer. Und auch Tage später gibt es keine Spur von der Boeing 777. Das will nicht recht zum Zeitalter von Hochtechnologie und Internet passen, in dem alle Informationen nur einen Mausklick entfernt scheinen – die «New York Times» hat Fragen rund um den mysteriösen Flug MH370 zusammengestellt.

Wie kann ein so grosses Flugzeug wie eine Boeing 777 einfach verschwinden – die Maschinen werden ja immer von einem Radar erfasst?

Die Erfassung durch einen Radar ist nicht flächendeckend, vor allem nicht über dem Meer. In Gebieten, wo die Radarüberwachung nicht flächendeckend ist, müssen die Piloten in fixen Zeitintervallen ihre Position durchfunken, damit es zu keinen Zusammenstössen mit anderen Flugzeugen kommt. Flugzeuge wie die 777 haben aber ein System, das automatisch Informationen über die Motorenleistung und andere technische Funktionen an eine zentrale Unterhaltsbasis sendet. Air France prüfte eben diese Signale, als vor fünf Jahren der Flug 447 über dem Atlantik vom Radar verschwand. Im aktuellen Fall dürften die Ermittler in Kuala Lumpur ebenfalls auf diese Signale zurückgreifen.

Dieser Flug verunglückte nicht während des Starts oder der Landung, sondern während des Reiseflugs auf über 10'000 Metern. Was sind die häufigsten Ursachen, dass ein Flugzeug während des Reiseflugs verunglückt?

In den letzten Jahren gab es drei Abstürze während des Reisefluges. In allen drei Fällen war die Geschwindigkeitskontrolle defekt. Ein absichtliches Fehlmanöver des Piloten, ein Terroranschlag oder ein Angriff auf das Cockpit sind weitere Möglichkeiten.

Wieso kann das Signal der Blackbox den Absturzort des Flugzeuges nicht verraten?

Wenn die Blackbox im Wasser liegt, sendet diese einen Ton aus, der jedoch nur in einem beschränkten Radius zu hören ist. Die Diskussion über den Sinn und Unsinn von Blackboxen ist jetzt in vollem Gang.

Wieso finden die Behörden auch nach vier Tagen noch immer keine Wrackteile im Wasser?

Man sucht möglicherweise am falschen Ort. Ein Flugzeug fliegt rund 16 Kilometer pro Minute, weswegen niemand genau sagen kann, wo es abgestürzt ist. Dazu ist auch unklar, ob das Flugzeug seine Flugbahn verlassen hat oder nicht.

Wie weit könnte das Flugzeug von seiner letzten bekannten Position abgetrieben sein?

Wir wissen zwar, wo der letzte Funkkontakt stattfand, aber wir wissen nicht, zu welchem Zeitpunkt die Maschine verunglückte, so dass das schwer zu beantworten ist. Ein Düsenverkehrsflugzeug, das auf rund 10'000 Metern fliegt, könnte ohne Maschinen noch zwischen 130 bis 150 Kilometer weit kommen, sofern die Piloten noch Kontrolle über das Flugzeug haben.

Gibt es Anhaltspunkte auf einen terroristischen Anschlag?

Zunehmend weniger. Die Geschichte mit den beiden Passagieren, die mit gestohlenen Pässen an Bord gingen, wies zwar anfangs auf diese Möglichkeit hin, jetzt aber rückt Interpol zunehmend ab. Davon abgesehen zeigt eine Studie der Universität Maryland: Seit 1998 gab es über 45'000 Anschläge, und in nur 14 Prozent bekannten sich terroristische Gruppierungen dazu. Zum Grossteil der Attacken gegen Flugzeuge und Flughäfen bekannte sich niemand.

Wenn das Flugzeug technische Probleme hatte, hätte der Pilot dies dann nicht über Funk mitgeteilt?

Es gibt die goldene Regel für Piloten bei einem Notfall: fliegen, navigieren, kommunizieren. Die erste Priorität ist das Fliegen der Maschine. Das Mitteilen der Probleme kommt erst an dritter und letzter Stelle, denn meist kann bei Problemen von aussen nicht geholfen werden. Wenn Piloten damit kämpfen, ein Flugzeug in der Luft zu halten, haben sie ohnehin keine Zeit, den Funk zu bedienen.

Könnte einer der Piloten die Maschine absichtlich gecrasht haben?

Das kam schon vor. Etwa der Absturz einer EgyptAir-Maschine 1999 auf dem New Yorker Flughafen JFK. Oder ein Flug der SilkAir in Indonesien 1997. In beiden Fällen brachte ein Crew-Mitglied das Flugzeug absichtlich zum Abstürzen. Es gibt bislang aber keinerlei Anzeichen dafür, dass dies auch im aktuellen Fall mit dem Flug MH370 der Malaysia Airlines geschehen sein könnte.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.