Acht Skyguide-Mitarbeiter müssen vor den Richter
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Acht Skyguide-Mitarbeiter müssen vor den Richter

Acht Mitarbeiter der Schweizer Flugüberwachung Skyguide müssen sich ab Mitte Mai wegen der Flugzeugkatastrophe von Überlingen mit 71 Toten vor dem Bezirksgericht Bülach verantworten.

Wie schon der laufende Swissair-Prozess wurde auch diese Verhandlung aus Platzgründen in der Stadthalle Bülach verlegt.

Die Gerichtsverhandlung gegen die acht Skyguide-Mitarbeiter wurde auf den kommenden 15. bis 31. Mai angesetzt, wie das Bezirksgericht Bülach am Dienstag mitteilte. Die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland hatte am vergangenen 4. August gegen die Skyguide-Mitarbeiter Anklage wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung und wegen fahrlässiger Störung des öffentlichen Verkehrs erhoben. Dafür fordert

Staatsanwalt Bernhard Hecht für drei Skyguide-Verantwortliche, drei Mitarbeiter und einen Flugverkehrsleiter, der sich zum Zeitpunkt des Unglücks im Pausenraum aufgehalten hatte, bedingte Freiheitsstrafen von sechs bis 15 Monaten. Die Angeklagten weisen die Verantwortung für das Unglück zurück. Der im vergangenen Dezember abrupt zurückgetretene Skyguide-Chef Alain Rossier, der wegen der Flugzeugkatastrophe in Russland unter starken Beschuss geraten war, gehört nicht zu den Angeklagten.

Beim Zusammenstoss eines Passagierflugzeugs der russischen Bashkirian Airline mit einem DHL-Frachtflugzeug bei Überlingen am Bodensee waren am 1. Juli 2002 71 Menschen - darunter 49 Kinder und Jugendliche - getötet worden. Die Staatsanwaltschaft Konstanz hatte ihre eigene Strafuntersuchung in dieser Sache den Schweizer Strafverfolgungsbehörden abgetreten.

Drei Tage in der ersten Prozesswoche sind für die persönliche Befragung der acht Skyguide-Mitarbeiter angesetzt. In der zweiten Woche folgen die Anhörung eines Experten sowie die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Geschädigtenvertretern. Die restlichen vier Verhandlungstage in der zweiten und dritten Verhandlungswoche sind für die Parteivorträge der Verteidiger reserviert. Der Zeitpunkt der Urteilseröffnung war noch offen.

Mit den Folgen der Flugzeugkatastrophe beschäftigt auch das Zürcher Obergericht: Der damals alleine diensttuende Skyguide-Fluglotse war am 24. Februar 2004 vor seinem Wohnhaus in Kloten (ZH) von einem Russen mit mehreren Messerstichen umgebracht worden. Der Täter hatte bei der Flugzeugkatastrophe von Überlingen seine Frau und seine beiden Kinder verloren. Das Zürcher Obergericht verurteilte den Russen im Oktober 2005 wegen vorsätzlicher Tötung zu acht Jahren Zuchthaus. Der Fall ist weiterhin hängig: Das Kassationsgericht des Kantons Zürich hatte das Strafmass aufgehoben und zur Neubeurteilung zurückgewiesen. Zudem muss sich auf Grund von Beschwerden gegen das Obergerichtsurteil auch das Bundesgericht mit dem Fall befassen. (dapd)

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