«Fall» Taticek: Acht Sperren - ein mildes Urteil
Aktualisiert

«Fall» TaticekAcht Sperren - ein mildes Urteil

HCD-Stürmer Petr Taticek (27) hat Glück: Er ist von Einzelrichter Reto Steinmann nur für acht Spiele gesperrt worden.

von
Klaus Zaugg

Ein Faustschlag gehört zum Eishockey wie das Kirchengeläut zum Sonntag. So gesehen sind acht Spielsperren gegen Petr Taticek für den Faustschlag gegen Zugs Leitwolf Josh Holden ein hartes Urteil.

Aber Faustschlag ist nicht gleich Faustschlag

Taticeks Faust traf Holdens Kopf von hinten an empfindlicher Stelle. Diese Art von Schlägen ist beispielsweise im Boxen verboten. Steinmann hat es sich bei seinem Urteil nicht leicht gemacht. Er hat das Video mit Taticeks Attacke auch einem hoch qualifizierten Neurologen vorgelegt. Der Fachmann hat die ganz besondere Gefährlichkeit dieser Art von Schlägen bestätigt. Und ein Staatsanwalt hat das Video ebenfalls analysiert und kam zum Schluss, diese Art von Faustschlägen sei die Inkaufnahme einer schweren Verletzung. Strafantrag: 18 Monate Gefängnis. Damit ist auch klar: Würde Josh Holden gegen Petr Taticek Strafenzeige einreichen, wäre eine Verurteilung des Tschechen nicht auszuschliessen. Denn Schläge von hinten gegen den Kopf gehen weit über das hinaus, was jemand in Kauf nehmen muss, wenn er Eishockey spielt. Diese Härte hat nichts mit Eishockey zu tun und wird inzwischen auch von der NHL rigoros bestraft. Vancouvers Todd Bertuzzi ist für seinen Angriff von hinten gegen den Kopf von Colorados Steve Moore (8. März 2004) von der Liga für den Rest der Saison gesperrt worden.

Wir sehen also, dass Taticeks Faustschlag zur gefährlichen Sorte gehört. Nicht nur, weil der Faustschlag von hinten kam (also für Josh Holden überraschend). Sondern eben auch aus medizinischen Gründen. Ob ein Spieler durch ein Foul schwer verletzt wird oder nicht, spielt in der Justiz keine entscheidende Rolle, es handelt sich nicht um Erfolgsjustiz. Die schwere des Vergehens zählt. Josh Holden musste mehrere Spiele pausieren.

Im Eishockey wird noch immer die Kultur des harten Mannes gepflegt. Aber Härte im Eishockey bestand selbst in den guten alten Tagen, als in der NHL Brutalität eine erfolgreiche Strategie war und in Santley Cups zinste (Boston 1970 und 72, Philadelphia 1974 und 75) nicht aus Schlägen von hinten an die empfindlichen Stellen des Kopfes.

Eigentlich müsste Taticeks Attacke gemäss dem gängigen Tarif mit zehn Spielsperren bestraft werden. Steinmann hat jedoch mildernd berücksichtigt, dass Taticeks Vergehen ein Faustschlag von Holden (allerdings nicht von hinten) und damit eine Provokation vorausgegangen war. Er hat also mildernde Umstände gelten lassen.

Damit sind acht Spielsperren ein mildes, salomonisches Urteil.

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