Rover P6 3500 V8: Acht Töpfe für distinguiertes Reisen

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Rover P6 3500 V8Acht Töpfe für distinguiertes Reisen

1968 erschien der Rover P6 3500 V8. Mit den Achtzylinder war er endlich auch für die Lords im Oberhaus ein standesgemässes Auto.

von
B. v. Rotz
Der Rover P6 erhielt 1964 als erstes die Auszeichnung «Auto des Jahres», allerdings noch als Zweiliter Rover 2000.

Der Rover P6 erhielt 1964 als erstes die Auszeichnung «Auto des Jahres», allerdings noch als Zweiliter Rover 2000.

Bruno von Rotz/www.zwischengas.com
Weil der Kofferraum knapp war, kann das Reserverad anstatt im auch über dem Kofferraum transportiert werden.

Weil der Kofferraum knapp war, kann das Reserverad anstatt im auch über dem Kofferraum transportiert werden.

Bruno von Rotz/www.zwischengas.com
Der Rover 3500 V8 unterschied sich vom Rover 2000 von aussen primär durch die Beschriftung. Am Design hatte man nichts verändert.

Der Rover 3500 V8 unterschied sich vom Rover 2000 von aussen primär durch die Beschriftung. Am Design hatte man nichts verändert.

Bruno von Rotz/www.zwischengas.com

Wie fühlte sich das wohl so an, wenn man einst als Angehöriger des britischen Oberhauses nach der Arbeit zum Club fuhr? Im Rover 3500 kann man dieses Gefühl auch heute noch nachvollziehen. Der Übergang von Arbeit zu Freizeit ergibt sich so fast schon fliessend.

Im Jahr 1964 wurde der Rover P6 als Zweiliter zum ersten «Auto des Jahres» gewählt. Es war dies kein Zufall, denn die Rover-Ingenieure hatten damals tatsächlich mit einem weissen Stück Papier begonnen und alles neu konstruiert, selbst den Zweilitermotor. Es kam auch ein wirklich grosser Wurf heraus, der sich lose am Citroën DS orientierte, aber trotzdem weitgehend eigenständig daherkam, sowohl optisch als auch technisch.

Chefdesigner David Bache gestaltete die Form sozusagen um die gewählte Technik herum, schaffte es aber trotzdem, eine elegante Limousine zu schaffen. Nur die 90 PS des Vierzylinders wirkten noch etwas schmächtig bei 1,2 Tonnen Gewicht.

Oberklassen-Gleiter

Einen üppig motorisierten P6 konnte man sich ab April 1968 bestellen, als der 3500 V8 präsentiert wurde. Die Leistung stieg damit auf rund 150 PS. Gekoppelt wurde der Achtzylinder zunächst ausschliesslich an eine Dreigang-Wandlerautomatik.

Zuerst wurde wie üblich der Heimmarkt bedient, aber ab 1969 kamen auch die Kontinentalkunden in den Genuss der acht Zylinder, etwas was es zu vergleichbaren Preisen (18'900 Franken) kaum gab. Für dasselbe Geld musste man sich oftmals mit sechs oder gar nur vier Zylindern begnügen. Die Autopresse jedenfalls war begeistert, nur die Platzverhältnisse und die Kofferraumgrösse führten zu negativer Kritik. Rovers kreative Lösung für letztere Kritik: Man konnte das Reserverad nämlich auch auf (!) dem Kofferraum montieren.

Mit Lederhandschuhen

Auf das Armaturenbrett eines Rover 3500 gehören Lederhandschuhe genauso wie ein Schirm in den Kofferraum. Man kann sich geradezu vorstellen, wie sich der Lord am Morgen freudig in seinen weissen Rover setzte. Er war auch vermutlich bestens über die teilweise ungewöhnlich, aber durchaus funktionell angeordneten Bedienungselemente informiert und bei einer allfälligen Panne hätte er sicherlich gewusst, dass die Entriegelung der Motorhaube im Handschuhfach zu finden war.

Die Übersichtlichkeit nach vorne konnte kaum besser sein, selbst in der Nacht waren die Karosserieecken dank der Prismen über den Scheinwerfern einsehbar. Nach hinten störte das riesige Reserverad auf dem Kofferraum dann doch beträchtlich, aber schliesslich will ein richtiger Lord ja seine Golf- oder Reitausrüstung immer dabei haben.

Komfortable Federung

Ohne Servounterstützung artet die Kurbelei am dünnwandigen Kunststofflenkrad schon ein wenig in Arbeit aus, aber schlimm ist das nicht. Der Wagen motiviert den Fahrer automatisch zu einem ruhigen Fahrstil, was keinesfalls mit langsam gleichzusetzen ist. Tatsächlich geht es flott voran, der oberste der drei Gänge ist in Windeseile erreicht, die Fahrgeräusche halten sich im Rahmen.

Die guten Sitze und die relativ weiche Federung versöhnen mit Komfort, solange man vorne sitzt. Hinten ginge es auf den Einzelsitzen eher eng zu, aber dies stört den Selbstfahrer kaum.

Etwa nach 400 km steuert man eine Tankstelle an, um Benzin nachzufüllen. Nun kann man endlich den Wagen auch von aussen geniessen. Er hat, obschon keinesfalls zeitlos gestaltet, die Jahre gut überstanden und wirkt noch genauso britisch wie damals vor 50 Jahren.

Weitere Informationen, viele Bilder, einen Prospekt und ein Tonmuster gibt es auf Zwischengas.com.

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