Kanton Schwyz zieht Schraube an   – Achtlosigkeit von Ausflüglern führt zu höheren Bussen 
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Kanton Schwyz zieht Schraube an  Achtlosigkeit von Ausflüglern führt zu höheren Bussen 

Für Personen, welche im Kanton Schwyz mutwillig Wildtiere stören oder ihren Müll in der Natur und Landwirtschaft liegen lassen, wird es ab dem 1. April richtig teuer. Diese Bussen werden gar verdreifacht.  

von
Daniela Gigor
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Tagtäglich kommt es vor, dass sich Schneeschuhläufer, Tourenskifahrer oder Spaziergänger abseits der ausgeschilderten Routen und Wege bewegen. Dort stören sie die Wildtiere. Diese Personen können im Kanton Schwyz seit dem 1. April mit Bussen bis zu 150 Franken rechnen. 

Tagtäglich kommt es vor, dass sich Schneeschuhläufer, Tourenskifahrer oder Spaziergänger abseits der ausgeschilderten Routen und Wege bewegen. Dort stören sie die Wildtiere. Diese Personen können im Kanton Schwyz seit dem 1. April mit Bussen bis zu 150 Franken rechnen. 

Markus Raschle
Für Wildtiere wie Rehe und Hirsche ist der Winter jeweils eine harte Zeit. 

Für Wildtiere wie Rehe und Hirsche ist der Winter jeweils eine harte Zeit. 

Markus Raschle
«Die Tiere fahren ihren Stoffwechsel im Winter herunter und die Körpertemperatur sinkt», sagt der Schwyzer Wildhüter Markus Raschle. Wenn sie in dieser Phase gestört werden, wird es kritisch.

«Die Tiere fahren ihren Stoffwechsel im Winter herunter und die Körpertemperatur sinkt», sagt der Schwyzer Wildhüter Markus Raschle. Wenn sie in dieser Phase gestört werden, wird es kritisch.

Markus Raschle

Darum gehts

  • Im Kanton Schwyz werden seit dem 1. April die Bussen teilweise dreimal höher sein als bisher. 

  • Bis zu 250 Franken kostet es, wenn der Güsel in der Natur und Landwirtschaft liegen gelassen wird. 

  • Die mutwillige Störung von Wildtieren kostet neu 150 Franken. 

  • Ein Campingverbot gilt in kantonalen Pflanzenschutzreservaten.

Die Bussen im Kanton Schwyz werden teilweise massiv erhöht. Seit dem 1. April hat sich etwa die Busse bei der mutwilligen Störung von Wildtieren verdreifacht und beträgt neu 150 Franken. Wer seinen Güsel in der Natur und Landwirtschaft liegen lässt, muss 250 Franken hinblättern. «Damit wurde ein klares Zeichen gegen die Achtlosigkeit im Freizeit- und Konsumverhalten und der damit einhergehenden akuten Gefährdung der Nutz- und Wildtiere gesetzt», teilte der Kanton Schwyz am Donnerstag mit. Damit hat der Kantons- und Regierungsrat nicht zuletzt auf die Vorfälle während der Corona-Pandemie reagiert, als sich die Menschen wegen des Shutdowns vermehrt im Freien aufgehalten hatten.

Jetzt machen unerfahrene Schneesportler den Wildtieren zu schaffen  

Ende Januar 2021 schlug ein Schwyzer Wildhüter Alarm. Damals ärgerte sich Markus Raschle vom Wildhutkreis I über die Achtlosigkeit der Leute: «Die Masse der Menschen, die kreuz und quer durch den Wald gehen, ist nicht mehr tragbar. Der grösste Teil der Leute hat keine Ahnung von der Natur und ihren Ansprüchen.» Raschle ärgerte sich über die Achtlosigkeit der Leute. Die Ausflügler störten abseits der Routen die Ruhe von Rehen, Hirschen und weiteren Tieren. Besonders im Winter kann dies sogar zum Tod der Wildtiere führen. 

So fühlt sich eine Flucht an

Wer wissen will, wie viel Energie eine solche Flucht braucht, kann dies bei einem kleinen Experiment herausfinden: «Man steht eine halbe Stunde in der Kälte. Wenn man ordentlich fröstelt, zieht man die Schneeschuhe aus und rennt 30 Meter einen schneebedeckten Hang hoch und wieder zurück», sagt Raschle. Mit Schneeschuhläufern hat der Wildhüter diesen Test auch schon durchgeführt: «Alle keuchten und waren völlig ausser Puste.» Etwa so fühle sich eine Flucht für die Wildtiere an. Nur könnten die Tiere sich danach nicht in der warmen Stube aufwärmen und die Energiereserven liessen sich nicht einfach mal so mit einem währschaften Menü wie etwa einem Fondue oder Älplermagronen wieder auffüllen.

Dass sich die Situation in der Zwischenzeit für die Wildtiere nicht zum Positiven verändert hat, weiss Wildhüter Matthias Öchslin, der im Kanton Schwyz für den Wildhutkreis III im Gebiet Einsiedeln zuständig ist: «Wir stellen vermehrt fest, dass unerfahrene Leute in den Voralpen unterwegs sind. So etwa als Skitouren- oder Schneeschuhgänger und die sich auf eigene Faust ausserhalb der markierten Wege bewegen.» Öchslin macht weiter darauf aufmerksam, dass Wildtiere nicht nur durch Schneesportler gestört werden könnten, sondern etwa auch durch plötzlich auftauchende Lichter in der Dunkelheit und andere Aktivitäten, welche den Tieren im Wald unbekannt sind.  

Landwirte im Kantonsrat setzten sich für höhere Bussen ein 

Auch beim Thema Littering kommt man nicht um das Thema Tierwohl herum. Bisher kostete es 80 Franken, wenn man seinen Müll in der Öffentlichkeit oder auf landwirtschaftlichem Gebiet liegen liess. «Die Schwyzer Regierung wollte diese Bussen auf 150 Franken erhöhen», sagt Herbert Huwiler, Vorsteher des Sicherheitsdepartements, auf Anfrage. Grund ist, dass Littering in den letzten Jahren im öffentlichen Raum massiv zugenommen hat. Im Kantonsrat wurde dann aus Kreisen von Landwirten vorgeschlagen, dass diese Bussen massiv auf 250 Franken erhöht werden, und der Vorschlag fand eine Mehrheit. Huwiler: «Es ist schmerzlich für die Bauern, wenn Tiere verenden, weil sie etwa Getränkedosen oder anderen Abfall gefressen haben.» 

Aufdringliches und gewerbsmässiges Betteln bleibt strafbar 

Weiter sieht das revidierte Ordnungsbussenrecht im Kanton Schwyz neu auch ein Campingverbot in den kantonalen Pflanzenschutzreservaten vor. Dies betrifft den Rossberg, das Rigigebiet, den Zindlenspitz, das Gebiet im Mythen, Hoch-Ybrig und Köpfengebiet. Neu ist das Betteln im Kanton Schwyz nicht mehr generell verboten, sondern nur noch dort, wo es die öffentliche Ordnung gebietet. Aufdringliches und gewerbsmässiges Betteln bleibt unvermindert strafbar. Namentlich etwa bei Banken, Poststellen, Einkaufsläden, Restaurants, Kirchen, Museen sowie Bahnhöfen und Bushaltestellen. Als Belästigung gilt aber auch das aufdringliche und insistierende Betteln, wenn gar noch Körperkontakt angewendet wird. 

Du weisst von einem Tier in Not?

Hier findest du Hilfe:

Feuerwehr, Tel. 118 (Tierrettung)

Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)

Tierrettungsdienst, Tel. 044 211 22 22 (bei Notfällen)

Schweizerische Tiermeldezentrale, wenn ein Tier entlaufen/zugelaufen ist

Stiftung für das Tier im Recht, für rechtliche Fragen

GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel.  079 700 70 70 (Notruf)

Schweizerische Vogelwarte Sempach, für Fragen zu Wildvögeln, Tel. 041 462 97 00


Tierquälerei:

Meldung beim kantonalen Veterinäramt oder beim Schweizer Tierschutz (anonym möglich)

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