300 Kalorien mehr pro Tag: Achtung, mit der Hitzewelle nimmst du womöglich zu – sofern du ein Mann bist

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300 Kalorien mehr pro TagAchtung, mit der Hitzewelle nimmst du womöglich zu – sofern du ein Mann bist

Je schöner das Wetter, desto grösser der männliche Appetit. Verantwortlich dafür sind laut einer neuen Studie die UVB-Strahlen der Sonne. Bei Frauen gibt es diesen Effekt nicht. 

von
Fee Anabelle Riebeling
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Laut einer Studie von israelischen Forschenden essen Männer in den warmen Monaten rund 300 Kalorien mehr pro Tag als in kalten Zeiten.  

Laut einer Studie von israelischen Forschenden essen Männer in den warmen Monaten rund 300 Kalorien mehr pro Tag als in kalten Zeiten.  

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Bei Frauen dagegen beobachtete das Team keinen so grossen Unterschied. Bei ihnen blieb die Kalorienaufnahme das Jahr über nahezu gleich.

Bei Frauen dagegen beobachtete das Team keinen so grossen Unterschied. Bei ihnen blieb die Kalorienaufnahme das Jahr über nahezu gleich.

Nature Metabolism 2022: Carmit Levy et al.
Auch der Ursache ist die Forschungsgruppe um Carmit Levy auf die Spur gekommen. Demnach ist es das Sonnenlicht, dass bei Männern den Appetit anregt. 

Auch der Ursache ist die Forschungsgruppe um Carmit Levy auf die Spur gekommen. Demnach ist es das Sonnenlicht, dass bei Männern den Appetit anregt. 

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Darum gehts

  • Laut einer Studie aus Israel regt UVB-Strahlung den Appetit von Männern an.

  • Dies, weil die Strahlen die Produktion eines Hungerhormons in der Haut anregen.

  • Bei Frauen und Personen mit viel Östrogen im Blut bleibt der Effekt aus.

Im Sommer könnte es für Männer dicke kommen. Darauf deutet zumindest eine Studie aus Israel hin. Ihr zufolge regt das Sonnenlicht bei ihnen die Freisetzung eines Hungerhormons in der Haut an. Die Forschenden von der Universität Tel Aviv folgern daraus, dass Männer aufgrund dieses Hormons im Sommer eher zunehmen könnten – ganz im Gegensatz zu Frauen.

Denn bei diesen hemmt das Sexualhormon Östrogen die Ausschüttung des sogenannten Ghrelins, sodass es nicht zu einer Veränderung des Appetits führt, heisst es in der im Fachjournal «Nature Metabolism» veröffentlichten Studie.

Östrogen sorgt für Unterschied

Das Team um Carmit Levy hat für die Arbeit die Daten von 3000 Teilnehmenden ausgewertet, die zwischen 1999 und 2001 ihre Ernährung aufgezeichnet hatten. Dabei zeigte sich, dass Männer während der besonders sonnenreichen Sommermonate mehr Kalorien pro Tag zu sich nahmen als im Winter. Bei Frauen änderte sich der Energiegehalt der Nahrung hingegen nicht.

Dass dies mit den UVB-Strahlen zusammenhängt, zeigte sich in Tests mit Mäusen und Menschen: «Bei männlichen Mäusen führt die UVB-Exposition zu einem verstärkten Verhalten bei der Nahrungssuche, zur Nahrungsaufnahme und zur Gewichtszunahme», schreiben die Forschenden. Weitere Untersuchungen mit menschlichen Zellkulturen und einer Gruppe von Menschen mit Hauterkrankungen, die eine UVB-Lichttherapie erhielten, deuten in eine ähnliche Richtung. Sowohl bei den Männchen als auch bei Männern hänge der gesteigerte Appetit mit der erhöhten Konzentrationen des Stoffwechselhormons Ghrelin im Blut zusammen, so das Team.

Bei den tierischen und weiblichen Probanden hingegen blockierte das Östrogen in ihrem Körper das Ghrelin.

Hoffnung für Therapien

Laut Levy und ihren Kolleginnen und Kollegen weisen die Erkenntnisse die Haut als «einen wichtigen Vermittler der Energiehomöostase (siehe Box) aus und könnten zu therapeutischen Möglichkeiten für geschlechtsspezifische Behandlungen von hormonell bedingten Krankheiten führen.»

Was ist Energiehomöostase?

Das Bedürfnis nach Nahrungsaufnahme wird hauptsächlich durch die Kommunikation zwischen peripheren Geweben – etwa Darm und Leber – und dem Gehirn gesteuert. Von den peripheren Organen werden Hormone freigesetzt, die Gehirnregionen wie den Hypothalamus erreichen, der Funktionen wie Temperatur und Schlaf sowie den Hunger steuert. Das Gehirn erhält so eine Information über die momentane Energieversorgung sowie die vorhandenen Energiespeicher und kann ein Gleichgewicht zwischen Nahrungsaufnahme und Energieverbrauch aufrechterhalten. Dieser Prozess wird als Energiehomöostase bezeichnet. Er ermöglicht ein langfristig konstantes Körpergewicht.

Andere Forschende, die nicht an der Studie beteiligt sind, weisen darauf hin, dass durchaus auch andere Faktoren eine Rolle spielen könnten, schreibt Dailymail.co.uk. Die Studie zeige einen potentiellen Mechanismus, «wie UVB den Hormonstoffwechsel beeinflussen kann, ähnlich wie es die Vitamin-D-Produktion in unserer Haut fördert, und wie dies mit einem Anstieg des Appetithormons Ghrelin bei Männern verbunden sein kann», so Duane Mellor, Ernährungswissenschaftler an der Aston University.

«Es ist wichtig zu erkennen, dass diese Arbeit nicht behauptet, dass Sonnenlicht und UVB-Exposition zu einer Gewichtszunahme bei männlichen Menschen führt. Stattdessen liefert sie einige interessante Erkenntnisse darüber, wie eine mässige UVB-Exposition mit gesundheitlichen Vorteilen verbunden sein könnte, einschliesslich eines geringeren kardiovaskulären Risikos und einer Abnahme von Entzündungen, da Ghrelin entzündungshemmend wirkt», erklärt der Experte. 

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