Schaffhausen, Samstag 10.1.: Achtung, Weltwunder
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Schaffhausen, Samstag 10.1.Achtung, Weltwunder

Der deutsch-türkische Rapper Eko Fresh ist der Grösste, der Geilste und der Meistgehasste, kurz: das achte Weltwunder. Findet er selbst.

In seinen Texten bringt Eko Fresh die Sache auf den Punkt: «Wenn ich sag, ich bin der Beste, bin ich ehrlich zu mir», lässt es der Youngster im Gebälk der Bewusstseinsebenen knacken. Er ist jung, noch keine zwanzig, und er braucht das Geld.

Dabei ist Eko Fresh dem deutschen Hip-Hop altersmässig um ein paar Jährchen voraus: 1992 eroberten die bis dahin belächelten Fantastischen Vier mit «Die da!?» die Charts. Gross war die Empörung, als kurz darauf die Werbung den Track für sich entdeckte. Der Popfalle, so schien es, konnten die deutschsprachigen Rapper nur schwer entgehen.

12 Jahre später präsentiert sich eine durchaus vergleichbare Situation: Wer nicht mit eingängigen Refrains oder gleich mit einer Coverversion an den Start geht, der braucht schon sehr fette Beats, um Charterfolge feiern zu können. Dies schafften in der Vergangenheit gerade mal Fünf Sterne Deluxe, Deichkind, Samy Deluxe oder kürzlich die Beginner. Ob nun aber Fettes Brot, Die Fantastischen Vier und das Rödelheim Hartreim Projekt tatsächlich noch Street Credibility besitzen, darf mit gutem Gewissen bezweifelt werden.

Ekrem Bora alias Eko Fresh jedenfalls kämpft an allen Fronten. Er nervt sich über den «fehlenden Respekt innerhalb der Szene» und disst doch munter weiter: «Es tut mir leid, ihr habt kein Talent, und das ist der Grund, warum euch keiner kennt.» Da sagt es mal einer – doch niemand will es hören. Die Szene zeigte sich nur mässig amüsiert.

Auch für Nicht-Rapper ist der Mönchengladbacher mit türkischen Wurzeln ein veritables Brechmittel. Eine Internet-Petition verlangt von dem Spätpubertierenden gar die sofortige Einstellung sämtlicher künstlerischer Aktivitäten. Umstrittener als Eko Fresh sind im Netz eigentlich nur noch George W. Bush, Bill Gates und Daniel Küblböck.

Oft genannter Kritikpunkt: «die bescheuerten Texte». Tatsächlich zeugen Eko Freshs Reime von einem eher gebrochenen Verhältnis zur Deutschen Sprache. Doch wer hat das nicht? Eko entscheidet sich für die Flucht nach vorne und rappt radebrechend: «Du denkst, wie kann das sein? Wie kann dieser Thomas Stein sowas sign?»

Thomas Stein ist der Geschäftsführer der Plattenfirma BMG Deutschland. In einem MTV-Porträt findet das ehemalige «DSDS»-Jurymitglied fast nur lobende Worte für seine neuste Entdeckung: «Bei ihm merkt man, dass er bereit ist, 100 Prozent zu geben.» Eko hat gerade nicht zugehört. Er sieht sich das Video zu seiner nächsten Single an. Der Song heisst «Ich will dich» und wird wahrscheinlich wieder unheimlich vielen Leuten tierisch auf die Eier gehn.

Date: Samstag, 10. Januar, 22 Uhr, Kulturzentrum Kammgarn, Schaffhausen (einziger CH-Auftritt).

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