Aktualisiert 26.07.2011 15:00

Deutsche-Bank-Chef

Ackermann hat gleich zwei Nachfolger

Die Nachfolger von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sind bekannt. Anshu Jain und Jürgen Fitschen führen ab Mai 2012 die Geschicke der Grossbank.

Anshu Jain und Jürgen Fitschen beerben Joe Ackermann.

Anshu Jain und Jürgen Fitschen beerben Joe Ackermann.

Auf Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann folgt eine Doppelspitze: Der Investmentbanker Anshu Jain und Deutschland-Chef Jürgen Fitschen übernehmen im Mai 2012 den Vorstandsvorsitz, wie der Konzern am Montag in Frankfurt mitteilte. Wochenlang war in der Bank um die Nachfolgeregelung gerungen worden.

Der 63-jährige Ackermann bleibt dem Dax-Konzern aber erhalten: Der Schweizer soll künftig den Aufsichtsrat der grössten deutschen Bank führen - als Nachfolger des eher unpopulären Ex-Finanzchefs Clemens Börsig. Auf dieses Personalpaket einigte sich der Aufsichtsrat am Montagabend, wie die grösste Bank Deutschlands mitteilte.

Ackermann räumt nach zehn Jahren an der Spitze der Bank seinen Posten ein Jahr früher als geplant. Seinem direkten Wechsel in den Aufsichtsrat muss die Hauptversammlung noch zustimmen. «Mit diesem Schritt sollen das Wissen, die Erfahrungen und die Verbindungen von Herrn Dr. Ackermann auch in Zukunft für die Bank erhalten bleiben», hiess es in der Pressemitteilung.

Kronprinz muss teilen

Der 48-jährige Jain ist seit 1995 bei der Deutschen Bank. Er galt seit Jahren als Kronprinz - zuletzt Anfang 2009, als Börsig einen ersten Anlauf zur Regelung der Ackermann-Nachfolge machte.

Zwar setzte die Deutsche Bank unter Ackermann Führung zunehmend auf Privatkunden als Ertragsbringer. Doch die Milliarden werden vor allem in Jains Geschäftsfeld verdient: unter anderem im Handel mit Devisen, Rohstoffen, Aktien. Seit gut einem Jahr führt Jain das Investmentbanking alleine.

In der Finanzwelt ist der Inder hoch angesehen. In Deutschland hält sich Kritik wegen Jains angeblich fehlender Kontakte zur Politik in der Heimat der Deutschen Bank. Bis Ende Mai 2017 ist Jain nun als Vorstandsmitglied bestellt.

Dagegen ist der 62-jährige Jürgen Fitschen in Wirtschaft und Politik bestens vernetzt und geniesst als langjähriger Firmenkundenchef das Vertrauen der Unternehmen im In- und Ausland. Ihm dürfte die Rolle des «Politikers» in dem Führungsduo zuteilwerden.

Der Niedersachse stiess 1987 zur Deutschen Bank und ist bis heute ebenso im Inland wie im Ausland für den Konzern unterwegs. Wegen seines Alters halten viele Fitschen für eine Übergangslösung. Sein Vorstandsmandat wurde bis Ende Mai 2015 verlängert. Bis Ende Mai 2017 wurde auch das Mandat von Vorstandsmitglied Rainer Neske verlängert.

Vom Chef gleich zum Chefkontrolleur

Ackermann hatte einen Wechsel in den Aufsichtsrat bislang stets ausgeschlossen. Schliesslich widerspricht es auch den Richtlinien für gute Unternehmensführung (»Corporate Governance Kodex»), dass ein Konzernlenker direkt auf den Sessel des Chefkontrolleurs wechselt. Demnach dürfen Vorstandsmitglieder erst nach einer zweijährigen Karenzzeit in das Kontrollgremium ihres Unternehmens einziehen.

Zuletzt war in der Deutschen Bank jedoch der Wunsch laut geworden, Ackermann möge auch nach seinem Ausscheiden aus dem Vorstand eine starke Rolle beim Institut spielen. Die Mehrheit der zehn Arbeitnehmervertreter in dem 20-köpfigen Aufsichtsrat machte sich dafür stark, dass Ackermann Börsig ablöst.

Daher könnte nun erstmals eine Ausnahme des «Corporate Governance Kodex» zum Tragen kommen: Die Zwei-Jahres-Frist fällt weg, wenn die Wahl des Aufsichtsrates «auf Vorschlag von Aktionären, die mehr als 25 Prozent der Stimmrechte an der Gesellschaft halten», erfolgt. Der Wechsel in den Aufsichtsratsvorsitz soll dann «eine der Hauptversammlung zu begründende Ausnahme sein», heisst es im Kodex.

(sda)

Quartalsgewinn tiefer als erwartet

Die Deutsche Bank ist trotz Schuldenkrise auf Kurs, den vom scheidenden Bankchef Josef Ackermann angepeilten Rekordgewinn zu erreichen. Im zweiten Quartal stieg der Überschuss im Vergleich zum Vorjahr aber lediglich um 3 Prozent auf 1,2 Mrd. Euro.

Das grösste deutsche Geldhaus konnte sich nach eigenen Angaben den Folgen der Schuldenkrise nicht entziehen. Das führte besonders im Investmentbanking zu Rückschlägen. Dagegen legte das Privatkundengeschäft dank der Übernahme der Postbank kräftig zu.

Der Vorsteuergewinn stieg um 17 Prozent auf 1,8 Mrd. Euro (rund 2,1 Mrd. Franken), wie der Konzern am Dienstag mitteilte. Damit ist das Jahresziel des Geldinstituts weiter in Reichweite. Nach einem halben Jahr hat das Institut nun vor Steuern bereits 5,5 Mrd. Euro (6,4 Mrd. Franken) verdient, was mehr als die Hälfte des in Aussicht gestellten Rekordgewinns von 10 Mrd. Euro ist.

(sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.