Baselbieter Firma: Actelion-Aktie stürzt ab
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Baselbieter FirmaActelion-Aktie stürzt ab

Johnson & Johnson lässt die Pläne zum Kauf des Baselbieter Biotechkonzerns platzen. Die Reaktion an der Börse ist deutlich.

von
chi
Hochprofitables Biotechunternehmen: Der Actelion-Sitz in Allschwil BS. (Archivbild)

Hochprofitables Biotechunternehmen: Der Actelion-Sitz in Allschwil BS. (Archivbild)

Keystone/Georgios Kefalas

Nach dem Ende der Avancen des US-Konzern Johnson & Johnson (J&J) um den Biotechkonzern Actelion sind die Aktien des Allschwiler Unternehmens abgestürzt. Dies konnten auch neue Berichte um eine Milliardenofferte des französischen Sanofi-Konzerns nicht verhindern.

Am Mittwochmorgen brachen die Actelion-Aktien beim Börsenstart um beinahe 8 Prozent ein. Danach erholte sich der Kurs wieder etwas. Nach gut einer Handelsstunde lag das Papier sogar um 8,7 Prozent auf 190,40 Franken im Minus. Damit waren die Titel des Baselbieter Unternehmens die grössten Verlierer an der Schweizer Börse.

Allerdings ist dies ein Rückschlag auf allerhöchstem Niveau. Die Actelion-Aktie befand sich seit Bekanntwerden des Johnson & Johnson-Interesses Ende November im Höhenflug. Seither hatte das Papier um 35 Prozent zugelegt und Anfang Woche mit 214,50 Franken ein Allzeithoch erreicht.

Am Dienstag kosteten die Actelion-Anteile zum Handelsende 208,50 Franken - das Unternehmen war damit an der Börse 22,5 Milliarden Franken wert.

Gerüchte um Offerte über 30 Milliarden

Vor rund einer Woche hatte die Agentur Bloomberg berichtet, auch der französische Pharmakonzern Sanofi interessiere sich für die hochprofitable Firma.

Die Medikamente von Actelion zur Behandlung von lebensbedrohlichem Bluthochdruck im Lungenkreislauf (PAH) würden gut zu Sanofi passen. Der Konzern ist einer der weltgrössten Anbieter von Diabetesmedikamenten, kämpft in dem Geschäft aber unter dem Patentverlust seines Kassenschlagers Lantus.

Wie die US-Zeitung «Wall Street Journal» nun berichtete, wollen die Franzosen insgesamt bis zu 30 Milliarden Dollar auf den Tisch legen. Offen sei aber, wie die Transaktion genau aussehen solle.

Risiko für weiteren Absturz

Immerhin bewahren die Gerüchte um ein Interesse von Sanofi die Actelion-Aktie offenbar vor noch stärkeren Abgaben. Es bestehe ein beträchtliches Risiko für einen Kursrückschlag, sollte es zu keiner Transaktion kommen, kommentierte der Analyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB) laut der Nachrichtenagentur AWP. Bereits der jüngste Kursanstieg seit Bekanntwerden der Avancen von Johnson & Johnson sei spekulativ gewesen.

Skeptisch zeigt sich der Analyst vom Aktien-Research von Standard & Poor's: Er hält eine Einigung der beiden Unternehmen auf eine Übernahme für unwahrscheinlich. Denn die Actelion-Aktien würden aktuell mit einem Bewertungsaufschlag von 80 Prozent gegenüber den Sanofi-Titeln gehandelt.

Die UBS-Analysten machten die hohe Zuversicht des Actelion-Managements in die eigene Produktpipeline als Hürde für Verhandlungen aus. Bei deren Bewertung könnten sich die Geister scheiden. Dies könnte schliesslich auch der Grund gewesen sein, warum J&J die Gespräche beendet habe.

Allerdings könnte Actelion auch mit Roche in Verhandlungen über eine strategische Beteiligung stehen. Der Grund: Zum einen sei der Basler Pharmakonzern in den vergangenen Wochen immer wieder als «weisser Ritter» ins Spiel gebracht worden, hiess es.

Und zum anderen spreche Actelion in einem eigenen Communiqué vermutlich bewusst von einer «strategischen Transaktion» und nicht von einem Verkauf des Unternehmens. Eine Roche-Sprecherin wollte die Gerüchte gegenüber der Finanznachrichtenagentur AWP nicht kommentieren. (chi/sda)

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