Aktualisiert 18.05.2005 19:13

Adamow rekurriert gegen Auslieferung

Der Schweizer Anwalt von Jewgeni Adamow hat am Dienstag Beschwerde gegen den Auslieferungshaftbefehl des Bundesamts für Justiz erhoben.

Adamow ist der Auffassung, die Schweizer Behörden verstiessen gegen das Rechtshilfegesetz.

In der Mitteilung des Anwalts vom Mittwoch heisst es weiter, der Inhaftierte gehe davon aus, dass seine funktionale Immunität als ehemaliger russischer Atomminister missachtet wurde. Dazu müsse sich aber erst die russische Regierung äussern, sagte der Schweizer Anwalt Adamows, Stefan Wehrenberg, auf Anfrage.

Die russische Regierung wende sich bald offiziell an die Schweizer Behörden, erwartet Adamow laut Communiqué. Deshalb sei er zuversichtlich, bald wieder in Russland zu sein. Dannzumal will er die «unbegründeten Vorwürfe» der amerikanischen Ankläger widerlegen.

Die Beschwerde zuhanden des Bundesstrafgerichts in Bellinzona habe bis zum Entscheid keine Wirkung, sagte Wehrenberg. Die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts bestätigte den Eingang der Beschwerde. Wie lange nun das Bundesamt für Justiz (BJ) Zeit für eine Stellungnahme erhält, liegt in der Kompetenz des zuständigen Richters.

Noch kein Auslieferungsgesuch

Das BJ erwartet laut seinem Sprecher Folco Galli die Anfrage aus Bellinzona in den nächsten Tagen. Weiterhin bleibt Adamow also in provisorischer Auslieferungshaft. Galli sagte weiter, es sei noch kein formelles Auslieferungsgesuch aus den USA eingetroffen. Den amerikanischen Behörden bleibt jedoch bis etwa Ende Juni Zeit.

Der Ex-Minister war am 2. Mai aufgrund eines Ersuchens der USA in Bern verhaftet worden. In den USA wurde gegen Adamow Anklage wegen Betrugs, Hehlerei, Geldwäscherei und Steuerbetrugs erhoben. Er soll mehr als neun Millionen Dollar US-Regierungsgelder veruntreut haben.

Adamow war 2001 von Russlands Präsidenten Wladimir Putin als Atomminister entlassen. Er war in die Schweiz eingereist, um einem Untersuchungsrichter, der gegen seine Tochter Irina Adamowa ermittelt, Auskunft zu geben. Bei dieser Befragung wurde er verhaftet.

Untersuchung Adamowa

Die ursprünglich von den Berner Behörden geleitete Untersuchung gegen Adamowa liegt seit Dienstag in den Händen der Bundesanwaltschaft (BA). Grund dafür sind Zahlungen, die über die Schweizer Grenze hinweg erfolgt sind.

Gegen Adamowa wird in der Schweiz wegen des Verdachts auf Geldwäscherei ermittelt. Im Rahmen der Ermittlungen wurden auf Antrag des Berner Untersuchungsrichters Konten von ihr und einer Beraterfirma gesperrt.

Für den Anwalt Adamowas bleibt zwar alles gleich. Aufgrund der Arbeitsüberlastung der Behörde und der zu erwartenden Abklärungen im Ausland mittels Rechtshilfegesuchen rechnet er nun aber mit einer Verfahrensdauer von etwa zwei Jahren.

(sda)

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