Anthamatten: Adelines Killer hatte Fluchtplan in der Zelle
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AnthamattenAdelines Killer hatte Fluchtplan in der Zelle

Nach der Festnahme von Fabrice Anthamatten, der seine Therapeutin getötet haben soll, kommen immer mehr Details ans Licht: So soll er eine Flucht nach Irland geplant haben.

von
nj

Wollte er damit eine falsche Fährte legen oder plante Fabrice Anathamatten tatsächlich eine Flucht nach Irland? In seiner Zelle ist laut «Le Matin» ein Notizzettel gefunden worden, auf dem Anthamatten die Reiseroute von Genf nach Basel und dann weiter nach Dublin aufgeschrieben hatte. Der verurteilte Vergewaltiger war bereits einmal nach Irland geflüchtet, wo er Freunde haben soll. Das war im September 2001, nachdem der 39-Jährige in einem Wald bei Ferney-Voltaire eine Schweizerin vergewaltigt hatte. An derselben Stelle hatte er sich nur zwei Jahre zuvor bereits an einer Frau vergangen.

Laut derselben Zeitung soll Anthamatten bei seiner Flucht am Donnerstag rund 250 Franken in der Tasche gehabt haben. Die mutmassliche Mordwaffe – ein Messer – hatte er sich am Donnerstagmorgen vor der Entführung für weniger als 50 Franken besorgt. Im Beisein seines späteren Opfers, Therapeutin Adeline M., durfte er sich mit Erlaubnis der Haftanstalt ein Messer kaufen – angeblich um damit im Rahmen der Reittherapie die Hufe der Pferde zu säubern.

Alarm wurde erst um 16 Uhr ausgelöst

Vorwürfe werden auch gegen das Gefängnis La Pâquerette und die Genfer Polizei laut. So sei erst um 16 Uhr ein Alarm ausgelöst worden, als Anthamatten und seine Therapeutin nicht mehr von der Reittherapie zurückkehrten, schreibt «Le Matin». Und das, obwohl die beiden dort gar nie angekommen waren. Zum Zeitpunkt des Alarms konnte das Mobiltelefon der jungen Mutter, die zum letzten Mal um 11 Uhr vormittags lebend gesehen worden war, bereits in Basel geortet werden. Ihre Leiche fand man später in einem Waldstück nahe des Reiterhofs. Anthamatten hatte seinem Opfer die Kehle durchgeschnitten. Das Foto, mit welchem nach dem Täter gefahndet wurde, ist ausserdem mehrere Jahre alt. Der Mann sieht heute ganz anders aus, schreibt «Le Matin». Er sei dicker und habe ein anderes Brillen-Modell.

Dass die Tat hätte verhindert werden können, ist sich Daniel Zappelli, ehemaliger Genfer Staatsanwalt, sicher. Er hatte 2003, nach einem Ausbruch aus der Anstalt La Pâquerette, sämtliche ungesicherten Ausgänge verboten. Ebenfalls untersagt waren damals Taschengeld und Telefone. Acht Jahre später jedoch erklärte das Genfer Verwaltungsgericht diese Praxis als widerrechtlich. Dies, nachdem ein Mann, der wegen der Tötung eines Schwulen einsass, Beschwerde eingereicht hatte.

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